Plamen Pantschews Firma verwaltet die Trakia-Wirtschaftszone. Er möchte mehr ausländische Investoren von Bulgarien überzeugen. Foto: BR | Ekaterina Popova

Mehr als nur Profit im Kopf
Bulgarische Unternehmer wollen dem Braindrain etwas entgegensetzen

Es ist sehr leicht, etwas über die Schwierigkeiten Bulgariens zu erfahren. Die verbreiten sich sehr schnell und wir sind ja selbst schuld daran. Denn wir fahren herum und erzählen nur von unserer Schwächen und Problemen.

Plamen Pantschew, seine Firma verwaltet die Trakia-Wirtschaftszone

Krassen Krastew führt durch die laute Produktionshalle der Firma Mecalit Er ist einer der Geschäftsführer  – Fast alles läuft automatisch hier meint und nimmt ein weißes Teil in die Hand: „Das wird mal ein Kühlschrank.“

Mecalit mit Hauptsitz in Süddeutschland  produziert außer Kühlschränken oder Waschmaschinen, auch Teile für die Autoindustrie und exportiert vor allem nach Deutschland. Das Unternehmen liegt in der Trakia Wirtschaftszone bei Plovodiv, rund 150  Kilometer  östlich der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Die meisten Firmen die sich hier angesiedelt haben sind Investoren aus dem Ausland.  USA, Japan, Korea, Kanada und vor allem Deutschland. Darunter Liebherr oder eben Mecalit. Seit 2013 sei der Umsatz von  zwei bis drei auf fast neun Millionen gestiegen, meint Krassen Krastew zufrieden. Gut sei Bulgariens Lage in Südosteuropa, niedrige Steuern und Löhne. Außerdem:

„Bulgarien ist EU Mitglied, ein politisch stabiles Land, mit stabiler Währung, alles unabhängig von der jeweiligen Regierung, das ist wichtig für uns.“  Mecalit braucht spezialisierte Mitarbeiter  und findet diese unter anderem an der nahe gelegene Technischen Universität. Mit einem speziellen  Programm  und Praktika für die Studierenden. Experten bemängeln die bulgarische Berufsausbildung oft. Dazu kommt: fehlende Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen oder schlechte Infrastruktur. „Wir wissen ja, dass wir viele Probleme haben“,  meint Plamen Pantschew  und runzelt die Stirn. Seiner Firma gehört die Trakia Wirtschaftszone und sie verwaltet sie.  Angesprochen auf die Schwierigkeiten für Investoren in Bulgarien meint Plamen Pantschew: „Es ist sehr leicht,  etwas über die Schwierigkeiten Bulgariens zu erfahren. Die verbreiten sich sehr schnell und wir sind ja selbst schuld daran. Denn wir fahren herum und erzählen nur von unserer Schwächen.“ Plamen Pantschew  will das anders machen und hat mit anderen zusammen ein ehrgeiziges Geschäftsmodell entwickelt . Er will junge Bulgaren gut ausbilden und die duale Berufsausbildung voranbringen. Das soll den Jungen eine Perspektive bieten und sie so im Land halten und damit auch weitere ausländische Investoren vom Standort bei Plovdiv überzeugen. Also Brain-Gain anstelle von Brain-Drain. Mit im Boot:  Die neun Gemeinden der Umgebung, das Bildungsministerium, zahlreiche Berufsschulen und sogar Nichtregierungsorganisationen.

 

Wir versuchen mit einer Wirtschaftszone in Rumänien, zwei türkischen Partnern und einer Region auf Zypern eine Art Balkanvereinigung der Wirtschaftszonen zu bilden. So könnten wir einem neuen Investor sagen: Wenn du kommst und hier deinen Betrieb hier baust dann kannst du auch mit denen in Rumänien, in der Türkei oder auf Zypern zusammenarbeiten.

Plamen Pantschew

„Es gibt ja junge Leute die hier bleiben wollen,“ sagt Pantschew. „Auch die Löhne werden höher.  Wenn aber mehr Investoren kommen sollen müssen wir auch gute Arbeitskräfte anbieten. Jeder ist bereit wenn er die entsprechende Qualität bekommt. Von den haben wir viel gelernt von den ausländischen Investoren. Eine Firma hat uns gezeigt wie man erfolgreich mit den Roma arbeiten kann. Sie selbst stellen vor allem Roma ein und kooperieren auch mit den Schulen.“ In den umliegenden Dörfern sei die Arbeitslosigkeit schon spürbar gesunken  erzählt Plamen Pantschew  stolz und nun sollen auch Menschen von weiter her geworben werden, unter anderem mit Sozialwohnungen die der Staat fördert.  Doch der Prozess bleibt äußerst mühsam gibt auch Plamen Pantschew zu. Bulgarien ist nun mal das ärmste EU Land mit vielen Problemen, etwa der Korruption.  Korruption ist für uns kein Thema ! betont Krassen Krastew von Mecalit in der Trakia Wirtschaftszone. Im Gegenteil: „Es war noch keiner so dumm von uns Bestechungsgeld zu verlangen.“

„Die Wahrheit ist, dass es Korruption vor allem auf der politischen Ebene gibt Ich meine vor allem Firmen die mit öffentlichen Aufträgen arbeiten oder Berührung mit staatlichen Geldern haben. Aber wir sind ein Privatunternehmen das für andere Privatunternehmen arbeitet.“

Einen gewählten Betriebsrat gibt bei Mecalit in Bulgarien nicht, aber die Geschäftsführung setze sich regelmäßig mit den Beschäftigten zusammen, um über Probleme zu sprechen, meint Krasen Krstiv. Er fühle eine starke soziale Verantwortung sagt er und auch der Besitzer der Trakia Wirtschaftszone Plamen Pantschew sieht sich so. „ Wir machen doch hier auch eine Aufklärungsarbeit wir versuchen Eltern zu erklären dass ihre Kinder in Bulgarien bleiben sollten und mit einem entsprechenden Lohn und Arbeitsplatz fast genauso gut hier leben könnten wie  in Deutschland.

Es war noch keiner so dumm von uns Bestechungsgeld zu verlangen.

Krassen Krastew, einer der Geschäftsführer von Mecalit Bulgarien

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Ein Teil der Trakia-Wirtschaftszone bei Plovdiv. Foto: BR | Ekaterina Popova
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