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Kroaten gedenken der Opfer der Schlacht von Vukovar 1991. Foto: picture-alliance | dpa

Vor 25 Jahren nahmen jugoslawische Volksarmee und serbische Milizen die kroatische Stadt Vukovar ein
Gedenken in einer verwundeten Stadt

Mit Diskussionen, Filmen oder Konzerten wird in der kroatischen Stadt Vukovar dieser Tage an die Belagerung vor 25 Jahren gedacht. Rund drei Monate leisteten die Soldaten und Zivilisten in der Stadt an der Donau erbitterten Widerstand gegen die Angriffe der jugoslawischen Volkarmee und serbischer Milizen. Am Ende wurde die Stadt eingenommen. Zarko Pavletic aus Vukovar beschreibt die letzten Tage der Kämpfe so: „Als Dante die Hölle in der göttlichen Komödie beschrieb da war er nur ein Amateur. Denn er hat Vukovar nicht gesehen.“ Etwa dreitausend Menschen kamen im Zusammenhang mit den Kämpfen um Vukovar ums Leben. Kroatische Soldaten und Zivilisten, darunter mehr als 80 Kinder. Das ist eine Schätzung denn mehr als eintausend Menschen gelten offiziell auch nach 25 Jahren noch als vermisst.

Der Angriff auf das ostkroatische Vukovar gehört mit zu den schlimmsten Kämpfen auf dem Balkan zwischen 1990 und 95, so sieht das auch der Brite Martin Bell. Er war angereist, um im Gedenkzug zum Friedhof mitzugehen, wo die meisten Opfer beerdigt sind und wo ein Mahnmal an sie erinnert. Dort wurde am Freitag ein Gottesdienst abgehalten. Schüler zündete Kerzen an und schickten Laternen auf die Donau Martin Bell war 1991 als BBC Journalist in Kroatien unterwegs. „Ich habe viele Kämpfe in diesem Krieg erlebt   und ich war auch in Bosnien und abgesehen von Srebrenica war Vukovar für mich mit das Schlimmste.“

Dante war ein Amateur als er die Hölle beschrieb.

Augenzeuge über den Kampf um Vukovar vor 25 Jahren

„Lieber Slobo, schick uns Salat – Fleisch gibt es genug, wir schlachten Kroaten“ (gemeint ist der damalige serbische Präsident Slobodan Milosevic). So grölten vor 25 Jahren Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee und die serbischen Milizen. Sie holten zweihundert Menschen aus dem örtlichen Krankenhaus und ermordeten diese in Ovcara, einer Farm in der Nähe. Rund 1500 Bewohner Vukovars wurden in serbische Lager verschleppt. Von serbischer Seite nahm Niemand offiziell an den Gedenkfeiern teil. Vor dem Krieg lebten Serben und Kroaten in Vukovar zusammen. Während des Krieges wurden zunächst die meisten Kroaten vertrieben. Im Zug des Krieges kam Vukovar zeitweise unter UN Verwaltung.

Heute liegt das vor dem Krieg gemischte Vukovar an der EU Außengrenze zu Serbien und 35 % der Bewohner sind Serben. Im Zuge des EU Beitritts von Kroatien wurde ein Gesetz über nationale Minderheiten in die kroatische Verfassung aufgenommen. Demnach haben auch die Serben in Vukovar ein Recht darauf, ihre Sprache und ihre Schrift zu benutzen. 2012 kam es in diesem Zusammenhang zu wütenden Protesten dagegen.

Laut Statistik heißt es nur das eintausend und so und so viele vermisst werden. Aber wo sind sie denn? Menschen können doch nicht einfach so verschwinden. Ich kann meinem Verlobten keine Kerze am Grab anzünden. Er wird vermisst? Ihn gibt es einfach nicht?

Frau bei der Gedenkfeier über ihren Verlobten

25 Jahre nach den serbischen Angriffen auf Vukovar wandte sich Ivan Lukic aus Vukovar am Freitag an serbischen Mitbewohner. Lukic hat die Stadt damals mit verteidigt und war nach dem Fall in einem serbischen Lager interniert. Aus seiner Sicht könnten sie mehr Interesse zeigen. Er sagte: „Ich rufe die serbischen Mitbürger auf, die Rollläden nicht herabzulassen sondern sie hoch zuziehen. Dann sehen sie eine stille stolze und traurige Kolonne“

In diesem Jahr gab es in Vukovar nur eine Kolonne, also einen Gedenkzug. Mit sozialdemokratisch geführten Vorgängerregierungen der letzten Jahre hatten die Veteranen wie Lukic oft Streit, da sie sich vernachlässigt fühlten. Sie werden wohl begrüßen, dass der kroatische Ex General Ante Gotovina zum Berater des Verteidigungsministers aufsteigt. Gotovina wird in Kroatien für die sogenannte „Operation Sturm“ verehrt, in der er große Gebiete Kroatien zurückeroberte. Dies wurde am Tag der Gedenkfeiern bekannt.

Vukovar leidet bis heute unter dem Krieg. Es ist schwierig Arbeit zu finden und obwohl die Stadt praktisch wieder aufgebaut ist, fehlt vielen Menschen eine gemeinsame Zukunftsvision.

Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic sagte am Freitag, es sei wichtig aus der Geschichte zu lernen und der konservative Regierungschef Andrej Plenkovic hielt in der vergangenen Woche eine Regierungssitzung in Vukovar ab. Er sagte, dass sei nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret gemeint. „Mit Respekt für Vukovars schwere Vergangenheit aber auch mit Blick auf die Zukunft.“

 

Das Gedenken an die Belagerung und die Toten von Vukovar endet am Samstag mit einem Runden Tisch. Dort diskutieren Journalisten und Kulturschaffende. Zu bereden gibt es noch viel. Denn 25 Jahre nach der Zerstörung Vukovars schmerzt die Erinnerung viele bis heute

 

 

 

 

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Kroaten gedenken ihrer Toten von Vukovar.
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