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0% Alkohol, 100% cool - karitatives, alkoholfreies Bier in Ungarn. Foto: BR | Attila Poth

In Ungarn ist das Share-Bier auf den Markt gekommen
Trinken für eine bessere Welt

Ein paar Bierchen mit Freunden – das ist auch in Ungarn eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung. Aber seit letztem Herbst kann das Biertrinken in Ungarn mehr sein, nämlich sozialpolitisch und gesellschaftlich nützlich. Im September 2016 haben drei Freunde, engagierte junge Männer, eine – wie viele ihnen vorhielten – Schnapsidee verwirklicht: sie haben ein karitatives Bier auf den Markt gebracht. Ein Bier, dessen Profit an Nichtregierungsorganisationen und verschiedene Projekte geht. „2015 war ich in Berlin. Dort habe ich etwas Ähnliches gesehen“, erzählt Loci Alvegi und wie die ganze Geschichte begonnen hat. Der Architekt, der eine eigene Designfirma leitet, wollte diese Idee unbedingt auch in Ungarn verwirklichen. „Es hat fast zwei Monate gedauert, meine beiden Kumpels zu überzeugen“, lächelt er. „Und dann brauchten wir noch eineinhalb Jahre, um mit unserer Marke herauszukommen“, fügt Marci Kaldi hinzu. Er ist eigentlich auch Architekt, aber seit neun Jahren leitet er ein Familienunternehmen, das Stadtführungen zu Fuß in Budapest organisiert. Der dritte im Bunde, Istvan Adam, ist kein Architekt. Er kennt Loci seit einer Ewigkeit und ist deshalb bei dem Projekt dabei und bringt Erfahrung mit. Seine Firma verkauft Werbegeschenkartikel.

Die Gründer haben ihrem Bier den Name ‚Share‘ (teilen) gegeben. Sie geben oder teilen den Profit mit Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen. Es gibt sechs Bereiche, die sie unterstützen möchten: Kultur, Rechtschutz, Suchtbekämpfung, Sport, Bildung und Umweltschutz.

 

Das Bier kommt aus einer Manufaktur-Brauerei. „Am schwersten war es, eine Brauerei zu finden, die ständig gute Qualität in großer Menge produzieren kann“, erklärt Istvan. „In der Slowakei haben wir einen Brauer gefunden. Er gehört der dortigen ungarischen Minderheit an“, fügt Herr Adam hinzu. Das Design der Flasche und des Etiketts hat Loci mit seiner Firma entwickelt und verwirklicht. Im Angebot gibt es momentan Pils und alkoholfreies Dunkelbier mit Zitronengeschmack. „Es ist eigentlich sehr speziell, denn auf dem ungarischen Markt gibt es keine aromatisierten und alkoholfreien Dunkelbiere“, betont Marci. „Es ist sehr beliebt, fast 30 Prozent des Gesamtumsatzes erzielen wir mit diesem Bier“, sagt Loci. „Sogar meine Kindern trinken es gern“, verrät er lächelnd. Und ja, es schmeckt wirklich gut. Weil ich mit dem Auto zum Interview gekommen war und in Ungarn ‚Null Promille‘ gilt, kam nur das Alkoholfreie in Frage. Für zu Hause habe ich zwei Flaschen Pils mitgenommen. Auch sie erwiesen sich als äußerst lecker.

Es hat drei Monate gedauert bis die erste Spendensumme zusammengekommen ist. „100.000 Forint, etwa 300 Euro haben wir einem Theater gespendet, das sich auch mit Theaterpädagogik beschäftigt“, sagt Istvan. „Man könnte meinen, dass es nur Kleingeld sei, aber zivile Organisationen brauchen jeden Cent, jede Unterstützung“, fügt Marci hinzu. „Bald werden wir die zweiten 100.000 Forint übergeben. Diesmal an ‚Straßenjuristen‘, die Obdachlosen mit kostenlosen Rechtsberatungen helfen“, freut sich Loci. „Der Frühling fängt gerade mal an und wenn es kalt ist, stehen die Leute nicht so auf Bier. Wir hoffen, dass im Sommer viel mehr verkauft wird“, erklärt Marci.

Die drei hoffen, dass sich ihr Projekt in einem Jahr selbst tragen wird, denn jetzt müssen sie alles noch alleine neben der Arbeit stemmen. „Zum Glück stehen unsere Frauen und Familien voll hinter uns und unterstützen uns wo sie nur können. Und ich denke, sie sind auch sehr stolz auf uns“, erzählt Marci.

Die Pläne für die Zukunft haben sie klar vor Augen: „Zuerst gilt es, das Biersortiment zu erweitern. Dann könnten auch noch Mineralwasser oder Gummibonbons dazu kommen. Aber alles nach dem Share-Prinzip“, versichert Loci.

Auf die Frage, ob sie nicht befürchten, ins Visier der ungarischen Regierung zu geraten, die immer härter gegen NGOs vorgeht, betonen die drei Sozialunternehmer, dass ihr Bier-Projekt völlig unpolitisch sei. „Unser Share beschäftigt sich nicht mit Politik. Wir möchten nur helfen“, beschreibt Istvan ihre Motive. „Wir möchten nur die Welt zu einem besseren Ort machen.“

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