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Die BEMA-Fabrik in Banja Luka produziert Schuhe, unter anderem für Paul Green, Lowa und Fidelio. Foto: BEMA

Pumps für Trump und Mokassins für Karadzic
Eine bosnische Schuhfabrik macht weltweit von sich reden

Marinko Umicevic ist Ende fünfzig, ziemlich groß und furchtbar laut. Ständig flucht er rum und duzt jeden, der ihm über den Weg läuft. Das hat seiner Karriere aber nie geschadet. Seit 2006 wurde er schon dreimal zum Manager des Jahres und einmal Wirtschaftler des Jahres in Bosnien gekürt. Er ist der Direktor der Schuhfabrik BEMA in der ‚Republika Srpska‘, dem einen der beiden Teile aus denen Bosnien-Herzegowina besteht. Marikno Umicevic ist weithin dafür bekannt, dass er das sagt, was er denkt und das tut, was er sagt. Und dann schaut, was passiert.
Ein klare Meinung hat er auch zur Situation in den USA. Er möge den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht, weil dieser schlichtweg arrogant sei. Seine Frau Melanie dahingegen bewundere er sehr. Sie sei sein Typ.
„Im August dieses Jahres kam ich nach Hause. Ich nahm die Zeitung in die Hand und da waren die Fotos von der nackten Melanie Trump, als sie jung war. Und viele böse Kommentare dazu. Als Vater zweier Töchter, als Direktor einer Fabrik, in der 1.150 Frauen arbeiten und als jemand, der Frauen schätzt, habe ich darauf reagieren müssen. Ich habe Hillary Clinton einen Protestbrief geschrieben. Ich fand es unfair, dass sie als Frau und Mutter solche Angriffe auf eine andere Frau schweigend unterstützt. Melanie tat mir leid. Ich habe mich entschieden, sie zu unterstützen und das auch öffentlich kundzutun“, erzählt er.

Der findige Geschäftsmann ließ sofort zwei Paar Schuhe bester Qualität in seiner Schuhfabrik für Melania anfertigen. Zu dem Zeitpunkt gingen alle von einem klaren Wahlsieg von Hillary Clinton aus.
„Ein Paar goldene Schuhe war für den Wahlkampf vorgesehen. Ein paar weiße Schuhe für ihren Einzug in das Weiße Haus. Ich habe ihr dazu auch eine Flasche Schnaps schicken wollen, denn bei uns gibt es einen Brauch, wonach man auf die Schuhe trinken sollte, damit sie nicht drücken. Die Zöllner ließen aber Schnaps nicht durch“.
Kurz danach kam tatsächlich eine Antwort Melania Trump, auf Englisch. Umicevic hoffte, dass sie auf slowenisch schreiben würde, denn englisch sei nicht gerade seine Stärke. So ließ er sich den Brief übersetzen und erfuhr, dass sich Melania Trump herzlichst bedanke. Den Brief  bewahrt er sicher in seinem Arbeitstisch und zeigt ihn voller Stolz jedem Besucher
„Melania ist in einer kommunistischen Familie großgeworden, in Jugoslawien, so wie ich. Sie hat unsere Seele, sie ist eine von uns. Ich bin mir sicher, dass mit ihr die amerikanische Politik friedlicher wird. Und dazu ist sie auch noch eine so schöne Frau“, fügt der BEMA-Direktor hinzu.
Aber Marinko Umicevic scheint nicht nur ein Herz für Präsidentengattinnen zu haben.

Vor kurzem hat er je ein Paar Schuhe an elf Angeklagte vor dem  Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in den Haag geschickt. Darunter auch Radovan Karadzic und der ehemalige General Ratko Mladic, der des Völkermordes angeklagt ist. Karadzic bekam schwarze Mokassins Größe 45 und Mladic braune Schnürschuhe Größe 42. Für die anderen Haftinsassen gab es die klassischen schwarzen Männerschnürschuhe. Diesmal wusste Umicevic, dass Schnapsflaschen nicht in Frage kommen und so hat er den für Kriegsverbrechen angeklagten Kroaten und Serben Bücher geschickt. Die Häftlinge bedankten sich telefonisch.
In der Öffentlichkeit kam diese Aktion, die viele als unredliche und unmoralische Werbung verurteilten, nicht so gut an. Es hagelte Kritik. Das überraschte den preisgekrönten Manager: „Das war nicht meine Absicht und ich entschuldige mich bei jedem, den ich damit beleidigt haben könnte. Eigentlich war es meine Absicht in der Vorweihnachtszeit damit eine Friedensbotschaft zu schicken. Ich habe gehört, dass all die Angeklagten, die früher erbittert gegeneinander gekämpft haben, jetzt in der Haft zusammen kochen und sich dort gegenseitig unterstützen. Ich wollte, dass diese positive Energie von ihnen auch auf die Menschen hier übertragen wird. Ich habe dieses Geschenk deshalb ‚Schuhe für den Neuanfang‘ genannt“.
Dass diese Erklärung nicht bei jedem auf Verständnis stößt, hat Umiceviv jetzt begriffen. Deshalb habe er beschlossen in Zukunft überhaupt keinem Politiker oder General mehr Schuhe zu schenken.
Jetzt wartet er auf die Einladung der künftigen First Lady zur  Inaugurationszeremonie. Das habe sie ihm in einem Telefongespräch versprochen, aber er würde ihr auch nicht böse sein, falls sie das doch vergisst. Warum sollte er auch? Ob geschmacklos oder nicht, erreichen Marinkos Umicevics Werbezüge meistens ihr Ziel: Aufmerksamkeit.

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