Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Plakat bei den Protesten am Wochenende in Bojanowo nahe der bulgarisch-türkischen Grenze - „Unsere Ahnen haben ihre Pflicht getan, jetzt sind wir an der Reihe“. Foto | Ekatarina Popova

Ein bulgarisches Dorf probt den Aufstand
„We love it here!“

Das Dorf Bojanowo liegt an der bulgarisch türkischen Grenze. Normalerweise ist hier der Hund begraben, aber seit die Regierung plant 2000 Menschen unterzubringen, gibt es Proteste. Obwohl die Flüchtlinge aus dem Irak oder Afghanistan sogar hinter einem Zaun eingesperrt sein sollen, stößt der Plan auf strikte Ablehnung. Am Wochenende gab es Proteste an denen sich rund 500 Menschen beteiligten. Darunter waren die Dorfbewohner. Viele alte Menschen, sowie eine skurril wirkende Rentnergruppe aus Großbritannien. Es kamen aber auch Politiker aus Sofia oder Gruppen von außerhalb angereist. Auch der zweifache Familienvater und Geschäftsmann Dimitr Sagorow  war von Yambol nach Bojanowo gekommen. Er hat mit anderen zusammen bereits rund 30 Kirchen renoviert, erzählt er, und will das orthodoxe Christentum verteidigen. Ansonsten will er keine Flüchtlinge, keine andere Kultur und keine andere Religion  in Bulgarien. Gegen die muslimischen Bulgaren hat er aber ausdrücklich nichts. Sagorow steht neben einer braunen Holzkanone, ein Symbol  aus dem  bulgarischen Widerstand gegen die Osmanen im 19. Jahrhundert. „Während der Aufstände gegen das türkische Joch wurden solche einfachen Kanonen benutzt  und wir wollen heute  frei wählen können ob diese Leute kommen oder nicht.“ Damit meint Sagorow die Flüchtlinge.  Gewalt lehnt er ab.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Das ganze Dorf protestiert gegen das geplante Flüchtlingslager. Foto: BR | Andrea beer
0:00 | 0:00

Unter den Gegnern der Unterkunft sind auch einige Briten, die ihren Lebensabend in Bojanowo verbringen. Darunter Derrick, 63 Rentner aus Wales.  Er hat eine Aufenthaltsgenehmigung und tut viel für Bojanowo meint er. Immigranten will er nicht, denn „We just love it here and do not want it spoiled.” Auch die anderen Briten lieben Bojanowo und wollen, dass alles so bleibt wie ist. 2000 Menschen seien einfach zu viel sind sie sich einig. Und Derrick hat noch einen Rat für die Menschen hier: Wer vor einem Krieg fliegt, der sollte so nah wie möglich bei seinem Land bleiben, damit er gleich wieder zuhause  ist wenn Frieden herrscht. Der Bürgermeister von Bojanowo ist von der sozialistischen Partei hält aber nur ein Grußwort wie er betont. Die Redner – viele von außerhalb – fordern unterdessen mehr Sicherheit für die Bulgaren oder Wohnraum für Grenzpolizisten und nicht für Flüchtlinge.

Auch Atanas Merdschanow steht in der Menge. Er ist Abgeordneter der Sozialisten im bulgarischen Parlament und zur Zeit in der Opposition.  Warum fährt er ins winzige Bojanowo für einen Protest gegen Menschen aus dem Irak oder Afghanistan?

„Wir sind hier um die Bürger zu hören die ihr Recht zu protestieren wahrnehmen weil sie Angst haben“

Durch die Menge stolziert derweil ein gewisser Dinko Valev , ein kompakter Endzwanziger mit auffallender Felljacke.  Dinko  genießt die zweifelhafte Ehre, Menschen ohne gültige Papiere an der bulgarisch türkischen Grenze höchstpersönlich erwischt zu haben. Für diese illegale Selbstjustiz hat Dinko Valev  rechtslastige Bürgerwehren gegründet die die Grenze patrouillieren sollen. Die bulgarische Grenzpolizei will das nicht. Informationen nehmen wir aber entgegen, heißt es in der Direktion in Elhowo.

Die EU hat kürzlich mehr Unterstützung für die bulgarisch türkische Grenze begonnen. Doch der Abgeordnete Merdschanow fordert noch mehr Grenztechnik und Polizei, mehr Engagement auf türkischer Seite, und eine europäische Politik beim Flüchtlingsthema. Für Bojanowo hat er kein eigenes Konzept, in der Nähe sei schon eine große Unterkunft. Woanders sei oft nicht klar was für ein Druck auf Bulgarien laste ärgert er sich.

Nach dem Protest erklärt die bulgarische Regierung, die Sozialisten hätten alles organisiert, als Wahlkampf vor der anstehenden Präsidentschaftswahl am 6. November. An diesem Tag geht es auch um ein Referendum, das ein prominenter Showstar initiiert hat. In diesem geht es darum, die politische Elite zu entmachten, was viele Menschen unterstützen –vor allem junge Bulgaren.

Die Gebietsverwaltung hat am Wochenende bekannt gegeben: Nicht zweitausend Menschen würden nach Bojanowo kommen sondern dreihundert. Wie es genau ausgeht ist aber noch offen Und das Dorf Bojanowo dürfte weiter Ausgangspunkt für Proteste sein. 

In der letzten Regierung war ich Vorsitzender des Ausschusses für innere Sicherheit  - wir entschieden den Grenzzaun zur Türkei zu bauen. Damals hatten wir ständig Besuch von westeuropäischen Nichtregierungs-organisationen. Sie haben uns beschuldigt und Proteste organisiert das wir intolerant gegenüber Ausländern wären. Mich würde interessieren ob diese NgOs jetzt in Berlin oder München protestieren.

Atanas Merdschanow, sozialistischer Parlamentsabgeordneter
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.