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Der ungarische Premier Viktor Orban probiert neue Boxhandschuhe (04.12.2012) - 2016 boxt er gegen Brüssel. Foto: picture alliance | dpa

Ungarn weiter auf Krawallkurs - Feuilleton
Politik als Rauferei

Ich muss in diesen Tagen oft an früher denken. Wenn ich in den Sommerferien bei meinen Großeltern in Ungarn war, verbrachte ich ganze Tage im Freibad des kleinen Puszta-Dorfes. Und immer wenn ich am Buffet für Palatschinken anstand, ging es los. Gingen sie los. Aufeinander nämlich. Ein Wort gab das andere, und schon hatten die Arbeiter und Bauern einen leeren Bierhumpen in der Hand. Und den hauten sie sich gegenseitig auf die Mütze.

 

Wie gesagt. Daran muss ich in diesen Tagen öfter denken. Warum? Weil mich Viktor Orban daran erinnert. Er ist auch ein politischer Raufbold. Sein Vater hat ihn oft vermöbelt, hat er mal erzählt. Und auch er hat sich in seiner Jugend gerne mal geprügelt. „Bekam ich eine Ohrfeige“, gab er zu Protokoll, „gab ich zwei zurück“.

 

So macht der Mann auch Politik: Wie eine Straßenrauferei. Das Dumme nur: Er kann nicht verlieren. Deshalb wird es auch mit ihm kein Fairplay geben, mit Linienrichter und so. So jetzt auch beim Referendum gegen die Flüchtlingsquote. Gong. Ring frei für Viktor. Die Migranten sind schuld. Alles Terroristen. Sagt Orban. Droht Bürgermeistern: „Ich schicke Euch die Flüchtlinge auf den Hals, wenn Ihr nicht abstimmen geht.“ Den Roma spuckte er vor die Füße: „Stütze oder Flüchtlinge?“ Seine Partei hat die Fidesz-Mitglieder mit SMS bombardiert. Alle Kräfte wurden in die Schlacht geschickt. Jaja. So redet Orban. Kämpfen. Schlacht. Grenzen verteidigen. Orban ist im Krieg.

 

Auseinander, ruft der Ringrichter.

 

Das Referendum ging ja dann grandios in die Hose. Zu wenige gingen hin. Viele winkten müde ab. Ist Viktor egal. „98 Prozent sind gegen die Zwangsquote“ – titeln Orbans Hofmedien. Wie? Das ist Orbansche Rabulistik: Nur 40 Prozent gingen wählen, aber die waren fast alle gegen die Flüchtlingsquote, 98 Prozent. Ungültiges Referendum? Pffff. Nimm das. Zwei Ohrfeigen zurück. Eine für die Wähler. Und eine für Brüssel. „Und jetzt schreibe ich das Ganze noch in die Verfassung“, tönt Viktor. „Hier kommt keiner rein, ohne unsere Erlaubnis“. Wir sind der Herr im Haus. Auch wenn Brüssel die Regeln bestimmt.

 

Viktor schaut sich um. Beifall heischend. Und schon kommt die erste Watschen aus Brüssel. Viktors Unterschrift ist auf der Quote drauf. Sagt der EU-Ratspräsident Tusk. Viktor wackelt. Und die nächste Watschen kommt gleich hinterher: Brüssel dreht den Geldhahn zu. Auch der nächste Haken sitzt. Das EU-Geld, also unser Geld verteilt nämlich seit einiger Zeit Orbans Vorzimmer. Freihändig. Geld gibt es auch, wenn der eigene Geldsack noch nicht voll ist, Stichwort: Ko-Finanzierung. Die EU-Kohle wird schon mal vergeben. Die Sache stinkt. Sagen die in Brüssel und rümpfen die Nase. Der Geldhahn bleibt erst mal zu. Linker Haken. Rechter Haken.

 

Tiefschlag für Viktor. Der reißt noch im Liegen kraftlos die Arme in die Höhe, spuckt ein paar Zähne aus und ruft: „Gewonnen“.

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Obwohl er das Referendum gegen die Quoten verloren hat, legt sich Ungarns Premier Orban weiter mit Brüssel an.
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