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Derzeit mit seinem

Dr.Georg Ringsgwandl im Wiener Stadtsaal
Mark Knopfler auf Bayerisch

„An sich könnte ich nach dieser Platte sterben“. Dieser Satz, den der musizierende Medicus Dr.Georg Ringsgwandl zu Beginn seiner aktuellen „Woanders“-Tour konstatiert hat, klingt auf Anhieb erst mal nach Abschied. In Wahrheit steht er so ganz im Gegensatz zu seinem musisch-kreativen Ganzkörper-Einsatz in der Show. Der inzwischen 68-Jährige gibt auch im ausverkauften Wiener Stadtsaal zwar längst nicht mehr den durchgeknallten  punkigen Springinkerl der 80er oder 90er Jahre. Die musikalische Performance aber war wohl nie besser. Das schwerpunktmäßig auf Blues und Folk begründete Klangbild seiner erstklassigen Begleitband erinnert sehr bald an die Kultformation Dire Straits; und je länger man dem promovierten Kardiologen Ringsgwandl auf der Bühne zuhört und -schaut, desto mehr erkennt man in ihm eine Art bayerischen Mark Knopfler, der mit Lebenserfahrung und Beobachtungen aus dem Alltag das bekanntermaßen anspruchsvolle Wiener Publikum auf das Beste unterhält. Mit seinem lokalkolorit-behafteten, musikalischen Blick auf die Welt spart er in dieser „Woanders“-Tour auch nicht an ironischer Selbstkritik, informiert das Publikum über die Diagnose seines mit ihm befreundeten Psychoanalytikers, er sei zwar promovierter Mediziner, aber im Innersten seines Wesens ein „Grattler“ (Penner, Asozialer). Ringsgwandl definiert zum Gaudium des Publikums das wiederum als Initialzündung seines musischen Wirkens; deshalb säßen alle an diesem Abend in Wien zusammen. So habe alles seinen Sinn. Natürlich wäre so ein Abend nicht vollständig ohne die Ringsgwandl-Hymnen „Hühnerarsch, sei wachsam“ („Chickenass, be watchful“) oder „Nix mitnehma“, eine Ballade auf die menschliche Gier, Güter anzuhäufen, die man am Ende des Lebens aber blöderweise nicht mitnehmen dürfe in die Ewigkeit. Am Ende tosender Applaus im Wiener Stadtsaal für eine Show, die Ringsgwandl noch bis kommenden Oktober in zahlreichen Städten Österreichs und Deutschlands zum Besten geben wird.

ARD-Interview mit Dr.Georg Ringsgwandl

 

Ist es schwieriger, als bayerischer Barde in Wien aufzutreten als zum Beispiel in Norddeutschland?

 

„Nein, Wien empfinde ich als ganz einfach, weil österreichisch ist zwar etwas anders als bayerisch, aber es ist ja doch ein bajuwarischer Sprachraum im weiteren Sinne. Ich bin in Reichenhall aufgewachsen. Ein Teil meiner Verwandtschaft ist aus Salzburg. Es hat da immer schon leichte Grenzübertritte gegeben, also heiratsmäßig und so. Wir waren als Kinder auch viel in Salzburg; das Österreichische ist für uns also so etwas wie ein heimatlicher Dialekt und das liegt uns von der Dialekthandhabung her alles viel näher als das eigentliche Hochdeutsche, wo man sich ja immer ein bißchen anstrengen muß.“

 

Sie lassen sich ja auch etwas aus über Hamburg, über dortige Mentalitäten, Befindlichkeiten. Hat das was zu tun mit dem Norddeutschen Raum insgesamt, also nördlich der Donau?

 

„Nördlich vom Mittelgebirge. Manches vermischt sich ja schon im Rahmen der Globalisierung. Aber es ist ja immer noch so: alles was nördlich ist vom Mittelgebirge – Berlin, Niedersachsen, Hamburg, Bremen und so weiter – das ist dort ein anderes Klima und eine andere Baukultur und eine andere Esskultur; die ganze Mentalität, die Art und Weise, wie man lebt – das alles ist im Norden immer etwas anders als im Süden. Und deswegen ist das nicht so einfach. Die Bayern und die Österreicher sind sich letztlich viel ähnlicher als zum Beispiel der Bayer und der Hamburger. Die Hamburger können zünftige Leute sein, aber die Prioritäten und die Lebensweisen sind dort halt komplett anders. Speziell wenn man in der dunklen Jahreszeit im Norden unterwegs ist – es wird dort noch ein bisschen später hell und noch etwas früher dunkel – und das Wetter ist besonders unfreundlich. Im Norden braucht man wirklich starke Nerven, wenn man dort oben leben will und deshalb sind wir wirklich sehr froh, dass wir im privilegierten Süden daheim sind.“

 

Sie sagten zu Beginn Ihrer „Woanders“-Tour: „An sich könnte ich nach dieser Platte sterben“. Haben Sie sich damit einen Reifegrad attestiert, der meint „Best of Ringsgwandl“ oder kommt da noch was?

 

Ob noch was kommt weiß ich nicht. Katholisch erzogen sag‘ ich jetzt mal: demjenigen, der uns hier reinbringt und wieder abholt, schreib ich nichts vor. Es kann schon sein, dass nochmal etwas kommt. Wenn ich Pech habe, werde ich noch 85 Jahre alt. Aber ich sag‘ mal in aller Demut – nicht weil ich jetzt schlecht beieinander wäre – sondern einfach in der Demut davor, dass viele meines Alters ja schon nicht mehr leben: wenn man in der gesundheitlichen Form, in der ich jetzt bin, 68 wird, dann muß man wirklich dankbar sein. Man sollte so ehrlich sein, zu sagen, dass das einfach ein Glück ist. Das ist eben nicht so, weil wir so tüchtig oder so schlau oder so rechtschaffen sind, deshalb sind wir so gesund. Je älter man wird, desto mehr merkt man, dass das ein Privileg ist und ein Glück, wenn man gesund altert. Trotzdem weiß ich – ich bin ja mal eine Zeit lang Doktor gewesen – wie fraglich das Ganze ist und deswegen sage ich: sollte das jetzt meine letzte Platte sein, dann wäre ich nicht traurig. Dann würde ich sagen: okay, das passt, weil recht viel besser krieg‘ ich das in diesem Leben nicht mehr hin. Ich hab‘ ja auch einige Zeit dazu gebraucht. Die erste Platte von uns ist rausgekommen vor 30 Jahren – 1986 – und jetzt bis 2016 habe ich die zwölfte, die dreizehnte oder die vierzehnte rausgebracht, keine Ahnung, ich hab‘ das nicht mitgezählt. Und man braucht längere Zeit, bis man lernt, wie man wirklich gelungene stimmige Platten produziert. Nicht, dass ich früher schlechte Sachen gemacht hätte. Ich habe das immer so gut gemacht, wie ich konnte; aber ich habe natürlich nicht die Erfahrung gehabt, die man braucht, um entsprechende Aufnahmesituationen zu schaffen, die Songschreiberei, wie das geht, dass das ein stimmiges Gesamtbild gibt auf einem Album; und ich habe auch keine Erfahrung gehabt früher, wie man mehrere untereinander harmonierende Musiker zusammen bringt; was es braucht, damit ein gutes Klangbild entsteht. Dazu braucht man einfach viele, viele Jahre. Inzwischen ist es aber so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe. Wenn mich also heut Abend der Schlag trifft, dann könnte ich mich an gehobener Stelle nicht beklagen.“

 

Das Interview mit Dr.Georg Ringsgwandl im Wiener Stadtsaal führte Michael Mandlik

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