Nach 18 Jahren sollte am vergangenen Samstag der erste Direktzug von Belgrad nach Mitrovica fahren. Auf dem Zug wurde in 20 Sprachen

Kalkulierte Provokation
Propagandazug ins Kosovo muss stoppen

Man konnte sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass es Ärger um den Zug geben würde, der am Samstag in Belgrad startete und bis Mitrovica im Norden des Kosovo fahren sollte. Erstmals nach 18 Jahren wieder direkt, bisher musste man in Kraljevo umsteigen. Diese Verbindung ist unproblematisch. Womöglich wäre es auch die Belgrader gewesen. Wenn die Serben nicht aus dem Zug ein Propaganda-Gefährt auf Schienen gemacht hätten.

Im Inneren der Wagen fuhren Bilder von orthodoxen Heiligtümern mit, außen an den Waggons war „Kosovo ist Serbien“ in 20 Sprachen angebracht, die Wagen waren in den serbischen Nationalfarben gehalten. Das war eine Provokation. Und die Regierung des Kosovo antwortete entsprechend, schickte Polizeieinheiten an die Grenze und forderte die Belgrader Regierung auf, den Zug zu stoppen. Was sie denn auch tat. Nicht ohne mit der Armee zu drohen (Präsident Nikolic). In Raska an der Grenze zum Kosovo stoppte der Zug dann, eine Gesangsgruppe aus der Gegend munterte die Reisenden mit patriotischen Gesängen à la „Kosovo ist unser. Wir geben es nicht her“ auf.

Jetzt soll die EU das zerbrochene Porzellan wieder kitten. Warum diese so offensichtliche Propaganda-Aktion und warum jetzt ? Darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise hat es mit der geänderten Weltlage zu tun. Serbien erkennt das seit 2008 unabhängige Kosovo nicht an und wird darin von den Russen unterstützt. Moskau deckt auch den Präsidenten der bosnischen Serben, Dodik, der jüngst die internationale Gemeinschaft mit einem umstrittenen Feiertag provoziert und gefordert hatte, die Serben in Bosnien, im Norden des Kosovo und in Montenegro sollten sich dem Mutterland anschließen. Der umstrittene Zug wurde in Russland gebaut und wurde mit einem russischen Kredit finanziert.

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Das Innere des Zuges ist in den Nationalfarben Serbiens gehalten. Die Wände zieren Bilder von Klöstern und Orten im Kosovo. Foto: picture-alliance | dpa
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