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Das Nationalmuseum in Belgrad ist seit Jahren geschlossen. Im Mai 2018 soll es endlich wieder geöffnet werden. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Topmuseen in Belgrad sind weiter geschlossen
„Ein Kultusminister wirft sich vom Dach“

Anfang September besuchte der serbische Kultusminister Vladan Vukosavljevic das Nationalmuseum am Platz der Republik in Belgrad. Es ist seit Jahren geschlossen und der Eröffnungstermin wird immer wieder verschoben. Im Mai 2018 soll es nun so weit sein, doch so richtig glaubt niemand mehr daran. Zu oft wurde ein Termin angesetzt und dann doch nicht eingehalten. Dem Kultusminister scheint es dieses Mal aber ernst zu sein. Denn er verknüpft mit dem Eröffnungstermin weit mehr als nur sein politisches Amt.

Die Belgrader Bürger haben die Sammlungen des Nationalmuseums seit Jahren nicht sehen können. Junge Menschen noch nie. Dabei hat das Museum viel zu bieten: Die Antikensammlung, mittelalterliche Fresken und Ikonen oder eine beachtliche Sammlung bildender Kunst, vor allem aus Europa. Doch Cezanne oder Picasso bleiben vorerst weggepackt. Genau wie die Werke des Museums für zeitgenössische Kunst, das ebenfalls seit Jahren wegen Umbauarbeiten geschlossen ist. Sie lagern  im Moment in den Depots der Serbischen Nationalbank. Hier ist Oktober 2017 nun als Eröffnungstermin angedacht, doch Slobodan Nakarada fällt es inzwischen schwer daran zu glauben. In seinen neun Amtsjahren hat Nakarada bereits sechs Kultusminister scheitern sehen. Es gab einen sogenannten „nationalen Investitionsfonds“ aus dem bestimmte Investitionen hätten finanziert werden sollen, auch unser Museum, sagt Nakarada. Doch sei dieser Fonds zu einem „politischen Fonds“ für verschiedene Parteiaktivitäten geworden.

„Als wir auf dem Dach oben waren, sah ich eine passende Stelle, von der aus sich ein Kultusminister hinunter auf die Straße werfen kann, wenn die Fristen nicht eingehalten werden.“

Vladan Vukosavljevic, Kultusminister Serbien

Das heutige Museum für zeitgenössische Kunst wurde 1958 gegründet, obwohl die damalige Parteiführung Jugoslawiens für diese Kunstrichtung damals wenig übrig hatte. Doch Gründungsdirektor Miodrag Protic ließ sich nicht beirren und kaufte Werke wichtiger Künstler im gesamten Jugoslawien. Ihm verdankt das Museum einen großen Teil seiner sehenswerten Sammlung. Nicht nur die Belgrader bedauern, dass zwei der wichtigsten Museen seit Jahren geschlossen sind. Auch Touristen fragen immer wieder danach, erzählt Jelena Stankovic vom Tourismusverband in Belgrad.

Um die Zeit bis zur Eröffnung zu überbrücken, holt auch das Museum für zeitgenössische Kunst immer wieder Werke für Ausstellungen an anderen Orten aus dem Lager. Eine der Ausstellungen fiel dabei aus dem Rahmen. Gezeigt wurden politische Aussagen, die im Zusammenhang mit dem nicht enden wollenden Umbau gemacht worden waren. Dabei durften auch Baustellenbesuche nicht fehlen.

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Museum für zeitgenössische Kunst. "Das ist doch einfach nicht zu glauben, es kommen ja auch viele Touristen in unsere Stadt. Sie hätten mit der Renovierung schon längst fertig sein sollen. Ich hoffe, dass sich da was bald tut. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, was die Gründe dafür sind. Ich würde sagen, das Problem ist wohl das generelle Verhältnis zur Kultur." - Passantin in Belgrad. Foto: BR | Dejan Stefanovic
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