Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

„Strawberry Tree“ im Park Tasmajdan, im Zentrum Belgrads. Der Baum sollte bei Sonnenwetter genug Energie speichern, um auch bei schlechtem Wetter bis zu zwei Wochen lang Strom liefern zu können. Die „Bäume“ und Bänke werden momentan komplett in Serbien hergestellt. Foto: Strawberry Energy

"Made In ... Serbien"
Ein Lebensbaum für moderne Zeiten

Wie oft hat man nicht schon den leeren Akku seines Smartphones, Tablets oder digitalen Fotoapparats verflucht, weil er im ungünstigsten Augenblick schlapp macht – wenn man draußen ist und keine Lademöglichkeit hat weit und breit? Unzählige Menschen kennen diesen Stress. Eine kleine Rettung in der Not bietet eine neue, genetisch manipulierte Pflanzenart: der Erdbeerbaum. Er verbreitet sich von serbischen Städten langsam in die ganze Welt und liefert erneuerbare Energie für Handy und Co.. Allerdings handelt es sich hierbei mehr um eine technische Innovation als um eine lebendige Pflanze.  Das Gerät, das sich „Strawberry Tree“ nennt, erinnert an einen Baum; Energie liefert es auch, nur die Erdbeeren fehlen. Statt Erdbeeren kann man sich aber ein rettendes Ladekabel „pflücken“.

Es ist das erste öffentliche Solarladegerät sowie kostenlose Wi-Fi-Station für Handys auf der Welt, erklärt mir Milos Milisavljevic, der junge Elektroingenieur und Gründer der Belgrader Firma „Strawberry Energy“. Einen idealeren Ort für das Treffen mit dem jungen, ambitionierten Erfinder kann ich mir nicht vorstellen. Wir sitzen in den trendigen Lazy Bags, im Gemeinschaftsraum des Wissenschaftlich-Technologischen Parks Belgrad, wo die Firma ihren Sitz hat. Milisavljevic ist 28 Jahre alt und mehr Unternehmer als Ingenieur, sagt er scherzhaft. Er war 22 und, wie auch die anderen Mitglieder seines kleinen Teams, mitten im Studium, als der erste „Baum“ als Pilotprojekt in der Kleinstadt Obrenovac bei Belgrad aufgestellt wurde. Erneuerbare Energiequellen, Häuser und Städte der Zukunft faszinierten ihn schon in der Mittelschule.

 

Milos Milisavljevic, Gründer von Strawberry Energy:
Milos Milisavljevic, Gründer von Strawberry Energy: "Einige erfolgreiche Unternehmer sind wie Rockstars. Steve Jobs von Apple kennt jeder, auch den Gründer von Facebook… Sie haben andere Menschen inspiriert, etwas selbst zu probieren. Mich auch." Foto: BR | Dejan Stefanovic

Es werde noch lange dauern, sagt er, bis die Solarenergie zur Hauptquelle der häuslichen Versorgung werde. Aber diese erneuerbaren Energiequellen könnten im öffentlichen Raum der Städte genutzt werden. Die Funktionalität des öffentlichen Raums, den sich Milliarden von Menschen teilen, sei auch vernachlässigt worden, erklärt Milos. „Das urbane Mobiliar ist gleich wie vor 50 oder 100 Jahren… Telefonzellen,  Straßenbeleuchtung. Die Müllkörbe sehen fast so aus wie vor 1.000 Jahren, die Bänke auch. Alle Städte auf der Welt sind voll davon, während sich die Bedürfnisse der Menschen total geändert haben“.
Und der „Baum“, konstatiert er stolz, war der erste Beitrag zur Veränderung dieser Zustände.

Der 1. Platz bei einem Wettbewerb der Europäischen Kommission 2011 zeigte, dass sie offensichtlich auf dem richtigen Weg sind. In den Jahren danach kamen weitere Preise und Anerkennungen aus der ganzen Welt hinzu. Dem „Baum“ folgte eine „Smart Bank“, die kleinere Variante, die die Vorteile des „Baums“ nicht nur  besser umsetzte, sondern auch erweiterte. Für Milos ein logischer Schritt, denn die Städte  hätten Millionen von Bänken, die nur als Sitzgelegenheit fungierten, obwohl  andere Bedürfnisse, wie z.B. nach wichtigen lokalen Informationen schon längst entstanden seien: „Menschen können Akkus aufladen, aber auch dank vieler Sensoren die Luftqualität verfolgen, Feuchtigkeit, Temperatur, Lärm und viele andere Informationen, die für die Stadtverwaltungen aber auch für Menschen relevant sind. Die Bänke messen die Qualität der Umwelt, in der sie sich befinden“, erklärt Milos die Vorteile seiner „Smart Bank“, die wegen des niedrigeren Preises und der leichteren Austauschbarkeit in den letzteren Jahren den größeren Teils des Exports ausmacht.

 

Die „Smart Bank“ im Londoner Finanzviertel. Milos verbringt inzwischen über die Hälfte seiner Arbeitszeit in der Londoner Filiale und pendelt zwischen Belgrad und London. Foto: Marc Ehrenbold
Die „Smart Bank“ im Londoner Finanzviertel. Milos verbringt inzwischen über die Hälfte seiner Arbeitszeit in der Londoner Filiale und pendelt zwischen Belgrad und London. Foto: Marc Ehrenbold

„Bäume“ und Bänke sind nach Milos Angaben momentan in 9 Ländern und 20 Städten aufgestellt. Käufer sind Städte, Kommunen; Universitäten, aber auch private Unternehmen, Shopping Centren, Tankstellen. Alles Orte, wo sich Menschen versammeln und Zeit verbringen. Eine Smart Bank wurde neulich zu Testzwecken vor dem Sitz des deutschen Energiekonzerns E.ON in Essen aufgestellt. Jetzt hofft Milos auf weitere Aufträge. Er und sein Team haben einen guten Draht zur britischen Hauptstadt. London ist für sie das Sprungbrett für einen großen Markt, auf dem sie großes Potential entdeckt haben. „London ist eine riesige Baustelle. Dort, wo im 21. Jahrhundert gebaut wird, wird auch für das 21. Jahrhundert ausgestattet. Wir haben große Klienten gefunden und uns in Großbritannien  ausgebreitet. Deshalb haben wir dort auch eine Firma gegründet“, sagt er optimistisch. Dass sie auf dem richtigen Weg sind, zeigte für ihn die Tatsache, dass Milos Mitglied einer offiziellen Stadtdelegation war, die der damalige Bürgermeister und jetzige Außenminister Boris Johnson zu einem Besuch nach Israel mitnahm.

„Strawberry Energy“ beschäftigt aktuell 9 feste Mitarbeiter; zusätzlich werden Ingenieure gesucht. Ein neues Business zu starten sei in keinem Land einfach. „In Serbien ist es natürlich schwieriger als im entwickelten Westen“, erzählt Milos und fügt hinzu, dass das Geschäftsklima in Serbien heute immerhin schon besser sei als noch vor 7 bis 8 Jahren. Der große Wunsch des Teams, seine Technologie den armen Bewohnern Afrikas oder Asiens zugänglich zu machen, wird vorerst mangels Ressourcen unerfüllt bleiben.

„Ich wünsche mir, dass wir in einigen Jahren zu den führenden Smart City- Technologieunternehmen werden und dass wir eine führende Rolle bei der Entwicklung von Smart Citys spielen werden. Und wird das dann immer noch eine serbische Firma sein, will ich wissen, mit dem „Brain Drain“-Problem Serbiens im Hinterkopf? „Wir sind eine serbische Firma mit globalen Ambitionen und ich hoffe, dass wir eine globale Firma werden, die in Serbien begonnen hat“, lautet Milos pragmatische Antwort.

 

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.