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Bulgarisch-türkischer Grenzzaun bei Elhowo. Hier patrouilliert Momtschil Tschobanow. Foto: BR | Ekaterina Popova

Was Tschobanow denkt, weiß man nicht
Mit Grenzpolizisten an der bulgarisch-türkischen Grenze

Als ich vor elf Jahren hier als Grenzpolizist anfing, war die Welt eine andere.

Momtschil Tschobanow, Leitender Grenzpolizist bei Elhowo

Im Wahlkampf um die Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten hat auch die Situation an der EU-Außengrenze Bulgariens mit der Türkei eine Rolle gespielt. Seit 2013 versuchten einige zehntausend Menschen über Bulgarien weiter zu kommen. In Richtung Österreich oder Deutschland. Doch die Mehrheit hat den riskanteren Weg über das Mittelmeer gewagt. Trotzdem stellen Politiker die Themen „Migration und Flucht“ häufig in den Mittelpunkt. „Zweifellos ist die Flüchtlingsfrage die größte Herausforderung wegen den Konflikten im Nahen Osten und Nordafrika.“, sagte die Präsidentschaftskandidatin der Regierungspartei GERB Zezka Zatschewa im Wahlkampf. Sie belegte in der ersten Runde überraschend nur Platz 2. Mit fast 26 % wurde Rumen Radew zum Gewinner. Der Ex General meinte: „Ich werde dafür kämpfen, dass sich Bulgarien nicht in eine Pufferzone für Flüchtlinge und Migranten verwandelt.“  Bulgarien kontrolliert an der Grenze zur Türkei eine EU Außengrenze. Unter anderem bei Elhowo.

 

Zweifellos ist die Flüchtlingsfrage die größte Herausforderung wegen den Konflikten im Nahen Osten und Nordafrika.

Zezka Zatschewa, Präsidentschaftskandidatin der Regierungspartei GERB

Ich werde dafür kämpfen, dass sich Bulgarien nicht in eine Pufferzone für Flüchtlinge und Migranten verwandelt.

Rumen Radew, Präsidentschaftskandidat, parteilos, unterstützt von den oppositionellen Sozialisten

Wir laufen Patrouille und werten die Daten der Kameras an der Grenze aus. Wir dürfen an bestimmten Wegen die Papiere der Menschen kontrollieren. Und die Autos, ob sie Leute schmuggeln.

Momtschil Tschobanow, Leitender Grenzpolizist bei Elhowo

Der wuchtige silberne Geländewagen holpert die bulgarisch-türkische Grenze entlang. Momtschil Tschobanow ist auf Patrouille und wird ziemlich durchgeschüttelt. Der grauhaarige Mann Mitte vierzig ist das allerdings gewohnt. Seit 2005 arbeitet er für die Grenzpolizei in Elhowo, nahe der Grenze zur Türkei. „Wir sind hier schon auf einem illegalen Pfad“, meint der bulgarische Grenzpolizist in der grünen Uniform, als der schwere Wagen von der Straße auf einen schmalen Feldweg abbiegt. Bulgariens Grenze mit der Türkei ist rund 270 Kilometer lang. Und für einen Abschnitt von 35 Kilometern ist Momtschil Tschobanow verantwortlich. Sein Auftrag: Menschen ohne gültige Papiere entdecken, abfangen und je nach dem festnehmen.  Vor allem an der grünen Grenze, vor allem nachts.  Fassen die Grenzpolizisten einen Menschen dessen Identität unklar ist, wird derjenige den bulgarischen Behörden übergeben. Für Dokumente in fremder Sprache steht dann ein Dolmetscher bereit. Doch die meisten Menschen hätten gar keine oder keine gültigen Papiere, meint der Grenzpolizist. Der schmale Feldweg wird immer holpriger und steiler , Halten wir mal an, hier ist die Sicht ist hier gut. Stopp here“, fährt Momtschil Tschobanow auf Englisch fort. Sein Grenzabschnitt ist ein Vorzeigeabschnitt und er hat ihn wohl schon oft gezeigt. Auch Ungarns Regierungschef Orban soll schon hier gewesen sein. Der Grenzpolizist zeigt über die weiten Hügel in Richtung Türkei. Hier oben weht ein kalter Wind.  Der meterhohe Grenzzaun ist  aus Stachel- und NATO Draht und die aufgestellten Spezialkameras schicken ihre Bilder in mehrere Kontrollzentren. „Manche versuchen es direkt hier“,  erzählt Momtschil Tschobanow. Diesen Teilabschnitt der bulgarisch türkischen Grenze kontrollieren 30 Grenzpolizisten. Für die gesamte Grenze sind es rund 1500, meint Stojan Mandazhiew, stellvertretender Direktor der Grenzpolizei in Elhowo.  Auseinandersetzungen mit Menschen, die ohne gültige Papiere nach Bulgarien wollen gäbe es dabei nicht, nur Spannungen. Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite sei übrigens gut.  „Es kommt oft vor, dass wir die türkischen Kollegen informieren wenn wir die Menschen auf unserer Videoüberwachung sehen, dann kommen sie gar nicht bis Bulgarien denn die türkischen Kollegen halten sie auf. Gerade letzte Nacht hatten wir so einen Fall. Wir haben mit Hilfe der Kameras eine Gruppe an der Grenze entdeckt und daraufhin die türkischen Kollegen informiert.“. Der Migrantendruck habe sich nach Osten verlagert, bleibe aber stark, so Stojan Mandazhiew.  Die rechten bulgarischen Bürgerwehren, die auf eigenen Faust Menschen fangen seien illegal, betont der Vizedirektor. Unterstützung der EU hingegen ist mehr als willkommen. Deutsche oder britische Geländewagen oder Spezialkameras und seit Anfang Oktober auch mehr Manpower. EU-Polizisten, früher Frontex genannt. Am Steuer des Geländewagens sitzt deswegen auch Johnny. Von ihm erfahren wir nur den Vornamen und dass er Niederländer ist. Er patrouilliert eine zeitlang im Team von Momtschilo Tschobanow  mit „Wir helfen hier, Migranten davon abzuhalten nach Bulgarien zu kommen“ meint der baumlange Militärpolizist, der zuvor schon in Griechenland  eingesetzt war. Im Moment ist es relativ ruhig meinen beide. Doch 2013 und 2014 kamen rund 80 % aller Menschen hier bei bei Elhowo über die Grenze betont Vizedirektor Stojan Mandazhiew seinem Büro. Nun habe sich das Ganze Richtung Osten verlagert. Grund seien mehr Grenztechnik und der Grenzzaun. Der Vizedirektor meint deshalb, dieser müsse schnell fertig gebaut werden, man brauche auch mehr technische Unterstützung oder Autos. Beamte beziehungsweise Soldaten gäbe es genügend.

Nach der Patrouille an der Grenze fährt Momtschilo Tschobanow wieder nach Elhowo zurück. Am Ortsrand steht ein großes graues Haus, die Fenster sind vergittert und an den Stäben weht bunte Wäsche. Manche Menschen winken nach draußen. Sie sind auf der Flucht in Bulgarien gestrandet und warten darauf, weiter verwaltet zu werden.

„Als ich vor elf Jahren als Grenzpolizist anfing war die Welt eine andere“, meint Grenzpolizist Momtschil Tschobanow und lacht ein bisschen. Er steigt aus dem wuchtigen Geländewagen und verabschiedet sich. Was er wirklich über all das denkt? Das weiß man nicht.

In den letzten beiden Monaten hatten wir hier keine Bürgerwehren, aber davor hatten wir viele solcher Versuche an der Grenze. Sie waren in der Grenzzone, sie behaupten sie würden der Grenzpolizei helfen , aber das Gegenteil ist der Fall, denn wir brauchen dann zusätzlichen Leute, die die Migranten vor den Bürgerwehren schützen. Wir müssen aufpassen dass die Bürgerwehren den Menschen nichts antun

Stojan Mandazhiew, Vizedirektor der bulgarischen Grenzpolizei in Elhowo

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Ein niederländischer Grenzpolizist zeigt seine Armbinde. Er gehört zu den europäischen Grenzkontrolleuren, die Bulgarien unterstützen sollen. Foto: BR | Ekaterina Popova
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