Milorad Dodik, der Präsident der Republika Srpska, bezeichnet Bosnien & Herzegownia als Missgeburt. Foto: picture-alliance | dpa

Die Republika Srpska und das umstrittene Referendum
Bosnien-Herzegowina vor neuer Zerreißprobe

Mit großem medialen Aufwand wirbt die politische Führung der Republika Srpska dafür, die Volksabstimmung am 25. September zu einem Erfolg zu führen. Das wäre vermutlich gar nicht nötig gewesen, denn ohnehin wird eine  übergroße Mehrheit der rund 1,2 Millionen Wahlberechtigten ihr Kreuzchen auf die Frage bei „Ja“ machen, ob der 9. Januar, auf den auch das Fest des Heiligen Stephan der serbisch-orthodoxen Kirche fällt, künftig „Nationalfeiertag“ werden soll. Denn seit jenem 9. Januar 1992, als unter Leitung des damaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic die Republika Srpska ausgerufen wurde und der den blutigen Bürgerkrieg mit über 100.000 Toten auslöste, wird dieser Tag jedes Jahr von den serbischen Einwohnern der Teilrepublik als „Feiertag“ begangen. Nein, das Referendum dient einem anderen Zweck: Es ist ein Signal an die Zentralregierung in Sarajevo und an die Weltgemeinschaft, dass sich die Republika Srpska aus dem fragilen Staat Bosnien-Herzegowina verabschieden will.

 

Ungeachtet massiver innen- wie außenpolitischer Proteste und Drohungen – ungeachtet eines Urteils des bosnischen Verfassungsgerichts vom letzten Wochenende, wonach das Referendum in der Teilrepublik nicht verfassungskonform sei, bleibt der Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, dabei: „Wir werden unsere nationalen Interessen entschlossen verteidigen. Ich habe mich nie um die Bemerkungen gekümmert, nie darum, welche Macht mir gegenübersteht, um mich daran zu hindern, das Wertvollste – die Republika Srpska – zu verteidigen. Ich habe sie immer verteidigt.“

 

Der muslimische Teil Bosnien-Herzegowinas verfolgt den 25. September mit äußerstem Argwohn: Damit werde das Dayton-Abkommen hinfällig und aufgekündigt, das 1995 unter massivem amerikanischem Druck den dreijährigen Bosnienkrieg beendet und die gemäß den drei ethnischen Bevölkerungsgruppen – Muslime, Kroaten und Serben – sorgsam austarierte Machtverteilung etabliert hatte. Bakir Izetbegovic, Sohn des verstorbenen ersten Staatspräsidenten Bosnien-Herzegowinas, Alija Izetbegovic, und seit sechs Jahren bosniakischer Vertreter im dreiköpfigen Staatspräsidium: „Das für den 25. September angekündigte Referendum ist eigentlich ein Probelauf  für das Referendum über die Abspaltung der Republika Srpska von Bosnien-Herzegowina. Es ist der Beginn der Zerstörung des Friedensabkommens von Dayton vor 20 Jahren, es ist der Beginn der Zerstörung des Friedens in Bosnien-Herzegowina.“

 

In der serbischen Teilrepublik indes trommelt die Führung unverdrossen für eine hohe Zustimmungsrate zum Referendum. In den Videoclips, die im Fernsehen der Republika Srpska ausgestrahlt werden, heißt es abschließend: „Die Republika Srpska braucht dich. Das Referendum über den Tag der Republik Srpska, am Sonntag, 25.09.!“

„Wenn er (Dodik) das Referendum durchführt, dann sollten er und die Öffentlichkeit wissen, dass ab dem Tag das durch Dayton befriedete Bosnien-Herzegowina nicht mehr existiert und wir juristisch gesehen auf einen Zustand zurückfallen, wie er vor dem Krieg war. Wenn er uns in die Situation bringt, Bosnien-Herzegowina zu spalten, dann sollte er wissen, dass das nicht friedlich ablaufen wird.“

Sefer Halilovic, Ex-General, jetzt einflussreicher Politiker in Sarajevo

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„Das Referendum ist eine fertige Sache. Es findet am 25.9. statt. Alle Vorbereitungen sind durch.“ - Milorad Dodik, Präsident der Republika Srpska
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Kommentare (1)

Stefan am

„Denn seit jenem 9. Januar 1992, als unter Leitung des damaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic die Republika Srpska ausgerufen wurde und der den blutigen Bürgerkrieg mit über 100.000 Toten auslöste“ — Zitat ende.

Die Serben haben damals am 9. Januar 1992 ein Bundesland innerhalb von Jugoslawien ausgerufen.

Der Krieg in Bosnien und Herzegowina wurde aber dadurch ausgelöst, als am 29. Februar und 1. März 1992 ein Referendum über die Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina von Jugoslawien stattfand. Es wurde danach entschieden, das mitsamt den Serben die das überhaupt gar nicht wünschen, ein eigenständiger Staat Bosnien und Herzegowina entsteht. Dies entsprach nicht der damaligen Verfassung von Jugoslawien.

Erst diese Unabhängigkeitsbestrebung von teilen der damaligen bosnischen-herzegowinischen Bevölkerung, welches andere Teile der Bevölkerung nicht gewünscht habe, hat am 6. April 1992 zum Ausbruch des Krieges geführt. Genau dem Tag, an dem unter anderem die USA und Deutschland den neuen eigenständigen Staat Bosnien und Herzegowina anerkannt haben.

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