„Arnold Schönberg im Focus“ Fotographien 1880 – 1950, im Wiener Schönberg Center. Foto: Hertha Hurnaus

„Kein einsamer Säulenheiliger“
„Arnold Schönberg im Focus – Fotografien 1880 – 1950“

Arnold Schönberg (1874 – 1951) war weit mehr als der weltberühmte Mann der Zwölftonmusik. Der vielseitige Komponist und Musiktheoretiker malte und unterrichtete auch, ließ sich gerne fotografieren und fotografierte auch selbst. Rund 3500 historische Fotos sind in seinem Nachlass erhalten. Sie zeigen das Leben Schönbergs über sieben Jahrzehnte hinweg. Aufgenommen wurden die Bilder von diversen Ateliers oder Privatleuten. Darunter Schönbergs Bruder Heinrich oder der Schönbergschüler Alban Berg. „Schönberg war ein sehr charismatischer  Künstler und das wird auch durch die Bilder kommuniziert“, sagt Therese Muxeneder, eine der beiden Kuratoren der Ausstellung. Das Bild sei hier nicht nur Abbild, sondern meine und erzähle etwas.

Gleich zu Beginn der Ausstellung sehen die Besucher eine kleine Blechplatte. „Eine Ferrotypie“, sagt Eike Feß, der zweite Kurator. Das war um die Jahrhundertwende eine einfache Methode, sich ein Foto auf einem Jahrmarkt oder einem Straßenfotografen zu kaufen. Auf dem Foto ist Arnold Schönberg zu sehen, gemeinsam mit Cousins und Cousinen und seiner Schwester.

Sehr geehrter Herr Setzer, meinen herzlichen Dank für die Photographien. Sie sind sehr schön und ich bin ganz zufrieden, wenn es mir gelingt, so gut auszusehen, wie diese Bilder, die ganz geeignet sind, Vorbild zu sein.

Arnold Schönberg

Auch ein schlanker grauhaariger Herr im akkuratem karierten Hemd beugt sich interessiert über das Foto.  Es ist Ronald Schoenberg, der Sohn des Komponisten. Eines von drei Kindern aus dessen zweiter Ehe mit Gertrud Kolisch. Der pensionierte Jurist Ronald Schoenberg ist US Bürger, sitzt im Stiftungsvorstand des Schönberg Centers und reist regelmäßig aus Los  Angeles nach Wien. Für ihn sei es eine persönliche Sache zu sehen, wie sein Vater und seine Kollegen zu dieser Zeit ausgeschaut hätten, meint Schoenberg. Denn er selbst habe den Vater ja nur als älteren Mann gekannt.  Ronald Schoenberg vertieft sich weiter in die Fotos. Sie zeigen vierzig Orte in zehn Ländern zu unterschiedlichen Zeiten. Darunter  der Familienurlaubsort in Payerbach oder Wien vor dem ersten Weltkrieg. Prag, Lugano oder Berlin vor dem  Ausbruch des Zweiten Weltkriegs oder New York oder Los Angeles nach der Emigration 1933.  Zu sehen ist ein Arnold Schönberg im altmodischen Badeanzug, im angeregten Gespräch über Noten, am Strand mit dem Komponisten Anton Webern, im strengen Porträt und immer wieder mit Familie. „Von meinem Vater gibt es ja viele verschiedene Bilder“ meint Schönbergs Sohn Ronald. „Er war nicht immer geduldig , wenn er fand, dass jemand etwas Dummes sagte. Aber ich und meine Geschwister wir kannten ihn ja und in der Familie da war er ganz anders. Ein ganz normaler Mensch der uns lunch gemacht hat. Erdnussbutter und Marmeladensandwich und das rundet das Bild von ihm ab.“

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Andrea Beer ist mit Arnold Schönbergs Sohn Ronald Rudolf Schoenberg (geb. 1937 in Santa Monica) durch die Ausstellung gegangen. Foto: BR | Andrea Beer
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Für uns ist es eine persönliche Sache zu sehen, wie mein Vater und seine Kollegen ausgeschaut haben in dieser Zeit. Ich kenne ihn ja als älteren Mann.

Ronald Schoenberg, geboren 1937 in Santa Monica, beim Gang durch die Ausstellung

Arnold Schönberg im Fokus (Trailer)

Vorschau zur Ausstellung „Arnold Schönberg im Fokus. Originale Fotografien 1880 – 1950“
Arnold Schönberg Center, Wien (16. November 2016 – 19. März 2017)

(C) Arnold Schönberg Center

Ronald Schoenberg ist 1937 in Santa Moncia geboren. Vier Jahre zuvor wird auch die Ankunft seiner Eltern in Amerika als Pressefoto festgehalten. Unter dem Titel „Löwe als Lamm?“ Es war ja sein Image, ein Löwe zu sein, lächelt Kuratorin Therese Muxeneder und auf dem Fotos stehe er so lammfromm neben seiner Frau. „Er war kein Lamm zuhause“, meint Ronald Schoenberg dazu. „Aber er war ein Familienmann. Das stört manche Leute, weil sie wollen, dass mein Vater ein Gott sei oder ein Teufel…. (lacht). Aber so ein normaler Familienmensch, das überrascht doch viele.“  Ich will keineswegs als einsamer Säulenheiliger dastehen, so hat Arnold Schönberg selbst formuliert.  Ronald Schoenberg steht unterdessen vor einem roten Büchlein, in dem die Kredite für Schönbergs Haus in Los Angeles stehen, in dem Ronalds Familie heute lebt.  Die Fotos zeigen nicht nur ein langes Stück Privatleben von Arnold Schönberg, sondern sind auch Ausdruck der politischen und gesellschaftlichen Zeit, in der er gelebt hat. Außerdem auch ein Gang durch die Geschichte der Fotografie. Denn zu Schönbergs Lebzeiten macht die Entwicklung der Fotografie einen großen Sprung und wurde technisch immer einfacher. Qualität der Motive und Art der Fotos änderten sich dadurch sichtbar, erklärt Eike Feß. Auch an der reinen Menge der Privatfotos wird dieser technische Fortschritt der Fotografie deutlich. Schönberg habe immer viel fotografiert, etwa in einer neuen Wohnung, meint Feß. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei die Privatfotografie aber noch teuer und aufwändig gewesen. Um 1924 kaufte sich Schönberg dann eine neue Kamera (ein Modell ist in der Ausstellung zu sehen) und fotografierte immer mehr.  Im Urlaub entstanden ganze Fotoserien, etwa von seinem Hund. Sechzehn Bilder konnten nun hintereinander aufgenommen werden, lächelt Eike Feß.  Später ändern sich die Motive. Urlaube macht der herzkranke Schönberg irgendwann keine mehr, dafür hält er die Geburt und den Alltag seiner Kinder in Fotos fest und legt liebevolle Alben für sie an. „Habt ihr hier Fotos von Witz?“ fragt Ronald spontan.

Witz, das war Schönbergs Hund, den er mit in die Emigration nach Amerika nahm und der dann in Boston verlorenging. Schönberg hing sehr an dem Tier und ließ ihn sogar per Annonce suchen. Tierlieb war Arnold Schönberg also auch. Der weltberühmte Zwölftonkomponist hatte in der Tat viele Seiten. Das ist seinem Sohn Ronald natürlich bewusst. Aber er fügt hinzu: Für die Öffentlichkeit ist Schönbergs Musik natürlich das wichtigste Erbe.

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