Individuelle Förderung. Der Konduktor (links) hilft dem kleinen Bence, beim gehen. Seine Mutter Klara macht mit. Foto: BR | Attila Poth

"Made In ... Ungarn"
Das Wunder steckt in dir! – konduktive Förderung von Hirngeschädigten

Budapest, Petö-Institut. Überall stehen bunte Möbel, es liegt Spielzeug herum. Es ist eindeutig: hier sollen sich Kinder wohl fühlen.  Zwar müssen sie hart arbeiten und lernen – aber sie sollen dabei Spaß haben. Schon an der Tür hört man Lachen und Singen.

Im Raum, voll mit bunten Möbeln und  Teppichen, sitzen sechs Kinder mit ihren Eltern und einer Pädagogin, die hier Konduktorin genannt wird. Sie singt ein Lied, in dem es um eine frierende Katze geht.  Die Kinder  sollen aus Papier Kügelchen für die Katze aus dem Lied machen. Einige schaffen es, das Kügelchen schnell und ohne Hilfe zu formen, andere brauchen mehr Zeit und ein bisschen Hilfe.
Im Pető-Institut entwickeln sich, zum Beispiel durch solche Spiele, die Kinder Schritt für Schritt. Die Kinder leiden an Hirnschäden, sogenannten zerebralen Bewegungsstörungen. Die Methode ist eine Mischung aus Pädagogik, Psychologie und Bewegungstherapie.

Entwickelt hat die Methode der „Konduktiven Förderung“ der ungarische Arzt  Andras Petö (1893 – 1967) in den 1940-er Jahren. Ursprünglich war diese Methode für Jugendliche mit Zerebralparese gedacht, also einer Teillähmung des Gehirns. Aber die Pető-Methode hilft auch bei Parkinson, nach Gehirnblutungen, oder bei der Rehabilitation nach schweren Unfällen. 

Ziel der Pető-Methode ist, dass behinderte Menschen – mit wenig oder gar keiner Hilfe von Helfern ein selbstbestimmtes Leben führen können. „Unser Motto lautet: „Das Wunder steckt in dir“, erklärt Andrea Zsebe, die Direktorin des Institutes. Sie ist selbst eine Konduktorin und erklärt den Sinn der Methode: „ András Petö meinte, wenn ein Teil des Gehirns eingeschränkt ist, können andere Teile des Organs die Funktionen übernehmen. Aber um diese Funktionen zu aktivieren, muss man viel üben“, sagt sie.

Konduktive Förderung im Petö-Institut

Video: Attila Poth

„Wir besuchen das Petö-Institut seit Februar“ , erzählt Klara Sztruhala in der Pause. Die junge Mutter von Boldizsar berichtet über ihren Sohn: „Er war nur eine Woche alt, als die Fürsorgerin die Störung erkannte“. Das Kind wollte sich nicht bewegen, seine Muskeln waren sehr steif. „Und dann kamen wir her.“ Die junge Mutter aus Budapest ist darüber sehr froh, denn sie bemerkt Fortschritte bei ihrem Kind: „Die Entwicklung ist riesengroß. Boldizsar bewegt sich jetzt schon wie andere Kinder in seinem Alter“. Die Großeltern waren zunächst skeptisch, fragten, was Boldizsár hier solle. Ob er etwa behindert sei. „Aber jetzt sehen auch sie die Entwicklung, und sie machen sehr gerne mit“, sagt Klára und strahlt.

Auch Viktor Varga aus Gyöngyös war nicht von Anfang an überzeugt. „Am Anfang war ich total skeptisch“, sagt der Vater von Matyas. „Ich wusste nichts über diese Methode“, bekennt er. Doch mittlerweile hat der Mann aus einer ungarischen Kleinstadt seine Meinung geändert: „Ich kam, sah, was hier läuft und wie es läuft. Und vor allem: Ich habe die Ergebnisse gesehen.“ Das war vor drei Jahren. Inzwischen, sagt er, besuche sein Sohn einen normalen Kindergarten in Gyöngyös. Zweimal pro Jahr seien sie für drei Wochen am Institut. Sein Sohn sei dann immer fröhlich und begeistert, berichtet Viktor Varga.

„Wir arbeiten hier in Gruppen“ erklärt Direktorin Andrea Zsebe einen Teil des Erfolges. „So werden die Kinder motiviert. Sie sehen, dass auch andere für ein Ziel kämpfen“. Am Institut lernen derzeit 330 Studenten die Methode. „Bis 2020 möchten wir diese Zahl verdoppeln“, sagt sie. Die Methode ist auch im Ausland beliebt. Das PetöInstitut in Budapest hat deshalb viele Kontakte in andere Länder, auch nach Deutschland. „Mehrmals wöchentlich bekommen wir Anfragen aus anderen Ländern, ob wir Ausländern helfen können“ berichtet Andrea Zsebe. Deshalb gibt es im Institut auch regelmäßig Englisch-, Deutsch- und Russisch-sprachige Gruppen. Darauf müssen auch die Studenten vorbereitet sein. Kein Problem, meint Andrea Zsebe: „Die meisten haben mindestens eine Sprachprüfung abgelegt“.

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