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Unterstützerinnen der Oppositionspartei SDSM bei einer Wahlveranstaltung in Prilep. Foto: picture alliance/dpa

Parlamentswahl in Mazedonien
Wahlkampf in einem gespaltenen Land

Der Wahlkampf für die Parlamentswahl am 11. Dezember hat begonnen. Immer wieder war der Urnengang verschoben worden, lange hatten die Parteien – die eigentlich Konfliktparteien sind – darum gerungen. Die EU hatte vermittelt, die Amerikaner hatten sich eingeschaltet. Am Ende hatte man sich auf den Termin geeinigt. Zuvor mussten allerdings noch 30.000 Karteileichen von den Wählerlisten gestrichen werden. Anfang des Jahres war Langzeitpremier Gruevski nach zweijähriger Staatskrise zurück getreten. Wochenlang waren die Mazedonier auf die Straße gegangen, als der Präsident – ein Vertrauter Gruevskis – Beschuldigte in einer großen Abhöraffäre amnestieren wollte.

Die oppositionellen Sozialisten um Anführer Zoran Zaev bekamen zum Wahlkampfstart Rückenwind von der Sonderstaatsanwaltschaft. Die bestätigte, dass Tausende Mazedonier, darunter auch der Sozialistenführer selbst, während der 10-jährigen Herrschaft des nationalkonservativen Premiers Gruevski abgehört wurden. Die Sozialisten hatten die Abhörprotokolle veröffentlicht. Sie zeichneten ein wenig schmeichelhaftes Bild der Regierung des Langzeitpremiers: Korruption, Vetternwirtschaft, Wahlbetrug. Zaev forderte seinen Widersacher im Wahlkampf zum „Duell“ auf – er will weiter enthüllen.

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Zoran Zaev während einer Wahlkampfveranstaltung in Prilep. Foto: picture alliance/dpa
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Gruevski trat vor seinen Anhängern in Ohrid auf und versprach einen „Triumph“. Er peilt die absolute Mehrheit im 123-Sitze-Parlament an, um nicht auf eine der Albanerparteien angewiesen zu sein. Mazedonien ist ethnisch gespalten, etwa ein Viertel der Bevölkerung sind Albaner. 2001 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen, der durch das Ohrid-Abkommen unter EU-Vermittlung beigelegt werden konnte. Aber immer wieder kommt es zu Spannungen zwischen Albanern und christlichen Mazedoniern. Zuletzt 2015, als in Kumanovo bewaffnete Albaner und die Polizei aufeinander schossen. Erinnerungen an 2001 kamen damals hoch. Öl ins Feuer goß jetzt Gruevskis Partei VMRO-DPMNE, als sie einen verurteilten Kriegsverbrecher als Kandidaten aufstellte. Insgesamt treten elf Parteien und Bündnisse an.

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Kommentare (2)

Der Makedone am

Die tiefe gesellschaftliche Spaltung der drei größeren Ethnien der Republik FYROM (abgekürzter offizieller Name) wird sich erst mit der Zeit zeigen, verschoben ist nicht aufgehoben.

Bereits 2001 (wenn ich nicht irre) gab es schwere und blutige bewaffnete Konflikte mit diversen Toten zwischen der albanischen und von der UCK stark unterstützten Volksgruppe, die mind. 30% der Gesamtpopulation der Republik FYROM ausmacht, und der bulgarophonen Volksgruppe, die um alle anderen Ethnien und Minderheiten bereinigt nicht mehr als 40% der Gesamtbevölkerung der Republik FYROM ausmachen dürfte.

Die dritte Volksgruppe, die amtlich mit 2% angegeben wird, aber das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung auf mind. 12% schätzt, sind die Roma, die sich zurzeit auf die Seite der bulgarophonen Slawen stellen. Ähnliches hatten sie einst im Kosovo getan, wurden dann nach Angaben der Gazetten vertrieben.

Die Zeit hat seit 2001 für die UCK-Albaner gearbeitet, wie gesagt: verschoben ist nicht aufgehoben.

Im Jahre 2017, also nach nur 16 Jahren, triumphierte die UCK damit, dass sie
a) den Präsidenten des Parlaments der Republik FYROM stellen konnte,
b) gleich mit zwei albanischen Parteien an der Regierung der Republik FYROM beteiligt ist.

Ich meine, der tiefe Riss zwischen den Albanern und den bulgarophonen Slawen wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, da sie ihre Forderungen weiter nach oben schrauben werden, die andere slawische Seite ihnen jedoch nicht entgegenkommen will bzw. kann.

Macht man zu Beginn einen faulen Kompromiss, so lässt sich dieser später nicht mehr ungeschehen machen. Die Symbiose zwischen den Albanern und den slawophonen Serben sollte nicht klappen, warum soll es nun etwas südlicher mit den Albanern und den slawophonen Südserben in der Republik FYROM auf Dauer funktionieren?
Wer glaubt an Wunder?

Zitat: „uvor mussten allerdings noch 30.000 Karteileichen von den Wählerlisten gestrichen werden. “

Ich würde den Author Bitten genauer zu recherchieren und nicht öffentlich Zaev zu favorisieren. Danke.

(Der Kommentar wurde auf Grund der Kommentarrichtlinien redaktionell gekürzt.)

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