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ARD-Korresopondent Till Rüger mit einem Demonstranten in Bukarest. Foto: BR | George Popescu

Proteste in Rumänien
Ein Sport-Blatt kämpft gegen Korruption

Auf dem Siegesplatz in Bukarest kennt Constantin Paraschiv inzwischen jeder. Der zweifache Familienvater versorgt die Demonstranten mit Obst und kleinen Stärkungen: „Die erste Regel für eine Regierung sollte es sein, den Menschen zu dienen und nicht sie zu betrügen. Politik muss ehrlich sein und nicht den Weg gehen, der zu mehr Korruption führt.“

Und wenn Constantin nicht demonstriert, dann verkauft er Staubsauger: Zehn Angestellte haben er und seine Frau Christina. Das Geschäft läuft gut, wenn da nicht immer die Probleme mit der Alltags-Korruption wären. Genau darüber, sagt er, seien die Menschen so aufgebracht: Weil es besser wurde in den vergangenen Jahren mit der Bestechung – und jetzt von der Politik alles wieder zurückgedreht wird.“ Die neuen Gesetze stärken die Korruption wieder, es wird der Missbrauch gefördert. Da kann man Dinge machen die nicht gut sind für die Wirtschaft, davor fürchte ich mich.“

Erst vergangen Monat kam jemand z.B. um die Feuerlöscher zu prüfen. Über viele Jahre war das relativ unkompliziert, erzählt er, doch bei der letzten Kontrolle suchte der Behördenvertreter gezielt nach einem Missstand, um eine Strafe zu verhängen. „Die Strafe hätte 1000 Euro betragen. Gibt’s du mir aber jetzt 200 Euro, sagte er, dann lösen wir das unter Freunden.“ Täglich verfolgt Constantin die Berichterstattung über Korruption im Internet. Ausgerechnet eine Sportzeitung hat sich zum wichtigsten investigativen Medium in Rumänien entwickelt: Die Gazeta Sporturilor.

Vieles was andere aus Rücksicht auf Werbekunden oder Politiker nicht schreiben, decken nun Sport-Journalisten wie Razvan Lutac auf. „Als Außenseiter ist es für uns viel einfach über Korruption zu berichten. Viele nehmen uns nicht ernst, weil wir Sportreporter sind und denken wir haben eh keine Ahnung.“

Den Skandal um gestreckte Desinfektionsmittel zum Beispiel haben sie hier enthüllt: zehnfach verdünnt wurden sie fast unwirksam an Krankenhäuser verkauft. Erst die Labor-Analyse der Gazeta Sporturilor deckte den Betrug auf. Jetzt sitzen Razvan und seine Kollegin Mirella an einer neuen Recherche, wieder geht es statt um Sport um Bestechung. Anfangs hätten sich die Leser zwar gewundert, inzwischen aber lieben sie es.

Die beiden nehmen uns mit zum Malaxa-Krankenhaus im Osten von Bukarest. Einer der Angestellten hatte ihnen Dokumente zugespielt, der Direktor soll Gelder in Millionenhöhe veruntreut haben: Private Rechnungen eines Juweliergeschäfts wurden als „Desinfektion von medizinischen Instrumenten“ über das   Krankenhaus abgerechnet. Wieder eine Titelgeschichte für die Gazeta Sporturilor.

Die Demonstrationen gehen derweil weiter: Immer mit dabei Constantin Paraschiv, er will nicht aufhören, obwohl die Regierung Teile der umstrittenen Verordnung  zur Straffreiheit von Klein-Korruption zurückgenommen hat. „Es gehe um mehr, als nur diese eine Verordnung“, sagt Constantin. „Wir protestieren weiter bis ein Absatz zur Korruptions-Bekämpfung auch in der Verfassung dauerhaft verankert wird. Es geht um richtig oder falsch.“

Es wird ein langer Kampf werden, davon sind alle hier überzeugt: Doch sie sind gut gerüstet.

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Beitrag: Till Rüger

Kamera: Markus Grohs

Schnitt: Christine Dériaz

 

Sportreporter Razvan Lutac von der Gazeta Sporturilor berichtet mittlerweile mehr über Korruptionsbekämpfung als über Sportereignisse.

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