Stau an der mazedonisch/serbischen Grenze. Foto: BR | Schaban Bajrami

Was die Reise auf der Straße kostet
Mit dem Auto auf der Balkanroute

Es sind zwischen 1.000 und 1.200 Kilometer von Skopje in Mazedonien bis Wien – je nachdem ob man mit dem Auto über Ungarn oder Kroatien/Slowenien fährt. Für beide Strecken sollte man aufgrund der vielen Grenzübergänge und Autobahn-Mautstellen im Sommer aber mindestens zwei Tage Reisezeit kalkulieren. Die Fahrt unserer Mitarbeiter beginnt um 9:00 Uhr in der mazedonischen Hauptstadt Skopje.

 

MAZEDONIEN ist vor allem Transitland für Reisende aus Griechenland oder der Türkei. Auffällig sind die vielen Mautstellen. Anders als in den meisten Ländern auf der Balkanroute wird sowohl bei der Einfahrt auf die Autobahn als auch bei der Ausfahrt Maut verlangt. Und obwohl es in Mazedonien per Gesetz eigentlich verboten ist in Fremdwährung zu bezahlen, nimmt die staatliche Betreiberfirma gerne Euro. Allerdings zu ungünstigen Wechselkurs: 60 mazedonische Dinar entsprechen hier 1,50 €. Der offizielle Wechselkurs liegt aber derzeit bei 61 Dinar für 1 €. Am besten also schon bei der Einreise nach Mazedonien in einer Wechselstube Dinar tauschen oder einfach an einer Tankstelle den Kaffee mit einem 10 € oder 20 € Schein bezahlen und das Rückgeld für die Maut (insgesamt ca. 1,64 Euro) verwenden.

Stau am mazedonisch/serbischen Grenzübergang

Video: Schaban Bajrami

Bei der Weiterreise Richtung SERBIEN am Grenzübergang Tabanovce (Ankunft 11:00 Uhr) gibt es besonders im Sommer während der Ferienzeiten immer wieder Staus. Es scheint, als ließe man sich in Mazedonien etwas mehr Zeit als anderswo für die Grenzkontrolle. Aber bald wird klar, dass es sich um einen Rückstau von der serbischen Seite handelt. Fliegende Händler nutzen den Grenzstau und bieten die neuesten Kinofilme auf DVD an, um 2 € pro Stück. Auch eine Bettlerin bittet um Geld für Brot. Ein kleines Kind auf ihrem Arm erhöht ihre Chancen, dass Autoinsassen ihr aus Mitleid etwas Kleingeld geben. Nach einem lauten Hupkonzert kommt doch noch Bewegung in die Kolonne. Der Grund für den Stau ist banal. Aufgrund eines Absturzes des Computersystems der Grenzbehörden in Serbien funktionierte die elektronische Verarbeitung der maschinen-lesbaren Pässe nicht, man muss auf die gute alte Methode des Einreisestempels zurückgreifen.

 

Gleich nach den Grenzkontrollen sollte man auch in Serbien etwa 20 € – 25 € in serbische Dinar für die Maut umtauschen. Die Autobahngebühr ist streckenabhängig und beträgt von Preshevo bis Shid derzeit 20,25 €. Trotz des Tempolimits von 130 km/h drückt die serbische Polizei bis 20 km/h Tempoüberschreitung oft ein Auge zu. Serbien baut seit Jahren mit EU-Fördergeldern an der Autobahn Richtung Süden und leider finden die Bauarbeiten fast immer im Sommer während der Ferien statt. Die Umleitungen gehen dann über Orts- und Landstraßen, und hier gibt es fast immer Stau. Serbien hat die längste durchgehende Autobahn aller ehemaligen jugoslawischen Teilstaaten – von Nis bis Belgrad. Am Anfang zieht man sein Ticket und bezahlt dann am Ende. Den längsten Stau in Serbien gibt es deshalb immer kurz vor Belgrad – beim Bezahlen der Maut. Anders als in Mazedonien bestimmen die Tankstellenbesitzer den Treibstoffpreis selbst. Je näher an der Hauptroute man tankt, desto höher der Preis. Es ist ratsam schon bei der Einreise, egal ob von Norden oder Süden, kurz die Autobahn zu verlassen und im nächsten Ort zu tanken.

Bei der Ausreise am Grenzübergang Shid (Ankunft 20.00 Uhr) fragt der Grenzbeamte, wann wir denn eingereist sind, weil der Computer unsere Pässe nicht registriert hat. Erst nach unserem Hinweis findet er den Einreisestempel seiner Kollegen im Pass und lässt uns weiterfahren. Um dem normalen großen Grenzstau auf der Autobahn auszuweichen, wählen wir den kleinen kroatischen Grenzübergang Tovarnik. Obwohl nur zwei Fahrzeuge vor uns stehen,  müssen wir dennoch 10 Minuten warten,  erst nach dem zehnten Versuch gelingt es dem kroatischen Zollbeamten unsere Pässe elektronisch einzulesen. Kurz vor Mitternacht erreichen wir Krapina bei Zagreb und übernachten dort.

 

Auch in KROATIEN wird für die Benutzung der Autobahn eine kilometerabhängige Maut verlangt (insgesamt 22,17 Euro). Hier werden die Preise in kroatischen Kuna angegeben. Automatisch wird aber auch alles in Euro angezeigt. Das Rückgeld bekommt man auf Wunsch in Kuna oder Euro ausbezahlt. Bei der Ausreise aus Kroatien (Ankunft 9:30 Uhr)  blättert der Zöllner nur kurz durch die Pässe und wünscht einen Guten Tag.

 

An der Grenze zu SLOWENIEN, die gleichzeitig auch Schengen-Außengrenze ist, werden wir nicht wie früher üblich nach der Menge des mitgeführten Bargeldes gefragt und ob wir genügend Geld für einen EU-Aufenthalt dabei haben, sondern ob wir Kreditkarten mitführen. Gleich nach der Grenze gibt es eine Vignettenverkaufsstelle – auch für Österreich. Die slowenische Vignette ist mit 15 € stark überteuert, da die Fahrt durch Slowenien nur 45 Minuten dauert. Die österreichische Vignette kostet dagegen nur 8,50 €.

 

Bei der Ausreise aus Slowenien nach ÖSTERREICH in Sentilj ist die Grenze offen (Ankunft 10:15 Uhr), so wie es laut Schengener Abkommen auch sein sollte. Allerdings steht seit der  Flüchtlingskrise auf österreichischer Seite am Grenzübergang Spielfeld ein Polizist, der in jedes Auto blickt und nach Flüchtlingen sucht. Der beste Kaffee der gesamten Reise kam unserer Meinung nach aus einem Getränkeautomaten der ASFINAG Raststätte irgendwo auf der Autobahn zwischen Graz und Wien. Insgesamt betrugen die Maut- und Autobahngebühren für die 1.217 Kilometer inklusive Vignetten 57,86 Euro. Wir erreichen Wien gegen 12:45 Uhr – also etwa 28 Stunden nach dem Start in Skopje.

 

Die Rückreise erfolgte über Ungarn. Zum Glück konnten wir die österreichisch-ungarische Grenze bei Nickelsdorf ohne Verzögerung passieren. Auf Grund der temporären Grenzkontrollen durch Österreich hatte sich dort wie fast jeden Tag in der anderen Richtung, auf der ungarischen Seite, ein  10 Kilometer langer Stau gebildet.

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