Milorad Dodik, Präsident der Republika Srpska, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pale Ende September 2016. Foto: picture-alliance | dpa

Zündeln in Bosnien & Herzegowina
Streit um Feiertag

Eigentlich ist Bosnien ohnehin schon ein kompliziertes Staatsgebilde: Zwei Teilstaaten bilden das Land – die Föderation (Bosniaken und Kroaten) und Republika Srpska (überwiegend von Serben bewohnt). Gut 140 Minister verwalten den bürokratischen Wasserkopf. Für die muslimischen Bewohner des Landes ist allein schon die Existenz des serbischen Teilstaates eine Provokation. Sie sehen ihn als „Kriegsbeute“ der bosnischen Serben. Heute vor 25 Jahren riefen Nationalisten den eigenen Serbenstaat in Bosnien aus. Drei Monate später begann der fast vierjährige Krieg.

Dass der Präsident der serbischen Teilrepublik, Dodik, diesen Tag zum Nationalfeiertag erklärt, ist eine Provokation. Das sah auch das gesamtstaatliche Verfassungsgericht so. Dodik setzt sich darüber hinweg und feiert trotzdem. Und er droht immer wieder mit einem Referendum über die Abspaltung und den Anschluss seiner Teilrepublik an Serbien. Gleiches schlug er jetzt auch für die Serben im Norden des Kosovo und Montenegro vor – im Kern ist das die Idee von Großserbien, die in den 1990er Jahren für mehrere Kriege auf dem Balkan gesorgt hat.

Diplomatisch heikel ist diese Situation auch für Spitzenpolitiker im Mutterland Serbien. Premier Vucic versuchte den Spagat: Er respektiere sowohl die Integrität Bosniens als auch der Republika Srpska, sagte er. Serbiens Präsident Nikolic will zur Feier kommen – er war früher selbst ein Freischärler. Marion Kraske, Leiterin der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung in Sarajevo findet die Situation „sehr gefährlich“. Denn die „Zentrifugalkräfte“ drohten Bosnien zu zerreißen, da auch die bosnischen Kroaten mehr Autonomie wollen. Kraskes Appell: Die internationale Gemeinschaft müsse „rote Linien ziehen“ und diese auch durchsetzen, andernfalls drohe der Zerfall des Landes, mit Folgen für die ganze Region. Die Amerikaner halten sich bislang bedeckt. Dodik wird von Putin unterstützt.

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Der serbische Teil Bosniens. Um ihn begann vor 25 Jahren ein Krieg der fast vier Jahre dauerte. Nationalisten aller Couleur bestimmen immer noch die Politik Bosniens. Foto: Stephan Ozsváth
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