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Schon 2011 hat die regierungskritische Tageszeitung Nepszabadsag auf seiner Titelseite in 23 Sprachen das Ende der Pressefreiheit in Ungarn angeprangert. Im Oktober 2016 wurde sie selbst zum Opfer Orbans rigider Medienpolitik, meinen Beobachter. Foto: picture-alliance | dpa

Ungarns größte regierungskritische Tageszeitung Népszabadság erscheint nicht mehr
„Das ist ein Putsch“

Der Schock vom Wochenende sitzt noch immer tief bei den Mitarbeitern der ungarischen Traditionszeitung Nepszabadsag. Von heute auf morgen wurde das Erscheinen ihrer Zeitung eingestellt. Die gedruckte Ausgabe war am vergangenen Samstag zwar noch ausgeliefert worden, doch online war Schluss. Die Inhalte waren plötzlich nicht mehr zugänglich, Mitarbeiter konnten ihre Emails nicht mehr abrufen und auch die Diensthandys funktionierten nicht mehr. Außerdem flatterte ihnen ein Brief in Haus, dass sie suspendiert würden. Als Grund nannte der Eigentümer wirtschaftliche Zwänge. Nepszabadsag habe in den letzten neun Jahren umgerechnet sechzehn Millionen Euro Verlust gemacht. Nun werde ein neues Konzept gesucht.

Ungarns größte politische Tageszeitung hat schon häufiger den Besitzer gewechselt und gehörte seit einigen Monaten zur Mediaworks AG. Ein  Firmengeflecht  um den Wiener Finanzinvestor Vienna Capital Partners VCP, dem weitere Zeitungen in Ungarn gehören. Hier zieht der bekannte österreichische Banker Heirnich Pecina die Fäden. Dieser ist bestens in Mittelosteuropa vernetzt und pflegt auch gute Geschäftsbeziehungen zur ungarischen Regierung Orban. Diese setzt kritische Medien seit langem indirekt unter Druck. Doch der ungarische Regierungssprecher nannte das Aus von Nepszabadsag eine autonome Entscheidung des Eigentümers. Die oppositionellen Sozialisten sprachen hingegen von einem schwarzen Tag für die Presse und auch der Chef der EU-Parlaments Martin Schulz solidarisierte sich auf Twitter  mit den Journalisten der Nepszabadsag. Die Redaktion sieht in ihrem Ende  einen Putsch. Denn Nepszabadsag  hob regelmäßig Geschichten über Korruptionsgeschichten im Regierungslager Orban ins Blatt und sah auch dessen umstrittenes Flüchtlingsreferendum kritisch.

Der bisherige Chefredakteur der Nepszabadsag Andras Muranyi und seine Kollegen wollen aber nicht aufgeben, sondern um ihre Zeitung kämpfen. Sie protestieren gegen die Schließung und suchen neue Partner.  Mehrere tausend Menschen protestierten am Samstag auch vor dem Parlament in Budapest. Sie riefen dabei „Orban, hau ab“ und machten deutlich, wen sie für verantwortlich hielten. Auch den Journalisten  Peter Petö hat das Ende der Zeitung zu diesem Zeitpunkt überrascht. Nach den aufreibenden letzten Monaten und der rigiden Medienpolitik der Regierung Orban hatte der Chef vom Dienst bei Nepszabadsag zwar mit Druck gerechnet, aber „Niemand dachte, dass die größte politische Zeitung des Landes über Nacht geschlossen wird.“  Auch die Medienbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE, Dunja Mijatovic reagierte auf das vorläufige aus für Ungarns größte regierungskritische Zeitung. Dies sei ein schwerer Schlag  für die Medienvielfalt und Pressefreiheit in dem EU-Mitgliedsstaat Ungarn, sagte sie. Es sei nur schwer zu glauben, dass das offensichtliche Ende der linksgerichteten Zeitung nur eine unternehmerische Entscheidung gewesen sei.

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Viele Ungarn vermuten, dass Ministerpräsident Virktor Orban persönlich die Einstellung der regierungskritischen Tageszeitung Nepszabadsag bewirkt hat.
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Ich redigierte gerade etwas auf der Online-Seite und plötzlich ging nichts mehr. Es gab Systemstörungen. Ich dachte, es wäre wegen des Umzugs von der Futó Straße in die Bécsi Straße den wir gerade haben und die Techniker oder IT-Kollegen hätten den Stecker gezogen. Dann habe ich den Chef vom Dienst der Online-Ausgabe angerufen und es erfahren. Ich war total schockiert.

Klara Kovacs - Redakteurin bei Nepszabadsag
Vor dem ungarischen Parlamentsgebäude in Budapest haben im Oktober 2016 viele Ungarn ihre Solidarität mit der regierungskritischen Zeitung Nepszabadsag bekundet. Foto: picture-alliance | dpa
Vor dem ungarischen Parlamentsgebäude in Budapest haben im Oktober 2016 viele Ungarn ihre Solidarität mit der regierungskritischen Zeitung Nepszabadsag bekundet. Foto: picture-alliance | dpa
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