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Auf der Foto-Ausstellung zeigen Obdachlose

Eine Foto-Ausstellung der besonderen Art
Budapest mit den Augen von Obdachlosen

„Es war wie ein Hilferuf“, erinnert sich Dora Pinter, als sie ihr erstes Foto gemacht hat. „Ich war am Donauufer, spazierte dort enttäuscht, hilflos und verloren umher. Als ich meinen Blick vom Boden hob, fand ich mich plötzlich vor dem Holocaustdenkmal „Schuhe am Donauufer“ wieder. Ich habe sofort meine Schuhe ausgezogen und ein Foto gemacht“, erzählt die korpulente Mutter von zwei Kindern.

Die vierköpfige Familie war damals gerade aus ihrer Mietwohnung geflogen. Der Besitzer hatte sie verkauft und die Familie vor die Tür gesetzt. Dora und ihre Familie wussten nicht, wohin. Vier Monate lang lebten die vier auf der Straße. „Ich war völlig verloren. Ich dachte niemals, dass so etwas mir, uns passieren kann“, erzählt Dóra. „Dann habe ich von diesem Projekt gehört: `My Budapest Photo Project‘. Ich wollte mitmachen, ich wollte meine Gefühle, meine Erlebnisse mit Bildern zeigen“.

 

 

Dora Pinter hat mit dem Foto ihrer Schuhe am Donauufer viele Besucher gerührt.
Dora Pinter hat mit dem Foto ihrer Schuhe am Donauufer viele Besucher gerührt.

Die Idee, die Hauptstadt Ungarns aus der Perspektive von Obdachlosen mit Fotos zu zeigen, entstand in diesem Frühjahr. Organisator Paul Ryan hat etwas Ähnliches schon in London gemacht. „Seit vier Jahren läuft bei uns dieses Projekt, erklärt der Engländer. „ Es gab viele Nachfragen aus Amerika, Australien, Südamerika und auch aus Ungarn“. Die Grundidee ist einfach und klar: Obdachlosen Kameras zu geben, und sie zu bitten, einfach Fotos von ‚ihrer‘ Stadt zu machen.

Etwa Maria und Balint. Sie sind ein Paar. Maria sitzt im Rollstuhl. „Seit meiner Kindheit habe ich Probleme mit der Wirbelsäule. Ohne Rollstuhl schaffe ich es nirgends hin“, sagt sie. „Und in Ungarn haben Behinderte ein verdammt hartes Leben, denn barrierefreie Wege sind hier eine Seltenheit“, klagt die ansonsten gutgelaunte Maria Varga. „Als wir von diesem Fotoprojekt gehört haben, wollten wir zeigen, mit welchen Schwierigkeiten Behinderte hier im Alltag auf der Straße kämpfen müssen“, erläutert Balint Turoczi.

Die Fotografen: Maria Varga und Balint Turoczi. Foto: BR | Attila Poth
Die Fotografen: Maria Varga und Balint Turoczi. Foto: BR | Attila Poth
Maria Varga und Balint Turoczi haben gleich in einer ganzen Fotoreihe dargestellt, dass 'behindertengerechtes Bauen' in Budapest kein Thema ist. Foto: BR | Attila Poth
Maria Varga und Balint Turoczi haben gleich in einer ganzen Fotoreihe dargestellt, dass 'behindertengerechtes Bauen' in Budapest kein Thema ist. Foto: BR | Attila Poth

„Wir möchten mit diesem Projekt zeigen, wie Obdachlose Budapest sehen“, erklärt die Projektleiterin Bernadett Fekete. Ein japanischer Foto-Konzern habe ihnen 100 Einwegkameras kostenlos zur Verfügung gestellt und 87 Kameras kamen zurück. „Mit 2000 Bildern“. Davon hat die Jury 62 ausgewählt. „Ursprünglich wollten wir weniger Bilder nehmen, aber es gab so viele gute Fotos, sogar ganze Fotoserien,“ erzählt Fekete. Unterstützung kam auch von der Budapest Bike Maffia, sie hilft seit fünf Jahren Obdachlosen in der Stadt. Die Mitglieder versorgen Menschen in Not mit Essen, Kleidern und Medikamenten. Das Besondere: sie machen das alles mit ihren Fahrrädern. „Was wir tun, ist nur eine Behandlung der Symptome, „sagt BBM-Gründer Zoltan Havasi, „aber dieses Fotoprojekt ist etwas Nachhaltiges“.

Ein Grafiker stellt begeistert fest: „Endlich bekommen die Leute ein Fischernetz, statt nur Fische“. Aus den vielen Fotos sollen 13 ausgewählt werden für einen Kalender. „Die Einnahmen werden unsere Fotografen bekommen“, verspricht Bernadett Fekete.

Welche Bilder im Kalender sein werden, darüber können die Ausstellungs-Besucher selbst entscheiden. Vor Ort, in der Budapester Pont Galerie (1053 Budapest, Királyi Pál utca 18.) oder auch online auf Facebook.

Die Abstimmung läuft noch bis zum 18. September, 16 00 Uhr.

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