Die Premierminister der Westbalkanländer trafen in Sarajevo EU-Erweiterungskommisar Johannes Hahn. Foto: picture alliance/dpa

Der Einfluss Russlands und der Türkei wächst
Die EU sorgt sich um den Balkan

Die Spannungen in mehreren Balkan-Ländern wachsen, in Berlin und Brüssel schrillen Alarmglocken. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel warnt, die Region stehe wieder an einer Wegscheide, die Fortschritte der vergangenen Jahre stünden in Frage. Gleichzeitig hat EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn in Sarajevo die Regierungschefs von Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien getroffen. Offiziell versuchte Hahn, gute Stimmung zu machen: die EU stehe zu ihrer Beitrittsperspektive, vorab sollten die Balkanländer untereinander wirtschaftlich enger kooperieren. Doch hinter den Kulissen gab es beim Treffen in Sarajevo heftigen Streit, etwa zwischen den Regierungschefs Serbiens und des Kosovo, Aleksandar Vucic und Isa Mustafa. Dazu kommen die anhaltende Regierungskrise in Mazedonien, Warnungen vor russischer Infiltration in Montenegro und die Abspaltungstendenzen in der serbischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowinas. „Die EU verliert auf dem Balkan an Strahlkraft, der Einfluss Russlands und der Türkei, damit autoritärer Regierungsmodelle wächst“, warnt Vedran Dzihic, Balkan-Experte an der Universität Wien.

Ich habe allen Regierungschefs einmal mehr versichert, dass die Europäische Union sehr ernsthaft an der weiteren Integration der Region interessiert ist, mit der Perspektive eines Beitritts aller Länder der Region zur Europäischen Union.

EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn

Wir befinden uns schon seit Monaten in einer Phase, in der man merkt, dass der Einfluss der Europäischen Union so schwach geworden ist, dass die lokalen politischen Eliten beginnen, eigene Spiele zu spielen.

Vedran Dzihic, Politikwissenschaftler, Universtität Wien

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Sarajevo, die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas. Die innerbosnische Krise ist nur eine von vielen in der Region. Foto: BR | Karin Straka
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.