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Seit 108 Jahren sorgen der Flus Niseva und die Familie Stojanovic für die Stromversorgung einiger Gemeinde westlich der südserbischen Stadt Nis. Foto: BR | Zoran Ikonic

Serbisches Wasserkraftwerk produziert seit über 100 Jahren
Strom wie zu Teslas Zeiten

Die ersten Wasserkraftwerke in Serbien stammen aus den Jahren 1900, 1903 und 1908. Da diese technische ‚Neuheit‘ sogar in den damals entwickelten und industrialisierten Teilen der Welt ebenso noch sehr revolutionär war, kann man es nur als ein kleines Wunder bezeichnen, dass das weniger entwickelte Serbien so früh nachzog.

„Serbien wollte Schritt halten mit dem Fortschritt, der auf dem Feld der Stromgewinnung mit Hilfe des Wechselspannungsnetzes zum großen Teil dem serbisch stämmigen Wissenschaftler Nikola Tesla und seinen Patenten zu verdanken ist. Ihm ist auch der Bau des ersten Riesenwasserkraftwerks an den Niagara Wasserfällen im Jahr 1895 zu verdanken“, erzählt voller Stolz Slobodan Stojanovic, der Hauptmaschinist im Wasserkraftwerk ‚Heilige Petka‘ in der Nähe des südserbischen Nis, dem jüngsten unter den drei  Wasserkraftwerken die es vor dem Ersten Weltkrieg in Serbien gab.

 

"Auch nach 40 Jahren Ehe mit diesem Kraftwerk, bin ich in jede dieser Maschinen immer noch wie ein Teenager bis über beide Ohren verliebt", bekennt Slobodan Stojanovic. Und da ja alles in der Familie bleibt wird er auch im Ruhestand ab und an bei seinen einstigen Geliebten vorbeischauen. BR | Zoran Ikonic

Sein Großvater Zivko Stojanovic war dabei, als am 8. September 1908 dieses Wasserkraftwerk in Betrieb genommen wurde und als an diesem Tag zum ersten mal 3.000 Straßenleuchten im damals noch sehr orientalisch geprägten Nis aufleuchteten. Wie groß diese Investition für die damals noch relativ kleine und arme Stadt war, zeigt die Tatsache, dass der mutige Bürgermeister Teodor Milovanovic einen Kredit in Höhe von vier  Jahresbudgets aufnehmen musste, um dieses Projekt zu finanzieren. Er hat die Stadt damit fast in den Ruin gestürzt und wurde zwei Jahre vor der Fertigstellung seines Lebenswerks abgesetzt.
Seit dieser Zeit hat sich im Kraftwerk ‚Heilige Petka‘ so gut wie nichts geändert, weder was den Stand der Technik angeht, noch was die Namen der Hauptmaschinisten anbelangt:

Die von den SIEMENS-SCHUCKERT-WERKEN 1906 verbauten Turbinen, Maschinen und Schalttafeln funktionieren ohne Unterbrechung bis heute. Der Hauptmaschinist ist, wie damals, ein Stojanovic und gehört zur dritten Generation der Maschinisten aus der gleichen Familie, die sich liebevoll und mit Hingabe um ihr ‚Erbe‘ kümmern. Seit 109 Jahren stellen die Stojanovics den Hauptmaschinisten. Auf den bereits erwähnten Großvater Zivko, der von Anfang an dabei war und fast 30 Jahre lang im Kraftwerk arbeitete, folgte Vater Bozidar, der seinen Dienst 40 Jahre verrichtete. Genau 40 Jahre dabei ist auch der jetzt fünfundsechzigjährige Slobodan. Im Herbst geht auch er in den Ruhestand. Sorgen um „das Kind“, macht er sich keine. Es bleibt ja in den festen Händen der Familie, denn sein Sohn Negoslav hat die Familienaufgabe in der vierten Generation, schon vor acht Jahren übernommen. Als ich Slobodan am Ende meines Besuchs frage, ob er Enkelsöhne habe, die die Familientradition um noch eine weitere Generation fortsetzen könnten, erwiderte er mit einem breiten und fröhlichen Lächeln und der Zufriedenheit sein Lebenswerk erfüllt zu haben: „Ja, gleich zwei!“

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