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Aktivisten in der Stadt. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Bosnier verstehen die Menschen in Syrien besonders gut.
Der "Civil March for Aleppo" in Sarajevo.

Nachdem wir den ‚Civil March for Aleppo‘ an der slowenisch kroatischen Grenze getroffen haben, sind die rund 40 vorwiegend jungen Leute nun auch in die bosnische Hauptstadt  gekommen.  Sie sind seit nunmehr 85 Tagen unterwegs, um die Weltöffentlichkeit auf das Leiden der Menschen in Syrien aufmerksam zu machen. In Berlin sind sie gestartet, im syrischen Aleppo wollen sie ihre Friedensaktion beenden. Sie gehen die sogenannte ‚Balkanroute‘ entlang, nur in umgekehrter Richtung. Sarajevo war deshalb eigentlich nicht auf ihrem Plan, aber dann begriffen sie, dass sie in der Stadt, die durch die längste Belagerung im 20. Jahrhundert (1.450 Tage) traurige Berühmtheit erlangte, größtes Verständnis für ihre Ziele und Ideen finden würden.

Als sie ankamen, herrschte Rushhour in der Stadt. Die „Sarajlija“ schauten aus ihren Autos neugierig den singenden  und gutgelaunten Demonstranten mit ihren weißen Fahnen zu, für die die Polizisten sogar die Straßen sperrten. Die Anti-Kriegs-Botschaften scheinen in Bosnien gut angenommen zu sein. Hier werden die  Friedensmarschierer nicht in Turnhallen untergebracht, wie oft unterwegs, sondern sogar in privaten Hotels. Die Menschen hier wissen wohl sehr gut, wie wichtig es ist, gegen Krieg zu kämpfen.

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Der „Civil March for Aleppo“ in Sarajevo

Video: BR | Eldina Jasarevic

In der Fußgängerzone zogen die Friedenskämpfer die Schuhe aus und tunkten ihre  Füße in rote Farbe ein. Danach  liefen sie barfuß über eine lange, ausgelegte Papierbahn nahe der Stelle, an der vor mehr als 20 Jahren die Granaten der bosnisch-serbischen  Soldaten von Radovan Karadzic die Zivilisten in Sarajevo töteten. Die roten Spuren sollten das Leiden der syrischen  Flüchtlinge symbolisieren, die oft barfuß in die Freiheit flüchteten. Auch Erinnerungen an das Leiden der Menschen im belagerten Sarajevo wurden wach. Einige Frauen weinten dabei. Andere fotografierten nur, denn 22 Jahre nach dem Krieg ist Sarajewo eine europäische Stadt wie jede andere geworden. Die Normalität hat die Erinnerungen an die schweren Zeiten verdrängt.

Eben das beeindruckte Ahmed, den einzigen Syrier unter der Friedensmarschierern am meisten. Er war schon an der slowenisch kroatischen Grenzen in Rogatec dabei. Ahmed ist aus Aleppo nach Österreich geflüchtet. Er wünsche sich, dass seine Heimatstadt auch einmal wieder so heil und schön wie Sarajevo  werde.  In Sarajevo fühlt sich Ahmed besonders gut, denn hier fühlt er sich verstanden. „Die Leute hier wissen, was der Krieg ist. Ich kann dieses Gefühl nicht mit vielen Leuten in meiner Umgebung teilen.“

In der Bascarsija, der Altstadt von Sarajevo, fand dann ein Open-Air Konzert statt. Ein Pianist spielte für die Einheimischen und Aktivisten. Der Gebetsruf eines Imams von einem der vielen Moscheeminarette mischte  sich mit der traurigen Klaviermusik. Die Sonne ging unter und Ahmed sang auf Arabisch ein Lied über Aleppo.

Alle in Sarajevo  wünschten sich, dass die Menschen in Syrien von diesem Tag erfahren könnten. Die Menschen hier haben am eigenen Leib erfahren, wie es schmerzhaft es ist, in der Not von der Welt vergessen zu  werden.

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