Die THC-arme und CBD-reiche Züchtung kann in Österreich legal verkauft werden. Foto: BR | Christine Auerbach

Raus aus der Schmuddelecke
Legales Cannabis in Wien

Ist Österreich das neue Holland? In der Wiener Innenstadt scheint es fast so. Denn dort, in einem der hipsten Viertel Wiens rund um den Spittelberg, zwischen Fair Trade Klamottenläden und Tagescafes kann man seit gut einem Monat legal Cannabis kaufen. Und die Polizei sieht zu:

Die waren zwei Tage nach der Eröffnung da und haben angeboten, uns zu beschützen. Wir haben ihnen unsere Telefonnummer gegeben und sie meinten, dass sie sich bei uns melden, falls ihnen was auffällt.

Stephan, einer der Gründer des Cannabis-Ladens „Magu“

Dass die Polizei so entspannt ist, liegt daran, dass der Wiener Laden Cannabis light verkauft. Eine spezielle Züchtung, die nur wenig THC enthält – der Stoff der high macht und der verboten ist. Weil die Wiener Züchtung beim THC unter dem gesetzlichen Limit bleibt, ist sie legal.
Dass die Leute sie trotzdem kaufen, liegt an einem zweiten Wirkstoff von Cannabis, dem CBD (Cannabidiol). Von ihm enthält die Wiener Züchtung mehr als üblich. CBD ist nicht verboten und vor allem in der Medizin bekannt. Es soll zum Beispiel beim Entspannen helfen oder bei schweren Krankheiten wie Multipler Sklerose oder Rheuma. CBD-Medikamente vom Arzt auf Rezept zu bekommen ist möglich, aber kompliziert. In den Wiener Laden kann jeder einfach reingehen. Die jungen Macher des Shops wollen mit dieser THC-armen und CBD-reichen Züchtung Cannabis aus der Schmuddelecke holen:

Unser Ziel ist es, allen Leuten den Zugang zu Cannabis zu ermöglichen. Zu fairen Preisen, das heißt so billig wie möglich. Damit sie nicht auf dem Schwarzmarkt irgendeinen Mist kaufen. Bei uns weiß man, es sind sechs Prozent CBD und unter 0,3 Prozent THC drin.

Sophie und Yuri, Gründer des Cannabis-Ladens „Magu“

Aber das ist gar nicht so einfach: Denn die Gesetzeslage bleibt heikel und auch der Verkauf der speziellen Züchtung eine Gradwanderung für die Ladenbesitzer. Sie dürfen ihre Kunden zum Beispiel nicht beraten, wie sie Blüten und Öl am besten hernehmen, sonst drohen rechtliche Probleme. Als einzige Möglichkeit bleibt ihnen, den Kunden zu raten auf Google nachzulesen, wie sie die Blüten oder das CBD-Öl anwenden sollen.

Die Kunden kaufen trotzdem. Teils weil sie das Cannabis light einfach einmal ausprobieren wollen, teils weil sie hoffen, dass es wirklich gegen ihre Schmerzen hilft. Aber auch weil viele froh sind, eine legale Alternative für den Kauf gefunden zu haben. Die Blüten und Öle stehen in Marmeladengläsern abgepackt auf Holzregalen, große Schaufenster gehen zur Straße, die beiden in Wien angebauten Sorten heißen Sissi und Franz. Alles in allem also der Gegenentwurf von dem, was man sich unter einer schmuddeligen Kifferbude vorstellt. Und damit sieht zumindest der Laden schon einmal so aus, wie sich die Macher das Image von Hanf in Zukunft vorstellen.

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Die drei Ladengünder (von Links) Sophie, Sebastian und Yuri. Foto: BR | Christine Auerbach
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