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Nach vielen Jahren Pause, findet in diesem Jahr unter dem Motto 'Eat the rich' wieder eine Demo gegen den Opernball statt. Foto: BR | Andrea Beer

Hummer und Sichel
Die Debütantin und der Kommunist

Dorothea Hammerbacher sitzt in einem Kaffeehaus am Wiener Naschmarkt und rührt in einer Melange. Die tanzbegeisterte Debütantin sieht man ihr noch nicht an. Statt Hochsteckfrisur und Lagerfeld Krönchen trägt sie die braunen Haare offen und einen Ringelpulli. Zum Tanzen kam die 23-Jährige aus der Nähe von Nürnberg über Freunde schon als Kind und mit dem Wiener Opernball erfüllt sich für sie ein langgehegter Kindheitstraum.
Dorothea Hammerbacher und ihr Tanzpartner sind schon vor einer knappen Woche nach Wien gereist. Sie hatten zwar auch freie Zeit. Aber es gab ein straffes Übungsprogramm für die 144 Debütantenpaare, darunter 16 aus dem Ausland. Mit dem Einzug der Debütanten beginnt der Opernball und da muss schließlich jeder Schritt der ausgeklügelten Choreografie sitzen.

Zum Ball der Bälle, dem Wiener Opernball werden rund 5.100 Gäste erwartet. Es stehen allein 1.300 Flaschen Sekt und Champagner oder 1.000 Petits Fours und Sandwiches bereit und natürlich Kaviar. Für David Lang ist der Opernball ein reines Symbol für die ungleiche Verteilung von Reichtum in der Gesellschaft. Der 28-jährige Student ist Vorsitzender der Kommunistischen Jugend Österreichs KJÖ. Unter dem Motto „Eat the rich“ protestiert seine Organisation gegen den Opernball. Vor allem gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum in der Gesellschaft.

Wir wissen auch, dass die zentralen Entscheidungen über die Menschen nicht in der Staatsoper gefällt werden, sondern im neuen Arbeitsvertrag der Regierung stehen. Etwa wenn der Kündigungsschutz aufgeweicht wird. Aber der Opernball ist ein Symbol.

David Lang, Vorsitzender der Kommunistischen Jugend Österreich

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"Ich habe mitbekommen, dass es Proteste gibt. Über Vermögenssteuer oder so mache ich mir aber hier in Wien keine Gedanken. Für mich erfüllt sich ein Kindheitstraum. Ich finanzier mit aber alles selbst und würde sagen, ich bin alles andere als reich." - Dorothea Hammerbacher, Debütantin. Foto: BR | Jan Heier
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Die Demonstration gegen den Opernball ist der Höhepunkt einer Kampagne der letzten Monate mit unterschiedlichen Aktionen, erzählt David Lang, denn die Kommunistische Jugend möchte generell erreichen, dass sich wieder mehr Menschen sichtbar für ihre eigenen Interessen einsetzen, etwa für eine andere Verteilung von Reichtum. Menschen die sich für ihre eigenen Interessen einsetzen, seien aber auch weniger anfällig für rechte Hetze ist David Lang überzeugt. Und: „Mir persönlich ist es relativ egal wer da jetzt tanzt, darum geht es uns nicht.“

In Wien sei es der KJÖ ein Anliegen, soziale Proteste wieder auf die Straße zu bringen, meint der junge Mann mit dem roten Vollbart, der ursprünglich aus dem Burgenland kommt. Seine Familie habe immer eher links gewählt und er sei in der Schule bei den Kommunisten gelandet.

So richtig ins Beuteschema von „Eat the rich“ passt Dorothea übrigens nicht. Ihr Vater zog aus als sie klein war, sie hat zwei Geschwister, ihre Mutter ist Grundschullehrerin und als Erzieherin gehört Dorothea bekanntlich nicht zu den Großverdienern. Jetzt steht der Opernball im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Bei einem weiteren Wienbesuch wäre sie für eine Debatte über die Verteilung von Reichtum also vielleicht sogar aufgeschlossen.

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