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Einzig die vor 5 Jahren gepflanzten Palmen vor dem Außenministerium haben überlebt - sie wurde fachgerecht gepflegt und im Winter geschützt. Foto: BR | Schaban Bajrami

Eine balkanische Posse
Palmen in Mazedonien

2010 wurden in der mazedonischen Hauptstadt die ersten Palmen gepflanzt. Die Stadtverwaltung von Skopje hatte beschlossen, zwei tropisch anmutende Strandpromenaden entlang des Flusses Vardar aus dem Boden zu stampfen – das war Teil eines Stadtverschönerungsprogramms.

Die Firma ‚Arkor Bau‘ erhielt den Auftrag und baute zwei Mini-Strände. Der Sand kam von der albanischen Küste. Alleine die Palmen kosteten 25.000 Euro. Die Freude währte jedoch nicht lange. Schon nach kurzer Zeit waren die meisten Palmen verdorrt. Schuld soll schlechte Pflege gewesen sein. Und auch die Stadt-Strände, die mit 100.000 Euro das Stadtsäckel belasteten und als Naherholungsgebiet für Hauptstädter gedacht waren, sind mittlerweile verschwunden. Nur am Rande bemerkt: Das Baden im Vardar ist streng verboten – zu schlecht ist die Wasserqualität.

Doch statt sich von den Fehlschlägen entmutigen zu lassen nahm der Traum von karibischen Palmen in Mazedonien sogar landesweite Dimensionen an. Nach einem Beschluss  der mazedonischen Regierung wurde 2014 der staatliche Forstdienst beauftragt, 1.100 Palmensetzlinge anzuschaffen. Wieder erhielt die Firma „Arkon Bau“ den Zuschlag bei der Ausschreibung.

Die Setzlinge waren 4 m hoch und kosteten 500 Euro pro Stück, also mehr als eine halbe Million Euro für die Anschaffung der Pflanzen. Hinzu kamen noch die Kosten für die Pflege der Bäume, so dass das mazedonische Palmen-Abenteuer insgesamt mit rund einer Million Euro zu Buche schlug. Starke Kritik kam von Seiten der Opposition, insbesondere die Ökö-Partei ‚DOM‘ war entsetzt. Deren Vorsitzende Liljana Poposka warnte, dass dies wahrlich keine gute Idee sei, weil das Klima in Mazedonien schlicht nicht geeignet für Palmen sei.

Der Leiter der Stadtwerke Skopje hielt dagegen, dass die Palmen durchaus in Mazedonien gedeihen, wenn man mit ihnen nur richtig umgeht. Man müsse sie nur tiefer einpflanzen, im Sommer mit einem ausgeklügeltem Bewässerungssystem wässern und im Winter gut einpacken, oder in ein beheiztes Lager zum Überwintern bringen. Auch den Vandalismus, der die Pflanzen bedrohte, wollte man in den Griff bekommen.

 

Prunkvoller Paläste und tropische Palmen - das Projekt 'Skopje 2014' soll bisher schon über eine halbe Milliarde Euro gekostet haben. Foto: BR | Schaban Bajrami
Prunkvoller Paläste und tropische Palmen - das Projekt 'Skopje 2014' soll bisher schon über eine halbe Milliarde Euro gekostet haben. Foto: BR | Schaban Bajrami

Doch der letzte Winter mit Minus-Temperaturen von 20 Grad und darunter machte all die teuren Schutzprogramme hinfällig: fast alle Palmen trockneten aus. Die Stadtwerke gaben sich angesichts dieser klimatischen Widrigkeiten überrascht und beschlossen, erst einmal eine Kommission zu gründen, die dem Palmensterben auf den Grund gehen soll. Wie viele Pflanzen genau überlebt haben, könne man noch nicht exakt sagen, erklärt die Kommission vorsichtshalber.

Beim Spaziergang durch die Stadt scheint die Lage auf den ersten Blick klar – auch ohne wissenschaftliche Erkenntnisse: man sieht nur verdorrte Palmen. Nur die Gewächse vor dem Außenministerium sind grün wie eh und je – sie waren den Winter über dick vermummt und eingepackt.

Die mazedonische Regierung wiegelte jegliche Kritik genauso ab, wie sie es auch mit dem seit Jahren anhaltenden Gemäkel am Mega-Bauprojekt ‚Skopje 2014‘ tut. Viele ausländische Medien beschreiben Skopje als eine Art barockes  Disney-Land – und jetzt kommt noch die Palmen-Posse hinzu. Das sich immer wiederholende Argument der Regierung lautet: damit fördern wir die am Boden liegende heimische Wirtschaft. Nur: Solche abenteuerlichen Projekte haben den Steuerzahler schon über eine halbe Milliarde Euro gekostet. Geld, das der Staat nicht hatte, sondern über Kredite finanzierte, die kommende Generationen zuzüglich enormer Zinsbeträge zurückzahlen werden müssen. Palmen kaputt, Kassen leer.

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