Flüchtlinge berichten von Misshandlungen in Ungarn und Bulgarien
"Sie schlagen uns und amüsieren sich dabei"

In Ungarn sind sie wirklich böse, sie schlagen die Leute, nehmen ihnen Handys und Geld ab. Manchmal machen sie Selfies und Videos davon und amüsieren sich darüber. Zu mir haben sie gesagt: warum bist Du hier, Du bist doch ein Taliban.

Abdul Sabul, Flüchtling aus Afghanistan

Ungarn lässt täglich nur noch maximal zehn Flüchtlinge in die von Stacheldraht umzäunten Containerlager direkt an der Grenze zu Serbien einreisen. Zwar haben sich Alternativrouten entwickelt, einerseits über Rumänien, andererseits über Bosnien und Kroatien, doch auch hier werden Flüchtlinge oft aufgegriffen und zurückgeschickt. Der „Rückstau“ bildet sich in Serbien, vor allem in der Hauptstadt Belgrad. Dort hat Ralf Borchard mit jungen Männern aus Afghanistan und Pakistan, serbischen Flüchtlingshelfern und dem UNHCR gesprochen. Manche Flüchtlinge haben mit Hilfe von Schleppern mehr als zehn Mal vergeblich versucht, über Ungarn Richtung Westeuropa weiterzukommen. Die Betroffenen berichten von schweren Misshandlungen durch Sicherheitskräfte in Ungarn und Bulgarien. Sie bestätigen damit die Vorwürfe aus dem jüngsten Bericht von Oxfam und anderen Nichtregierungsorganisationen.

Die Brutalität der ungarischen Polizei hat ihren Höhepunkt in den Monaten Dezember bis Februar erreicht. Viele Flüchtlinge kamen mit Wunden von Hundebissen zurück, manche sagten, sie seien bei minus 15 Grad mit Wasser übergossen worden. Die Gewalt hat nur deshalb abgenommen, weil es inzwischen viel weniger über die ungarische Grenze versuchen

Miodrag Cakic, Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Info Park" in Belgrad

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Flüchtlinge vor einer Lagerhalle in Belgrad, in der sie ohne fließendes Wasser und reguläre Toiletten leben. Foto: BR | Dejan Stefanovic
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Seit einem Jahr haben wir hunderte von Zeugenaussagen solcher Misshandlungen dokumentiert. Die ungarischen Behörden sind immer wieder aufgefordert worden, diese zu untersuchen und abzustellen. Hier werden nicht nur wehrlose Flüchtlinge misshandelt, sondern auch europäische Grundwerte. Wenn Ungarn nicht angemessen reagiert, dann müssen Brüssel und Berlin eingreifen.

Hans Schodder, Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks in Serbien
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