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Eine Gruppe koreastämmiger Pilger aus den USA betet an einem der Orte, an dem die Mutter Gottes erschienen sein soll. Foto: BR | Michael Mandlik

Papst Franziskus schickt Sondergesandten nach Medjugorje
„Maria ist keine Oberpostbeamtin“

Mühsam schrauben wir uns mit dem Auto die schmalen Serpentinen hinauf. Inzwischen sind Stunden vergangen, seit wir in Sarajevo los gefahren sind. Immer gleichsam verfallene Häuser und brachliegendes Land ziehen an uns vorbei. Mehrfach verfahren wir uns, weil die Straßenbeschilderung dürftig ist und das Navi keinen Empfang mehr hat. Aber auf einmal sind wir doch da und in einer anderen Welt. Schon einige Kilometer vor Medjugorje fängt es an: Die Häuser sind auf einmal gepflegt, die Fahrbahn breit und frisch geteert, Hotels reihen sich aneinander. Im Ort erwartet uns fröhliches Treiben auf den Straßen und eine ausnehmende Herzlichkeit aller Menschen, mit denen wir es zu tun bekommen. Die zahlreichen Souvenirläden verbreiten Urlaubsflair. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass das Sortiment ausschließlich religiösen Inhalts ist: Rosenkränze, Heiligenbildchen und Mariendarstellungen. Maria in blau, Maria in grau, Maria mit Kind, Maria in klein, Maria in lebensgroß, Maria in allen Varianten – klar, um sie geht es schließlich auch an diesem Ort.

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„Maria ist keine Oberpostbeamtin“

Kamera: Tamara Link

Schnitt: Edouard Stork/Günter Stöger

Medjugorje ist einer der bedeutendsten und umstrittensten Marienwallfahrtsorte der Welt. 1981 geben sechs Jugendliche aus dem Dorf zum ersten Mal an, dass ihnen die Mutter Gottes erscheine, mit ihnen spreche und jeden Tag wieder komme. Bis heute dauern die Erscheinungen an. In aller Öffentlichkeit empfängt Seherin Mirjana an jedem zweiten im Monat eine Botschaft, die sie sofort verkündet. Der Pilgerstrom ist immens.

Schon früh regt sich Widerstand gegen die Seherinnen und Seher von Medjugorje. Die Kommunistische Regierung verbietet den Kindern, den Ort der Erscheinung zu besuchen. Priester, die die Geschehnisse für gut heißen, landen im Gefängnis. Allen Repressalien zum Trotz aber übermitteln die Jugendlichen die Botschaften weiter und Medjugorje wird zu einem Pilgerzentrum in der Dimension von Lourdes und Fatima, obwohl der Vatikan es als offiziellen Marienwallfahrtsort nach wie vor nicht anerkennt. Papst Franziskus äußert sich höchst kritisch: Maria sei keine Oberpostbeamtin, die täglich Nachrichten schicke, so der Papst. Doch die Pilger sind da und um die muss sich jemand kümmern. Ein Sondergesandter soll nun die Situation vor Ort erneut prüfen.

Die Pilgerleiter von Medjugorje begrüßen diese Entscheidung. Für sie bedeutet die Anwesenheit eines Vertreters des Vatikan eine Erleichterung ihrer Arbeit mit den Gläubigen. Dass der Vatikan offiziell zu einer negativen Entscheidung bezüglich der Glaubwürdigkeit der Marienerscheinungen kommen könnte, fürchtet derzeit niemand. Dem Glauben der Menschen würde das wohl auch kaum einen Abbruch tun. Welche wirtschaftlichen Folgen eine solche Entscheidung aber für den Ort haben könnte, ist derzeit noch unklar.

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