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Viele Rentnerinnen können nur durch solche Nebenjobs ihre Gas- und Wasserrechnungen begleichen. Die Rente allein reicht dafür nicht aus. Foto: BR | Astrit Ibro

"Made In ... Albanien"
Mode, aus der Not erschaffen

Der Spruch „Aus der Not lernen“ hat viele albanische Frauen im letzten Jahrhundert stets begleitet. In der kommunistischen Zeit, in der Mode-Boutiquen verboten waren und somit nicht existierten, versuchten viele Frauen ihre Kleider mit viel Improvisationsgeschick aufzupeppen, oder an westliche Modestile anzupassen. In den wenigen Läden des Landes beeindruckte die albanische Haute Couture für Männer über Jahrzehnte stets durch ihre Trendresistenz und zeichnete sich durch ihren klaren ‚Drei Farben Stil‘ aus: weiß für Hemden, schwarz für Hosen und grau für Jacken. Der Anzug, den man als Bräutigam einst für die Hochzeit kaufte, begleitete einen in der Regel bis ins Grab. Für ihre Kinder sahen sich die Mütter gezwungen, selbst Kleider zu nähen sowie Pullis und Westen zu stricken.

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"Made In ... Albanien" - Selfmademode

Video: BR | Astrit Ibro

Die kommunistischen Zeiten sind längst vergangen, Demokratie und Marktwirtschaft haben Einzug gehalten und heute stößt man überall auf Modegeschäfte und Boutiquen. Von den trendigen aber billigen Modeketten bis hin zu Luxus-Labels aus der ganzen Welt haben in Albanien ihre Geschäfte eröffnet.
Nur: die Armut ist geblieben. Viele Albaner sind immer noch auf ihre Improvisationskünste in Sachen Mode angewiesen, weil sie sich neue Anziehsachen einfach nicht leisten können. So finden gebrauchte Kleider, die  tonnenweise aus dem Ausland kommen und von den Roma verkauft werden, reißenden Absatz. Manche kaufen Stoffe und lassen nähen, oder kaufen Selbstgemachtes auf der Straße.

Andere stellen diese Mode her, um ihr Überleben zu sichern, zumeist Rentnerinnen. „Ich stricke alles Mögliche, um damit irgendwie meine Strom- und Wasserrechnung zu zahlen. Die Rente reicht nicht aus, um über den Monat zu kommen“, erklärte mir eine Rentnerin in Tirana, die monatlich nicht mehr als 140 Euro bekommt. In Albanien gibt es über 560.000 Rentnerinnen und Rentner, die zwischen 50 und 200 Euro monatlich erhalten. Besonders hart ist es für die Arbeiter aus den alten kommunistischen Kooperativen, die nicht mehr als 80 Euro zum Überleben haben. Sie müssen auch nach 70 Jahren immer einen Nebenjob machen, wie diese  Bäuerin, die versucht Wollwesten für 8 Euro zu verkaufen.

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