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2010 wurde Cockta von einem großen kroatischen Konzern gekauft. Dieser hat den einstigen Markenartikel wieder verstärkt in den jugoslawischen Nachfolgestaaten präsent gemacht. Trotz Riesenkonkurrenz hat Cockta, heute in sechs verschiedenen Geschmacksrichtungen, wieder ihren Platz nicht nur bei Jugonostalgikern sondern auch bei neuen Generationen in dieser Region gefunden. Foto: BR | Stjepan Milcic

Made in ... Slowenien
YUGOCOCKTA - das Getränk unserer und eurer Jugend

Die Legende sagt, dass Ivan Deu, Direktor des slowenischen Unternehmens für alkoholhaltige und alkoholfreie Getränke „Slovenijavino“ 1952 von einer Geschäftsreise aus den USA kam und ein paar Flaschen Coca Cola mitgebracht hat. Diese hat er seinen Technologen gegeben und gefragt, ob auch sie so etwas produzieren könnten. Der Chefingenieur Emerik Zelenika erwiderte selbstbewusst und etwas überheblich, er könne sogar ein besseres Getränk herstellen. Nur wenige Monate später entstand das alkoholfreie schwarze Erfrischungsgetränk, das seine Erfinder Cockta bzw. Yugocockta genannt haben. Die Anspielung auf Coca Cola war da, aber um möglichen Plagiat-Klagen zu entgehen, wurde jeglicher Bezug zu dem amerikanischen Getränk geleugnet. Cockta bedeute schlicht Cocktail, sagten die Erfinder, denn außer Wasser und Hagebutten sowie Zitrone und Orange als Hauptzutaten wurden noch elf Kräuter für die Herstellung des Getränkes verwendet, und der Geschmack hatte in der Tat nichts mit dem globalen amerikanischen Getränk gemeinsam. Welche Kräuter das waren und wie die Mischung zusammenkam blieb ein Geheimnis bis heute. Das neue Erfrischungsgetränk wurde mit für damalige Zeiten ungeheurem Marketing beim internationalen Wettkampf im Skispringen in Planica 1953 vorgestellt. Das Getränk wurde an alle Sportler und Gäste frei verteilt, und ausländische Journalisten schrieben von „einer kommunistischer Coca Cola“. Dabei ging es nicht nur um das Getränk selbst, sondern um das im damaligen Jugoslawien, wie vielleicht auch  in der gesamten „kommunistischen Welt“, erste Marken-Produkt nach westlichem Muster: mit designierter Flasche und Schrift, Marketing und dem Werbespot mit einem blonden Mädchen, das Cockta trinkt.

 

Einer der ersten Werbespots von Cockta

„Gegen den Durst in heißen Sommermonaten – Cockta!“

Das Getränk erlangte schnell Popularität im damaligen Jugoslawien. Ende der 60-er jedoch, als Coca Cola, Pepsi Cola und andere westliche Erfrischungsgetränke verstärkt auf den jugoslawischen Markt drangen, sanken die Verkaufszahlen von Cockta. Anfang der 80-er ging es dank einer aggressiven Werbekampagne wieder aufwärts, und in dieser Zeit entstand wohl der bekannteste Slogan „Cockta – das Getränk unserer und eurer Jugend“, womit sich die Werbefachleute nicht nur an junge Menschen wendeten, sondern an alle Generationen. Das Konzept hatte Erfolg: in den 80-er Jahren wurden bis zu 37 Millionen Liter Cockta jährlich in Jugoslawien verkauft. In dieser Zeit versuchte man Cockta auch in Polen und Niederlanden zu verkaufen, aber das brachte nicht den erhofften Erfolg. Der Zerfall Jugoslawiens war natürlich ein harter Schlag für Cockta, denn der einst große und einzige Markt war (vorläufig) verloren. Als rein slowenisches Getränk drohte der braune Sprudel zu versiegen, bis 2010 Cockta von einem großen kroatischen Konzern gekauft wurde. Dieser hat den einstigen Markenartikel wieder verstärkt in den jugoslawischen Nachfolgestaaten präsent gemacht. Trotz Riesenkonkurrenz hat Cockta, heute in sechs verschiedenen Geschmacksrichtungen, wieder ihren Platz nicht nur bei Jugonostalgikern sondern auch bei neuen Generationen in dieser Region gefunden.

Cockta-Werbespot mit dem bis heute bekannten Slogan

– „Wir haben Durst und wollen etwas Erfrischendes, bitte.“

– „Hier ist das erste jugoslawische alkoholfreie Getränk: unser einheimisches, aus der Natur, mit Hagebuttengeschmack“

– „Cockta: das Getränk unserer und eurer Jugend!“

Jahrzehnte hindurch war Cockta ein Symbol der erfolgreichen slowenischen Wirtschaft, des Modernismus und der slowenischen Eigenart, dem slowenischen Stolz. Wie ist es heute, wenn Cockta nicht mehr im slowenischen Besitz ist? Die Slowenen wollen kein Trübsal blasen, wichtig sei es, dass Cockta überlebt habe. Egal wer sie formell heute besitzt, jeder wird wissen, dass das ein Werk und eine Errungenschaft der slowenischen Ingenieure und der slowenischen Wirtschaft war, sagen die Slowenen unisono. Oder wie es der Soziologe Janez Damjan im Katalog über die Geschichte der Cockta formulierte: „In der heutigen globalisierten Welt sind solche Marken für globale Player sehr interessant, und so konnte auch der Stolz der slowenischen Wirtschaft diesem Trend nicht entgehen.“

Cockta-Werbespot anlässlich des 60. Geburtstags

„Cockta – einfach anders!“

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