Die Resultate des zurückgehenden Wassers. Foto: BR | Lyubisha Nikolovski

Ohridsee in Mazedonien gefährdet
UNESCO soll 'sein' Welterbe schützen!

Der Ohridsee ist einer der ältesten Seen der Welt, und wahrscheinlich sogar der älteste Europas. Jetzt, im Winter, zeigt er sich in seiner ganzen natürlichen Schönheit. Das ist auch der Grund, weshalb ihn die UNESCO seit 1979 zum Welterbe erklärt hatte. Er existiert schon fast drei Millionen Jahre und beherbergt mehr als 200 Flora-und Faunaarten, die es nirgends sonst auf der Welt gibt.

Schon wenn man an den See herantritt und die Schwäne beobachtet, die still auf seiner Oberfläche schwimmen, die zahllosen Wildenten sieht und den Lärm der Ohridmöwen hört, die bisweilen ins Wasser tauchen, um die im flachen Wasser vielleicht einen Fisch zu ergattern, ergreift so manchen die Demut.

In letzter Zeit allerdings passiert etwas Merkwürdiges mit dem See. Der Wasserspiegel ist nämlich weit unter das minimale Niveau gefallen, und das Wasser selbst hat sich etwa zehn Meter vom Ufer zurückgezogen. Die Einwohner von Struga und Ohrid, den beiden am See gelegenen Ortschaften, sind besorgt angesichts dieser Veränderungen.

„Das hat es sechzig Jahre nicht gegeben, so lange ich lebe, gab es das nicht“, sagt Nikola, der mit seinem Freund Alija am Ufer spaziert. „Das Wasser reichte immer bis hier zu diesem Spazierweg. Außerdem gab es viele Fische, die wir vom Ufer aus angeln konnten. Jetzt ist das Wasser verschwunden, hat sich sogar bis zum Schilf zurückgezogen.“

Besorgt ist auch ein junger Vater, der mit seiner Tochter spazieren geht. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, aber, was die mit dem See machen, ist völlig inakzeptabel. Was soll für unsere Nachkommen denn noch vom See übrigbleiben, wenn die so weitermachen.“

Im Gespräch mit den Anwohnern stellt sich heraus, dass die meisten vermuten, der Grund für den Rückzug des Wassers liege in der massiven und unkontrollierten Entnahme von Seewasser durch das staatliche Elektrounternehmen ELEM. Kürzlich hatte es dies veranlasst um die Leistung des Wasserkraftwerks am Fluss Crni Drim zu verbessern. Eigentlich ist das aber gar nicht erlaubt, denn der Ohridsee ist kein Nutzgewässer und fällt damit auch nicht in deren Zuständigkeit. Das Unternehmen ELEM hingegen dementierte die Vorwürfe und versicherte, man hätte nichts damit zu tun. Nach ersten Reaktionen auf die Veröffentlichung des Vorwurfs in den Medien allerdings, wurde die Schleuse am Ohridsee sofort geschlossen, um weiteres Ablaufen des Wassers zu verhindern. Interessanterweise geschah dies gerade in dem Moment,  in dem Ökologen eine Initiative zum Schutz des Ohridsees ins Leben riefen, die vor den aggressiven Plänen der Regierung warnt. Die Initiative möchte verhindern, dass die Stadt Ohrid zu einem touristischen Zentrum gemacht wird, was die Schutzmaßnahmen seitens der UNESCO erheblich erschweren würde.

Einige der Infrastrukturpläne der mazedonischen Regierung sind in der Tat eine potenzielle Gefahr für das ökologische Gleichgewicht des Ohridsees. Die Pläne beinhalten u.a. den Bau eines großen Wintersportkomplexes im Nationalpark Galicica oberhalb des Sees, der wiederum selbst Heimat zahlreicher einheimischer Tier-und Pflanzenarten ist. Kommunen und das Land selbst planen sogar den Bau einer Autobahn entlang des Seekomplexes, daneben ein touristisches Entwicklungsgebiet, das eine intensive Urbanisierung der Ufer erfordert. Es würde schlichtweg bedeuten, dass die 50 Hektar große Oberfläche des Sees und die Sümpfe zerstört würden, obwohl sie als natürlicher Filter des Sees funktionieren.

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