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Mutter Teresa ist am 5.9.1997 im Alter von 87 Jahren in Kalkutta gestorben. Foto: picture-Alliance | dpa

Mutter Teresa wird heilig gesprochen
"Ich gehöre der ganzen Welt"

Für sein eigenes Kind zu sorgen ist wohl ein Instinkt, der jeder Mutter innewohnt. Aber für alle bedürftigen Menschen zu sorgen wie für das eigene Kind, für Kranke, Arme, Waisen, Sterbende, Alte, Neugeborene, das geht weit darüber hinaus. Und doch fand man keinen anderen Namen, um das Wirken von Anjeze (Agnes) Gonxha Bojaxhiu besser zu beschreiben, als – Mutter Teresa.

Wer hätte damals gedacht, als die junge Frau albanischer Herkunft ihre Geburtsstadt Skopje verließ, dass sie ihren eigenen Orden gründen, den Nobelpreis erhalten, selig gesprochen und heute zur Heiligen erklärt würde.

Da mag es nicht verwundern, dass die Volksgruppen auf dem Balkan, so es irgend geht, sie als „eigentlich ihre Mutter Teresa“ vereinnahmen wollen. Und in alter Tradition wird dann auch gerne darüber gestritten und gewetteifert. „Sie war eine Albanerin“, verkünden die Albaner sowohl im Kosovo, wie auch in Albanien. „Ja, aber sie ist in Skopje geboren, also eine gebürtige Mazedonierin“, erwidern die Mazedonier. Und dann melden sich auch noch verhalten serbische Walachen mit dem Argument zu Wort: „aber eigentlich ist in ihrem Blut auch eine Spur walachischen Bluts zu finden“.

Die Mazedonier haben so das staatliche Krankenhaus und ein Gedenk-Haus nach ihr benannt, die Albaner ihre wichtigste Klinik sowie den Flughafen in Tirana und im Kosovo wird in Pristina eine Kathedrale gebaut, die ihren Namen tragen wird. Und in der ganzen Region gibt es weder eine Stadt, noch ein Dorf, in dem nicht eine Straße nach ihr benannt ist.

Öffentliche Namensgebungen sind nicht immer nur ein Zeichen des Respekts oder der Verehrung, sondern folgen auch politischen, besitzergreifenden Motiven. Dabei hat Mutter Teresa längst die Kleingeistigkeit solcher Kategorien verworfen, wenn sie überhaupt jemals für sie eine Bedeutung hatten. Bei der Verleihung des Nobelpreises 1979 machte sie klar:

„Vom Blut her bin ich Albanerin, von der Staatsangehörigkeit her Inderin, nach dem Glauben Katholikin, und ich gehöre der ganzen Welt“.

... und jeder will sie für sich

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Ein Mosaik-Portrait von Mutter Teresa. Foto: BR | Besnik Hamiti
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Der Generalvikar von Kosovo Don Lush Gjergji gehört zu den bekanntesten Mutter Teresa Biographen und glaubt, dass sie ihre albanische Herkunft nie vergessen hat. Foto: BR | Besnik Hamiti
Der Generalvikar von Kosovo Don Lush Gjergji gehört zu den bekanntesten Mutter Teresa Biographen und glaubt, dass sie ihre albanische Herkunft nie vergessen hat. Foto: BR | Besnik Hamiti

Unser Mitarbeiter im Kosovo, Besnik Hamiti, sprach mit dem Generalvikar der katholischen Kirche in Kosovo Don Lush Gjergji. 29 Jahre lang hat er das Wirken Mutter Teresas begleitete, hat 15 Bücher über sie geschrieben und gehört weltweit zu den bedeutendsten Biographen Mutter Teresas.

1968 traf ich sie erste Mal, in Rom. Ich stand vor einem 'spirituellen Giganten', vor einem zeitgenössischen Wunder. Ich wollte in aller Gründlichkeit herausfinden, wer sie ist, warum sie nach Indien gegangen ist, wie kann sie so großherzig und so liebevoll sein - all das wollte ich herausfinden. Daraufhin nahm sie meine Hand, streichelte mich, so als ob ich aus ihrem Schoß entsprungen sei - wie eine zweite Mutter.

Don Lush Gjergji

Ob sie nur zufällig albanischen Ursprungs ist? Oder ist sie das, was sie ist, weil Albaner eine alte Nation sind, mit einer Kultur, Zivilisation und christlicher Tradition, die 2.000 Jahre alt ist. Es ist eine Märtyrer-Nation. Durch Mutter Teresa gab uns Gott Belohnung und Trost für all das, was wir in der Geschichte erleiden mussten.

Sie war eine Dienerin, sie war ein Zeugnis, sie war ein Mensch, der Gott vollkommen ergeben war. Sie hatte einen wundervollen Humor und erklärte mir einst auf ihre ganz besondere Art: 'Wir haben keinen Wettbewerb, denn wir lieben diejenigen, die von niemandem geliebt werden außer von Gott und niemand will sie uns wegnehmen.

Zum 106. Geburtstag wurde in der Kathedrale von Pristina eine Ausstellung mit Porträts von Mutter Teresa eröffnet. Foto | Besnik Hamiti
Zum 106. Geburtstag wurde in der Kathedrale von Pristina eine Ausstellung mit Porträts von Mutter Teresa eröffnet. Foto | Besnik Hamiti
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