Noch immer ist die Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg ohne Bundespräsident. Eines ist allerdings gewiss: Erstmals bekommt Österreich ein Staatsoberhaupt, das weder die SPÖ noch die ÖVP ins Rennen geschickt hat. Foto: BR | Karin Straka

Bundespräsidentenwahl in Österreich
Wahl-Marathon geht auf die Zielgerade

Fast acht Monate dauert – wenn es nicht zu einer weiteren erfolgreichen Anfechtung kommt – heuer die Kür des österreichischen Bundespräsidenten. Der Ausgang wird jedenfalls ein ungewöhnlicher. Erstmals bekommt Österreich ein Staatsoberhaupt, das weder die SPÖ noch die ÖVP ins Rennen geschickt hat: den FPÖ-Politiker Norbert Hofer oder den Grünen Polit-Pensionisten Alexander Van der Bellen.

Welche Auswirkungen hat der Sieg von Donald Trump auf die Wahl des österreichischen Bundespräsidenten am 4. Dezember? Ich führe im Videoblog „Von Wien nach Südosten“ mit drei Journalisten Interviews, die den Rechtspopulismus in Österreich seit Jahren genau beobachten.  Alexandra Föderl-Schmid, Co-Herausgeberin und Chefredakteurin von der Standard.at. Rainer Nowak, Chefredakteur der konservativen österreichischen Tageszeitung „Die Presse“. Und Hans Peter Siebenhaar, er ist Österreich-Korrespondent des Handelsblattes mit Sitz in Wien. Alle drei stellen sich derzeit die gleiche Frage: Wie politisch rechts ist Österreich wirklich?

 

 

Autor: Till Rüger

Kamera: Markus Grohs, Michael Coufal

Schnitt: Günter Stöger

 

Gewinnt der gelernte Flugzeugtechniker Hofer die Stichwahl-Wiederholung, wird er mit 45 Jahren das weitaus jüngste Staatsoberhaupt Österreichs – und das dritte ohne akademischen Titel. Präsident ist Hofer schon jetzt, und zwar Dritter Nationalratspräsident; dieses Amt legte er für die Kandidatur nicht zurück. Geht der Wirtschaftsprofessor und frühere Grünen-Chef Van der Bellen auch aus der zweiten Stichwahl als Sieger hervor, zieht der – je nach Betrachtung – zweit- oder drittälteste Präsident in die Hofburg ein. Mit dann 73 Jahren bei der Angelobung am 26. Jänner ist er zweitältester Bundespräsident zu Beginn der ersten Amtszeit: Nur Theodor Körner war mit 78 Jahren älter. Zu Beginn der zweiten Amtszeit war Adolf Schärf (73) um zwei Wochen älter als Van der Bellen es am 26. Jänner 2017 ist.

 

Vom Volk gewählt werden die Bundespräsidenten erst seit 1951. Der erste Bundespräsident der Zweiten Republik, Karl Renner, wurde 1945 von der Bundesversammlung gewählt – vor der die Staatsoberhäupter jetzt ihren Amtseid leisten. Von den sieben direkt gewählten Präsidenten waren fünf SPÖ- und zwei ÖVP-Kandidaten. Seit der ersten Volkswahl am 6. Mai 1951 übten mehr als 47 Jahre Bundespräsidenten das Amt aus, die von der SPÖ ins Rennen geschickt worden waren, und 18 Jahre die siegreichen ÖVP-Bewerber. Aus den Reihen der ÖVP kam der einzige, der auf eine zweite Amtszeit verzichtete – der wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittene Kurt Waldheim (ÖVP) zog sich 1992 zurück. Ihm folgte der zweite ÖVP-Bundespräsident, Thomas Klestil. Er starb kurz vor Ende seiner zweiten Periode im Amt – ein Schicksal, das zuvor fast alle Bundespräsidenten erlitten. Heinz Fischer, dessen Amtszeit am 8. Juli endete (seither übt das Nationalratspräsidium die Amtsgeschäfte aus), ist erst das dritte Staatsoberhaupt, das in Pension geht – nach Waldheim und Rudolf Kirchschläger – und damit der einzige lebende Bundespräsident i.R.

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