Vor einem Jahr war die Situation am Grenzübergang Nickelsdorf zwischen Ungarn und Österreich dramatisch - täglich erreichten Tausende Flüchtlinge Österreich. Foto: BR | Jutta Prediger

Wer durch die Krise Karriere machte
Österreichs Politiker ein Jahr nach der Grenzöffnung

Die Flüchtlingskrise hat die innenpolitische Landschaft Österreichs deutlich verändert. Wer heute an der Spitze des Landes steht, konnte mit einem derartigen Karrieresprung Anfang September 2015 nicht rechnen, als Bundeskanzler Faymann und Bundeskanzlerin Merkel beschlossen die Grenzen für die am Budapester Ostbahnhof wartenden Flüchtlinge zu öffnen. Vor einem Jahr war Hans Peter Doskozil noch ein weitgehend unbekannter Polizeichef im Burgenland. In den teilweise chaotischen Tagen und Wochen nach dem Auffinden der 71 toten Flüchtlinge in einem LKW in Parndorf Ende August und der anschließenden Grenzöffnung  wird aus ihm eine nationale Figur, die ruhig, informativ und gelassen Auskunft gibt. Österreichs Presse nennt ihn bald, wie etwa der Standard, die „ruhige Stimme in unruhige Tagen“. Doskozils Parteifreunde werden auf ihren neuen Medienstar aufmerksam, der im Januar 2016 zum Verteidigungsminister aufsteigt.

 

Als Krisenmanager konnte sich in den stürmischen Septemberwochen auch Christian Kern profilieren – über Nacht wurde der damalige Chef der österreichischen Bahn zum „Sinnbild für Führungsstärke“. Auch seine ÖBB-Kampagne „Menschlichkeit fährt Bahn“ trägt dazu bei, sein Image als eher blasser Technokrat los zu werden, bald gilt Kern als sozialdemokratischer Hoffnungsträger mit Herz. Nach der Wahlschlappe des SPÖ-Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen im Mai und dem Rücktritt von Bundeskanzler Faymann ist der Weg frei für Christian Kern.

 

Norbert Hofer, im September 2015 FPÖ-Parlamentarier und einer der drei Nationalratspräsidenten, erfährt durch den Stimmungswandel im Land Auftrieb: Grenzkontrollen, schärferes Asylrecht, Rückführung dominieren die Debatte und als Hofer im Frühjahr Kandidat der Freiheitlichen für das Präsidentenamt wird, setzt er im Wahlkampf auf genau diese Themen.

 

Drei Karrieren, in denen sich Österreichs Innenpolitik der vergangenen zwölf Monate widerspiegelt.

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Vor einem Jahr am Westbahnhof in Wien - Überfüllte Bahnsteige und überfüllte Züge Richtung Deutschland. Foto: BR | Jan Heier
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