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Im Zuge der Flüchtlingskrise wurden wieder Zäune in Europa hochgezogen - so auch an der griechisch-mazedonischen Grenze. Foto: BR | Schaban Bajrami

Rückblick Flüchtlingskrise 2015
Balkanroute damals und heute

Am 22. Oktober letzten Jahres meldeten die Behörden des EU- und NATO-Landes Slowenien rund 12.000 neuangekommene Flüchtlinge. Einen Tag später waren es sogar mehr als 14.000. Das war der Höhepunkt des seit Anfang September sprunghaft gestiegenen Flüchtlingsandrangs auf der Balkanroute. Bis dieser Weg im März dieses Jahres durch Stacheldrahtzäune geschlossen wurde, nutzten über eine Million Menschen die Balkanroute vor allem in Richtung Österreich und Deutschland. Ein Zusammenschnitt von Handy-Aufnahmen unserer Mitarbeiter vor Ort, die damals dort filmen konnten, wo kein offizielles ARD–Kamerateam hinkam. Sie waren mit dem Handy mehrfach an den Brennpunkten Gevgelija (Mazedonien) und Idomeni (Griechenland) zwischen dem 19.10.2015 und dem 6.4.2016 unterwegs.

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Auf der Balkanroute

Kamera: Schaban Bajrami | Sasko Golov

Schnitt: Christine Dériaz

Und wie ist die Lage heute? Inzwischen gibt es in allen Ländern,  die auf dem Weg der Flüchtige lagen eine komplett andere Situation. Hier ein kurzer Überblick über die Staaten auf der Balkanroute heute:

 

GRIECHENLAND: Das erste EU-Land auf dem Weg der Flüchtlinge befürchtet, dass die Türkei wieder deutlich mehr Migranten übers Mittelmeer schicken könnte. Im Moment befinden sich knapp 60.000 Menschen in staatlichen Aufnahmeeinrichtungen – in ausrangierten Kasernen und alten Industriegebäuden. Seit dem Putschversuch in der Türkei – dort halten sich drei Millionen Flüchtlinge auf – hat sich die Zahl der Ankommenden auf den ostägäischen Inseln mit 1.277 in den ersten zwei Augustwochen wieder verdoppelt.

 

MAZEDONIEN: Auf Grund der jahrelangen tiefen politischen Krise macht Mazedonien quasi keine eigene Flüchtlingspolitik, sondern das, was vor allem Österreich, Ungarn, die Slowakei und Tschechien von dem Land verlangen. Mit finanzieller, technischer und personeller Hilfe dieser Länder wurde die Grenze zu Griechenland abgeriegelt und die Balkanroute damit endgültig geschlossen.

 

SERBIEN: „Es gibt keine Beruhigung der Lage, nur sind die Flüchtlinge nicht mehr so sichtbar“, sagt Helferin Tijana Sijaric in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Rund 300 Flüchtlinge würden im Schnitt täglich in Belgrad gezählt, darunter bis zu 60 Neuankömmlinge. Alle wollten über die hermetisch abgeschlossene Grenze nach Ungarn weiter. Die Familien aus Syrien, Afghanistan, Irak und die Einzelpersonen aus Pakistan. Die Regierung meldet Erfolge der gemischten Patrouillen von Polizei und Soldaten. Anfang August seien innerhalb von wenigen Tagen 1.500 illegale Einreisen über die grüne Grenze aus Bulgarien und Mazedonien verhindert worden.

 

UNGARN: Das Land hat als erstes seine Grenze mit Zäunen zu Serbien und Kroatien abgeschottet. Derzeit halten sich offiziell 1.300 Flüchtlinge in Ungarn auf. Vor dem Grenzzaun zu Serbien warteten teilweise Hunderte, obwohl täglich nur 30 Menschen durchgelassen wurden. Der rechts-nationale Ministerpräsident Viktor Orban konnte seine schwindende Popularität zu Hause durch seine rigide Flüchtlingspolitik deutlich stärken. Am 2. Oktober lässt er die Bürger über die Ablehnung der EU-Quoten zur fairen Verteilung von Asylbewerbern abstimmen. Er stellt diese immer wieder als „Wirtschaftsflüchtlinge“ und potenzielle Terroristen dar.

 

 

KROATIEN: Der EU-Neuling hat sich wegen der einjährigen innenpolitischen Krise nur wenig um das Thema kümmern können und sah sich stets nur als Transitland. Die Polizei schätzt die Zahl der illegalen Grenzübertritte für das laufende Jahr auf zwischen 3.000 und 5.000. Für die Aufgegriffenen wurde Mitte August das neue Aufnahmelager in der Stadt Tovarnik an der Grenze zu Serbien fertiggestellt. Kroatien und Serbien zettelten wegen der Flüchtlinge einen kurzen Handelskrieg an, der auf Druck der EU beigelegt wurde.

 

SLOWENIEN: Auch wenn nur noch sehr wenige Flüchtlinge nach Slowenien kommen, will die Regierung die Zäune an der Grenze zu Kroatien nicht abbauen. Sie traut der Ruhe nicht. Auch die wichtigsten Zeitungen des Landes wie „Delo“ und „Vecer“ rechnen mit einem neuen Zustrom, wenn die Abmachungen der EU mit der Türkei nicht mehr gelten, weil Brüssel der Türkei keine Reiseerleichterung einräumt. Sie werfen der Regierung vor, keinen „Plan B“ in der Schublade zu haben.

 

BULGARIEN: Das Land gehörte bisher im engeren Sinne nicht zur Balkanroute, obwohl im letzten Jahr auch hier über 20.000 Flüchtlinge registriert wurden. Im Moment leben 2.700 Menschen in staatlichen Aufnahmezentren, die aber in der Regel weiter nach Westeuropa wollen. Zwei Drittel der Bulgaren sehen in ihnen eine Bedrohung für die nationale Sicherheit, zeigt die jüngste repräsentative Umfrage im Mai. Deshalb werden auch die selbst ernannten privaten „Flüchtlingsjäger“ unterstützt. Menschenrechtler in Sofia verurteilen die Aktionen.

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Kommentare (1)

Iréne S. am

In der Schweiz sind es bis zu 60 Prozent der Personen, die ein Asylgesuch stellten oder stellen wollten, verschwunden. Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, spricht von „einer neuen Entwicklung“ seit diesem Sommer.
Sie wollten einfach nicht in der Schweiz bleiben, suchen ihren Weg in Richtung Norden. Grund für das vermehrter irregulärer Abreise?
Einer davon, Personen, die nach Deutschland weiterreisen, dort eher mit einem positiven Asylentscheid rechnen.
„Wegen der Zerstörung in Syrien, den Schleppern in Libyen und dem Krisenherd Ukraine zeichne sich für die kommenden Jahre aber keine Entspannung ab“.

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