Die 50.000 Einwohner Stadt Veles in Mazedonien. Von hier aus sollen besonders viele Fake News verbreitet worden sein. Foto: BR |Videostandbild | Dejan Acevski

Wie mazedonische Computerfreaks im US-Wahlkampf mit erfundenen Geschichten viel Geld verdienten
Reich werden mit Fake News

Aus journalistischer Perspektive hat es beinahe schon wieder etwas Komisches. Von dunklen Hackerverschwörungen war die Rede, von konspirativen politischen Clans, die auf verschlungenen Web-Pfaden die Präsidentschaftswahl in den USA entscheidend beeinflussen wollten – natürlich zugunsten Donald Trumps. Wo sollte das auch besser angesiedelt sein als im tiefsten Balkan, dort wo man sich irgendwie so gar nicht auskennt – weder geographisch noch politisch.

Dass es das 55.000-Einwohnerstädtchen Veles in Mazedonien aber gleich zu einem derart großen Bekanntheitsgrad schaffen würde, das hätte sich auch dort wirklich niemand gedacht. „Schuld“ daran ist eine Gruppe junger Computerfreaks, die via Internet möglichst schnell zu Geld kommen wollten, egal wie. Es klingt fast wie in einem Comic: Einer der Beteiligten will nicht erkannt werden, schildert unserem Korrespondenten Till Rüger aber mit dem Rücken zur Kamera, wie das Ganze ins Rollen kam. Ursprünglich hatte man sich mit dem Erstellen und Verbreiten von Gesundheitstipps beschäftigt. Je mehr Klicks, desto mehr Kohle, da die Seiten werbefinanziert waren. Dann hätte einer der Jungs entdeckt, dass ein gewisser Donald Trump auf seinen Internetseiten ziemlich viele Klickzahlen verbucht hätte. So hatte man sich einfach dessen Webseiten abgegriffen, ein paar neue Schlagzeilen formuliert, ein paar Geschichten abgeändert, neu dazu erfunden – und siehe da: die Klickzahlen vor allem aus den USA explodierten geradezu und mit ihnen kam eine Geldschwemme, wie es sich die Jungs in ihren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können.

 

Mazedonischer „Goldrausch“

Was dann folgte, war eine Art Goldrausch: die mazedonischen Fake News über Donald Trump wurden während des Wahlkampfes wie wild angeklickt, egal was drin stand. Am Ende sollen es in Veles an die 200 Leute gewesen sein, die via Computer den Wahlkampf-Hype mit frei erfundenen Geschichten gefüttert haben sollen. Unser anonymer Zeuge sprach von bis zu 5000 Euro pro Tag, die man damit angeblich abgreifen konnte. Das mag stimmen oder auch nicht. Tatsache ist, dass diese Seiten erhebliche Verbreitung gefunden und die öffentliche Meinung beeinflusst haben. In wie starkem Maße, das müssen Politik-, Kommunikations- und Computerwissenschaftler jetzt erst noch heraus finden.

In Veles haben die Computer-Jungs inzwischen den Jahres-Kalender für 2017 im Blick. „Die Wahlen in Frankreich könnten interessant werden“, sagt der jugendliche Computerfreak ins ARD-Mikrofon. Ob er dabei gegrinst hat, kann man wohl vermuten. Man weiß es aber nicht, denn er saß ja, wie schon erwähnt, mit dem Rücken zur Kamera.

Beitrag: Michael Mandlik

Dreharbeiten Mazedonien: Till Rüger

Kamera: Dejan Acevski

Schnitt Günter Stöger

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