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Das Töten von Kindern und deren Leiden wollen diese jungen Frauen zum Ausdruck bringen. Foto: BR | Eldina Jasarevic

"Wir wissen wie das ist!"
Sarajevo solidarisiert sich mit Aleppo

Es sind so um die zweitausend Menschen die sich im Zentrum von Sarajevo versammelt haben. Sie sind dem Aufruf einiger Bürgerinitiativen gefolgt. Es herrscht eine bedrückte Stimmung. Der erbarmungslose Kampf um Aleppo ruft in den älteren Anwesenden schmerzhafte Erinnerungen wach, an die eigene fast vier jährige Belagerung durch die Armee der bosnischen Serben und Teile der jugoslawischen Volksarmee. Rund 11.5000 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter etwa 1600 Kinder.

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„Ich bete, dass der Krieg in Syrien gestoppt wird, dass das Töten unschuldiger Kinder aufhört. Meine Tochter ist getötet worden. Sie war nicht mal neun. Zehn Tage vor ihrem neunten Geburtstag wurde sie getötet.“ Saja Haskovic, lebte im belagerten Sarajevo. Foto: BR | Eldina Jasarevic
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Auf dem Platz ist eine Bühne aufgebaut. Den Rednern oben geht es nicht um politische Forderungen, sondern sie wollen ein Zeichen setzen, empfinden es als moralische Pflicht aufzustehen wenn Zivilisten getötet werden. Auch Saja Haskovic ist das wichtig. Ihre kleine Tochter Sanela wurde getötet als eine Granate ins Haus einschlug. Sanela  starb in den Armen ihrer Mutter die hilflos dabei zusehen musste. Saja Haskovic klingt eindringlich:  „Ich bete, dass der Krieg in Syrien gestoppt wird, dass das Töten unschuldiger Kinder aufhört. Meine Tochter ist getötet worden. Sie war nicht mal neun und sie war an nichts schuld. Sie wurde 10 Tage vor ihrem neunten Geburtstag getötet.
Über einen Screen flimmern Bilder aus dem Syrienkrieg und Aleppo. Rund 2500 Kilometer ist sie entfernt, die ehemals glänzende syrische Wirtschaftsmetropole, doch die Menschen auf dem Platz in Sarajevo fühlen sich ihr ganz nah. „Wir wissen doch wie das ist“ meint ein Mann mitfühlend.
„Während des Krieges waren wir in Sarajevo Am Ende wird alles immer durch Verhandlungen gelöst. Besser ein schlechter Frieden als ein guter Krieg. Ich wünsche mir, dass dieses Übel in Syrien gestoppt wird. Sie sollen verhandeln, jahrelang, wenn es sein muss. Aber der Krieg muss aufhören.„
Viele Menschen weinen, vor allem das Schicksal der Kinder bewegt mich, erzählt eine Frau  „Die Kinder sind unschuldig und für sie ist der Krieg am schwierigsten. Man sollte den Kindern Hilfe schicken, das Nötigste , Essen und etwas zu Trinken.  Wir wissen, wie das ist, denn wir waren hier im Krieg. Wir hätten mehr protestieren müssen. Das ist schon ein bisschen spät. Ja, wir hätten wesentlich früher protestieren müssen.“

Von April 1992 bis zum Friedensvertrag von Dayton Ende 1995  war Sarajevo belagert. Ganze 1425 Tage umzingelt  von den Soldaten der bosnisch serbischen Armee sowie der jugoslawischen Volksarmee . Fast vier Jahre lang saßen diese auf den umliegenden Bergen und für die belagerten Menschen war jeder Gang auf die Straße lebensgefährlich. Heckenschützen lauerten überall und die sogenannte Sniper Alley erlangte traurige Berühmtheit. Noch ohne Twitter oder Facebook, doch trotzdem direkt unter den Augen einer geschockten Weltöffentlichkeit. Sarajevo protestiert nun gegen die Zerstörung von Aleppo und aller anderen Städte auf der Welt. Das sagte der Bürgermeister von Sarajevo Ivo Komsic  „Wir wissen, wie es ist, wenn Kulturdenkmäler vernichtet werden. Wir wissen, wie das Leben aussieht ohne Essen , ohne Medikamente, ohne Wasser. Wir wissen, wie es ist, unschuldige Tote von der Straße aufzusammeln.  Wir wissen, wie es ist, wenn eine Granate in eine große Menschenmenge einschlägt oder auf dem Hof, wo die Kinder spielen.  Das alles wissen wir und nun erinnern wir uns daran. Wegen dieser Erinnerungen, wegen dieses Schmerzens, den wir so lange gespürt haben , protestieren wir gegen den Krieg in Syrien und sind solidarisch mit den Bewohnern von Aleppo.“

Unter anderem wegen der Belagerung von Sarajevo wurde der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic verurteilt. Unter anderem wegen der Belagerung von Sarajevo muss sich auch der bosnisch-serbische Ex General Ratko Mladic in Den Haag  verantworten. Vor dem Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Und das ist vielleicht eine weitere Parallele zu Aleppo Denn viele fordern, dass auch mutmaßliche Kriegsverbrechen in Syrien vor so ein internationales Sondertribunal gehören. Zuletzt Carla del Ponte,  die ehemalige Chefanklägerin für das Sondertribunal Jugoslawien.
Doch noch tobt der Krieg in Syrien und um Aleppo. Das weiß auch Saja Haskovic, deren Tochter getötet wurde. Doch sie  gibt die Hoffnung nicht auf.
„Ich flehe alle Leute guten Willens an, die Kriege in Syrien und im Irak und überall zu stoppen. Nie wieder sollen Mütter weinen und ihre toten Kinder anschauen müssen, ohne dass sie sie retten konnten .„
Dann zerstreuen sie sich wieder, die rund 2000 Menschen in Sarajevo. Die Belagerung ihrer Stadt ist lange vorüber, doch ihre Erinnerungen daran nicht.

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