Krawatte mit dem Motiv des kroatischen Wappens. Foto: BR | Stjepan Milcic

"Made in ... Kroatien"
Kroate - Krawatte! Wie ein Kleidungsstück aus Kroatien die Welt eroberte

Jeder Geschäftsmann oder Erfinder ist bestrebt sein lokales Produkt oder seine Erfindung weltweit zu vermarkten. Marijan Busic ging den umgekehrten Weg. Er sah ein Produkt, das in der ganzen Welt verbreitet ist, dessen Ursprungsland aber nicht. In Geschichtsbüchern über den 30-jährigen Krieg in Europa (1618-1648) fand er Abbildungen kroatischer Söldner, die ein Tuch um den Hals gebunden hatten, das sehr an heutige Krawatten erinnerte. Er fand heraus, dass sich in vielen Sprachen die Worte Kroate und Krawatte ähneln. Seine weiteren Recherchen ergaben, dass kroatische Soldaten aus jener Zeit tatsächlich bunte, meistens rote Tücher, die oft mit folkloristischen Elementen bestickt waren, um den Hals trugen. Diese Halstücher waren mit einem einzigartigen, bis dahin unbekannten Knoten gebunden. Sie wurden am französischen Hof als sehr schick empfunden, so dass sie bald unter dem Namen ‚Croate-cravate‘ zur Halsbinde des damaligen französischen Adels avancierten. Laut historischen Quellen und Überlieferungen nahm die Krawatte ihren Weg von Paris aus weiter nach England und Deutschland und von dort rund um die Welt.

 

Als Busic 1990 seine Krawattenproduktion in Zagreb startete wollte er nicht nur ein weiterer Krawattenhersteller in Kroatien und der Welt werden, nein, er wollte ein erstklassiges Produkt herstellen und vor allem (s)eine Geschichte erzählen. Zudem wollte er als kroatischer Patriot dazu beitragen, dass der neue Staat und die kroatische Identität in der Welt bekannt werden. Nichts schien dafür besser geeignet zu sein, als dieses in der ganzen Welt bekannte Kleidungsstück. Seitdem bemüht sich Busic die Krawatte überall zu präsentieren. So gründete er 1997, neben der bestehenden Produktion und dem Verkauf von Krawatten, die nichtkommerzielle Academia Cravatica, eine Gesellschaft die Symposien organisiert und verschiedene Projekte leitet, die zum Ziel hat die Krawatte (und Kroatien) bekannt zu machen. Eines der bekanntesten Projekte fand 2003 statt, als eine gigantische rote Krawatte um das alte römische Amphitheater, die ‚Arena‘, in Pula gebunden wurde. Es war ein weltweites Medienereignis.

Riesenkrawatte in Pula, 2003

Quelle: Youtube | zvonebrekalo

So wie die Krawatte selbst zum Symbol der (westlichen) Zivilisation geworden ist, so sollte die Binde um das Amphitheater eine ebenso starke symbolische Bedeutung haben, eine Verbindung der römischen Wurzeln mit dem heutigen Europa. Waren solche Arenen oder Kolosseen vor zweitausend Jahren noch Austragungsorte brutaler Gladiatorenkämpfe, so sollte die Krawatte um diese Arena in Kroatien die vornehme und künstlerische Note der römischen und europäischen Zivilisation zeigen. Nicht zufällig wurde die Krawatte auch zum EU-Symbol gewählt: sie wird bei jedem Wechsel der EU-Ratspräsidentschaft als Geschenk weitergegeben. Und die Kroaten sind stolz darauf, dass sie mit diesem edlen und erhabenen Symbol zur Zivilisationsentwicklung beigetragen haben und, dass die Krawatte zu einem Weltkulturerbe geworden ist. Auch wenn nur Wenige in der Welt diese Geschichte kennen.

 

Auch der kroatische Staat hat die Bedeutung der Verbindung ‚Krawatte-Kroate‘ erkannt, und auf Bestreben der Academia Cravatica wird seit 2008 der 18. Oktober in Kroatien offiziell als ‚Tag der Krawatte‘ begangen. In Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband zieht an den Wochenenden und Feiertagen von April bis Oktober zur Freude der Touristen und Kinder ein ‚Krawattenregiment‘ in der Zagreber Altstadt umher, das in historische Uniformen aus dem 17. Jahrhundert gekleidet ist. Selbstverständlich haben die ‚Soldaten‘ auch das historische Halstuch (Krawatte) um.

 

In einem exklusiven Krawattenladen im Zagreber Stadtzentrum verkauft Marijan Busic seine Krawatten, die alle aus feinster Seide sind und handgenäht werden. Von jedem Design werden nur maximal 30 Stück hergestellt. Das Besondere ist, dass alle seine Krawatten Motive aus der kroatischen Geschichte und Mythologie zeigen, von Buchstaben der altkroatischen Schrift, der Glagoliza, bis hin zum Motiv der weltbekannten schwarz getupften weißen Hunde, den Dalmatinern. Diese Krawatten sind keinesfalls billig, die Preise reichen von 60 € bis 500 €. Von den teuersten werden maximal vier bis sieben Exemplare hergestellt. Und es gibt sogar einige Unikate. Ein solches besitzen etwa der scheidende US-Präsident Obama, sowie der japanische Kaiser Akihito. Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers, sei auf Wunsch seiner Familie mit einer Krawatte mit kroatischen Flechtornamenten begraben worden, sagt Kunsthistoriker Nikola Albaneze, Leiter der Academia Cravatica. Er möchte in Zagreb so bald wie möglich ein Museum über die Geschichte der Krawatte errichten.

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