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NOlympia - jung und engagiert
Die Momentum Bewegung will keine Olympischen Spiele in Budapest

Samstags wimmelt es immer nur so von Menschen vor der Markthalle im Budapester 11. Bezirk. Ältere Damen drängen mit vollgepackten Tragetaschen durch die Menge, dazwischen junge Mütter und Väter mit Kinderwagen unter lautem Gefeilsche der Händler – Marktstimmung.

In der Nähe des Eingangs steht ein kleiner Stand, der weder Obst noch Gemüse anbietet, aber dafür eine klare Botschaft verbreitet: „NOlympia“. Die meisten Leute huschen schnell vorbei, um bloß nicht angesprochen zu werden, manche kehren interessiert zurück, anderen halten kurz an und wollen sich beteiligen.

„Wir würden gerne unterschreiben. Dürfen wir?“, fragt eine ältere Dame. „Nun, wenn ihr Wohnsitz Budapest ist“, antwortet einer der Aktivisten. „Schade, wir wohnen außerhalb von Budapest“, erwidert ihr Mann. „Na, wir scheinen denen nicht gut genug zu sein“, lächelt sie ihm schelmisch zu. „Doch, doch“, beschwichtigt sie der junge Aktivist, „Sie sind natürlich gut genug und wichtig, aber diesmal dürfen nur Budapester ihre Unterstützung bekunden“.

Die engagierten jungen Leute gehören der Bürgerinitiative „Momentum“ an und sammeln seit dem 19. Januar Unterschriften für ein Referendum zu der Frage, ob Budapest sich weiterhin für die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben soll oder nicht. Die ungarische Hauptstadt konkurriert mit Los Angeles und Paris. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) trifft die Entscheidung dieses Jahr.

„Momentum“ setzt sich gegen die Spiele ein. „Nein für Olympia, ja für unsere Zukunft – Olympia-Referendum 2017“, prangt es in großen Lettern am Stand. Laut Gesetz müssen sie bis Mitte Februar knapp 138.000 gültige Unterschriften von Budapester Bürgerinnen und Bürgern sammeln. Wenn ihnen das gelingt, muss ein Referendum in Ungarns Hauptstadt abgehalten werden. Doch Viktor Orbans Regierung will diese Befragung unter allen Umständen vermeiden und macht mobil. Ein Anhänger der Regierungspartei Fidesz meint sogar: „Wer gegen Olympia ist, sei ein Hochverräter“. Die Regierung will die Spiele in Ungarn. Unbedingt. Egal, wie viel es das Land kostet.

Eine junge Familie wartet am Stand und will die Petition unterschreiben. „Natürlich wäre es grundsätzlich schön, die  Olympischen Spiele in Budapest zu haben. Aber solange unsere Krankenhäuser zerfallen, dürfen wir kein Geld für so etwas ausgeben“, sagt die Mutter. „Ich wünsche meinem Kind eine gute Zukunft, ohne Riesenschulden“, fügt der Vater zu.

„Momentum“ gelang es, erst vor wenigen Wochen bekannter zu werden, und zwar gleich mit dem Startschuss für die die Kampagne „NOlympia“. Es sind zumeist junge Menschen, die sich engagieren wollen und sie kommen von überall. „Es gibt sehr viele unter uns, die nicht aus Budapest sind“, sagt der 27-jährige Vorsitzende András Fekete-Györ. Jura hat er studiert, arbeitete bei General Electric in Budapest und war Praktikant im Europäischen Parlament sowie im Deutschen Bundestag. „Jetzt arbeite ich den ganzen Tag für Momentum. Ich mache das ehrenamtlich und lebe von meinen Ersparnissen“, lächelt er. „Wir möchten den Systemwechsel in Ungarn beenden“, erklärt Vorstandsmitglied Janos Mecs kämpferisch, „die heutige Regierungspartei Fidesz hat vor 25 Jahren die Wende in Ungarn eingeleitet. Aber wir, Momentum, werden es sein, die sie zu Ende bringen werden.“ András Fekete-Györ erläutert die Strategie: „Wir werden uns schon bald als Partei organisieren, um nächstes Jahr an den Wahlen teilzunehmen. Zwar hat uns unsere Aktion NOlympia  bekannter gemacht, aber uns geht es dabei nicht allein um Sport. Sondern wir reden über alle wichtigen Probleme des Landes, wie zum Beispiel Korruption, die Auswanderung Jugendlicher oder die miserable Gesundheitsversorgung“.

„Momentum“ rechnet auch mit Unterstützung der jungen Ungarn, die das Land verlassen haben. „Sie haben in diesem Ungarn ihre Identität verloren und konnten hier keine politische Heimat mehr finden. Und es gibt natürlich auch Millionen, hier in Ungarn, die keine der bestehenden Partei mehr wählen wollen. All denen möchten wir eine Alternative bieten“, so András Fekete-Györ.

Parteigründung und Referendum sollen parallel ablaufen. Wichtig wird sein, vor allem auch außerhalb der Städte Fuß zu fassen. Sie sind sich darüber bewusst: erfolgreich können sie nur dann werden, wenn sie auch von den Menschen in der Provinz unterstützt werden.

Der Ausgang ihrer „NOlympia“-Aktion wird nicht allein über ihre Zukunft entscheiden, sondern auch wie sie als oppositionelle Kraft wahrgenommen werden. András Fekete-Györ zeigt sich zufrieden: „Wir haben vieles erreicht. Alle reden über das Referendum und über Olympia. Regierungsfreundliche Medien haben uns attackiert. Doch uns zeigt das nur eins, und zwar, dass wir genau richtig arbeiten.“

Bis zum 17. Februar müssen sie die Unterschriften den Behörden übergeben, die sie dann innerhalb von 45 Tagen auszählen und überprüfen müssen. Anfang April wird man dann wissen, ob das Referendum abgehalten wird oder nicht. Letztes Jahr zog Rom seine Kandidatur zurück und 2015 beendete ein Volksentscheid Hamburgs Ambitionen auf die Olympischen Spiele.

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