Im Umfeld der Explosion im Budapester Stadtzentrum wurden Nägel gefunden. Foto: picture-alliance | dpa

Rätselraten um den Sprengsatz in Budapest
Terror oder Mafia oder Inszenierung ?

Am Samstag, gegen 22.30 Uhr explodierte eine Nagelbombe in einem beliebten Ausgehviertel von Budapest. Vor einem leerstehenden Laden. Zwei Streifenpolizisten – Mann und Frau – wurden verletzt. Darüber herrscht Klarheit.

Allerdings hat die ungarische Polizei 20 Stunden gebraucht, um auf einer Pressekonferenz einige dürre Informationen zu präsentieren. Als dramatisches Element zu Beginn der Pressekonferenz diente ein Mitschnitt des Notrufs, den der verletzte Streifenpolizist abgesetzt hatte. „Sie wollten meine Polizisten umbringen“, sagte Karoly Papp, oberster Polizeichef Ungarns. Sie seien das Ziel der Attacke gewesen. Belege für diese These ? Fehlanzeige.

Am Tatort wurden Nägel gefunden. Ungewöhnlich schnell seien zwei Zivilbeamte bei den Verletzten gewesen, gab der Fotograf Attila Kleb – ein Augenzeuge – der linksliberalen Zeitung „Nepszabadsag“ zu Protokoll, „kaum zwei Minuten“ nach seinem Anruf bei der Rettung. Beim Verhör hätten ihn die Zivilbeamten gefragt, ob er „Allahu-Akbar“-Rufe vor der Explosion gehört habe. Ein ARD-Interview lehnte er auf Anfrage ab. Auf Facebook erklärte er, er sei nicht ganz korrekt zitiert worden.

Andere Medien verbreiteten das Gerücht, schon VOR der Explosion habe die Polizei das Gelände abgesperrt. Die linke Oppositionspartei Demokratische Koalition von Ex-Premier Gyurcsany stellte gar einen Zusammenhang zwischen dem Referendum gegen die Flüchtlingsquoten am kommenden Sonntag und dem Anschlag her. Die These wurde auch in sozialen Medien ventiliert, ob die Regierung Orbán sich die Terrorgefahr inszeniere, vor der sie seit Monaten warnt. Notstandsvollmachten hat sie längst in der Verfassung festgeschrieben.

Offen blieb auch die Frage, warum die Polizei das Foto des mutmaßlichen Täters – 1,70 Meter groß, 20 bis 25 Jahre alt, Jeans, weiße Turnschuhe, Anglerhut – zunächst nicht veröffentlichte. Erst am Montag nach dem Anschlag – so kündigte ein Staatssekretär im Innenministerium an, werde die Polizei das Bild online stellen.

Warum die Polizei das ganz große Besteck benutzte – verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzübergängen – obwohl ein Anschlag von Dschihadisten laut Zsolt Molnar, dem sozialistischen Vorsitzenden des Parlaments-Sicherheitsausschusses „unwahrscheinlich“ sei – das bleibt Behördengeheimnis. Und die Mafia-These ? Vor zwei Jahren war ein ähnlicher Sprengsatz in der Innenstadt von Budapest detoniert: Nachts. Eine Bankfiliale wurde dabei zerstört. Der Täter wurde nie gefasst, so Sicherheitsexperte Jozsef Horvath.

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Die Bombenexplosion in Budapest wirft weiterhin Fragen auf. Wer hinter dem Anschlag steckt ist nicht geklärt, während manche eine staatliche Inszenierung angesichts des anstehenden Referendums vermuten.
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Was die Forensiker der Polizei alles am Tatort gefunden haben und welche Schlüsse über Täter und Motive daraus gezogen werden könnten, bleibt weiterhin unklar. Foto: picture-alliance | dpa
Was die Forensiker der Polizei alles am Tatort gefunden haben und welche Schlüsse über Täter und Motive daraus gezogen werden könnten, bleibt weiterhin unklar. Foto: picture-alliance | dpa
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