Seit mehr als zwei Monaten demonstrieren diese Menschen unentwegt gegen die Regierung und die Einschränkungen des Rechtsstaates. Foto: BR | Herbert Gruenwald

Enttäuschung nach den Massenprotesten in Rumänien
"Dragnea hat alles unter Kontrolle"

Ich bin sehr enttäuscht, dass so wenige Demonstranten übriggeblieben sind. Ich bin nach wie vor hier, weil wir das Problem nicht gelöst haben. Die Regierenden haben immer noch das gleiche Ziel: ihre eigene Haut vor Gefängnisstrafen zu retten, noch mehr Geld stehlen zu können.

Ein Dauerdemonstrant auf dem Siegesplatz in Bukarest

Derzeit stehen vor allem Straßenproteste in Ungarn und Serbien im Fokus. Vor acht Wochen blickte Europa dagegen nach Rumänien – in Bukarest und anderen Städten gingen im Februar bis zu einer Million Menschen gegen die von der Regierung geplante Korruptions-Amnestie auf die Straße. Was ist aus den Protesten in Rumänien geworden? Tatsächlich ziehen immer noch ein paar Unentwegte täglich vor das Regierungsgebäude in Bukarest, doch die große Protestwelle ist abgeebbt. Dabei ist die Regierung, dominiert vom vorbestraften sozialdemokratischen Parteichef Liviu Dragnea, immer noch im Amt. Und versucht derzeit durch die Hintertür genau die Art von Korruptions-Amnestie durchzusetzen, die sie damals angesichts der Massenproteste zurückziehen musste. Waren die Demonstrationen umsonst? „Ich bin enttäuscht“, sagt eine Dauerdemonstrantin in Bukarest, „der Rumäne fängt die Dinge gut an, bringt sie aber nicht zu Ende.“ „Das Dragnea-Regime hat praktisch alles unter Kontrolle“, meint der Politikwissenschaftler Ioan Stanomir. „Dragneas Sozialdemokraten können fast nach Belieben schalten und walten.“

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Die Protestbewegung hat sichtlich an Schwung verloren. Foto: BR | Herbert Gruenwald
0:00 | 0:00

Man sagt mir, dass die Angriffe auf mich von Soros befohlen und koordiniert werden. Soros habe ich selbst schon immer attackiert und werde ihn weiter attackieren, bis dieses Land es vielleicht schafft, sich ganz vom unheilvollen Einfluss dieses Mannes zu befreien.

Liviu Dragnea, Präsident der Abgeordnetenkammer und Vorsitzender der rumänischen Sozialdemokraten

Es hat sich erneut gezeigt hat, dass Rumänien kein Ort der Nachhaltigkeit, des anhaltenden Widerstandes ist. Wir kapitulieren viel zu schnell in dem Augenblick, in dem wir scheinbar das Ziel erreicht haben. In Wirklichkeit ist das Ziel aber nicht erreicht worden.

Ioan Stanomir, Professor für Politikwissenschaft
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.