Slawi Trifonow in Sofia. Foto: BTV Sofia

Der bulgarische Rockstar Stanislaw „Slawi“ Trifonow kämpft für mehr Demokratie
TV-Star provoziert Politelite

Wer in der Talk- Show von Stanislaw „Slawi“ Trifonow beim Privatsender BTV in Sofia zu Gast ist, muss sich warm anziehen. Denn der tätowierte Zweimetermann mit Glatze und Ohrringen nimmt seine Gesprächspartner gerne in die Zange. Er liebt Ironie und klare Worte und ist damit seit 23 Jahren erfolgreich, auch als Sänger. Rund 150 000 Menschen waren bei seinem letzten Konzert in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Die Innenstadt wurde gesperrt,  es gab Reden und ein ohrenbetäubendes Feuerwerk in den bulgarischen Nationalfarben. Die bombastische Bühnenshow war auch ein politisches Statement. Denn Trifonow hat gemeinsam mit seinem Team ein Referendum initiiert, das die Demokratie in Bulgarien stärken soll, dem ärmsten EU Land. Fast 600 000 Menschen haben dafür unterschrieben, weit mehr als eigentlich notwendig gewesen wären. Das zeigt: Die Enttäuschung über ausbleibende Reformen ist groß, vor allem unter den jungen Bulgaren.

Ich hätte weiter Witze im Fernsehen machen können, aber ich möchte den Menschen zeigen, dass es auf sie ankommt

Slawi Trifonow
Bekannt für Biss und Ironie: In seiner Talkshow nimmt Slawi Trifonow seine Gäste gerne in die Mangel. Foto: BTV Sofia
Bekannt für Biss und Ironie: In seiner Talkshow nimmt Slawi Trifonow seine Gäste gerne in die Mangel. Foto: BTV Sofia

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Slawis Bühnenshow ist ein Statement gegen die Politelite. Vielen Besuchern gefällt das: "Die ganze politische Klasse muss geändert werden. In den letzten 25 Jahren haben uns immer die gleichen regiert und das muss sich ändern." (Konzertbesucher und Unterstützer von Slawi Trifonow) Foto: BTV Sofia
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Das Verhalten dieses Moderators ist sehr oft zynisch und sogar vulgär.

Georg Georgijew, 25, Parlamentsabgeordneter , Chef der Jugendorganisation der Regierungspartei GERB
Georg Georgijew (25), Parlamentsabgeordneter und Chef der Jugendorganisation der Regierungspartei GERB. Foto: BR | Ekaterina Popova
Georg Georgijew (25), Parlamentsabgeordneter und Chef der Jugendorganisation der Regierungspartei GERB. Foto: BR | Ekaterina Popova

Das Referendum hat im Vorfeld für mehr Aufmerksamkeit gesorgt, als die Präsidentschaftswahl die am gleichen Tag stattfindet. Denn ein großer Teil der bulgarischen Politelite wertet Slawi Trifonows Engagement  als Angriff auf das politische System. Drei Fragen werden den rund 6,8 Millionen Wahlberechtigten gestellt: Soll in Bulgarien das Mehrheitswahlrecht eingeführt werden, anstelle des Verhältniswahlrechts? Soll in Bulgarien die Wahlpflicht eingeführt werden? Sollen weniger Subventionen an die Parteien fließen?  Drei weitere geplante Fragen wurden vom Verfassungsgericht gekippt. Darunter: Soll die Zahl der Abgeordneten auf 120 halbiert werden? Die Initiatoren und ihre Anhänger wollen Reformen im Justizsystem oder mehr direkte Demokratie. Viele junge Menschen möchten gerne im Land bleiben, aber der “brain drain“ macht Bulgarien zu schaffen. Die Schwierigkeiten kommen laut Experten auch durch die herrschende Korruption im Land und die Probleme mit der Gewaltenteilung, etwa in der Justiz. Die daraus folgende mangelnde Rechtssicherheit ist für (ausländische) Investoren immer wieder ein Thema. Auch wenn es durchaus gelingt, Firmen nach Bulgarien zu holen, wie etwa in die Wirtschaftszone bei Plovdiv.

Ich weiß nicht wie das in Deutschland ist, aber die Bulgaren warten immer auf einen Retter. Ich sehe mich nicht als den nächsten Retter. Ich bin ein sehr praktischer Mensch. Jetzt geht es um das Referendum und dann setze ich mir andere Ziele.

Slawi Trifonow dementiert politische Ambitionen

Der 50 Jahre alte Showmaster und Politaktivist Slawi Trifonow, nennt die Abgeordneten unterdessen bei seinem Konzert in Sofia öffentlich „Arschlöcher“. „Er ist einfach nur vulgär“ meint Georgi Georgijew. 25 Jahre und Chef der Jugendorganisation der Regierungspartei GERB, die 15 000 Mitglieder hat. Er sei sehr für direkte Demokratie, betont der smarte Jungpolitiker. In dem Referendum sieht er aber einen persönlichen Rachefeldzug eines Populisten gegen die Politelite, da Trifonow  diese früher unterstützt habe  Eine der Fragen sei zudem in einem anderen  Referendum schon gestellt worden. Außerdem sei noch gar nicht klar, ob all die jungen Fans von Trifonow auch wirklich zur Abstimmung gingen. „Das Verhalten des Moderators ist sehr oft zynisch, absichtlich gegen alles und sogar vulgär“, meint der junge Mann. Slawi Trifonow weiß genau wie sehr er provoziert. Er habe Geld, er habe Ruhm, sein frei und unabhängig, meint er. Politische Ambitionen aber, habe er nicht.

Für mich ist vor allem wichtig, dass ich überhaupt gefragt werde und über etwas entscheiden kann. Das ist für mich Demokratie“.

Michaela, 22 Studentin in Sofia über das anstehende Referendum
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