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Prinz Siegfried verliebt sich in Prinzessin Odette. Foto: Stadt Wien Marketing GmbH | Damir Yuysupov

26. Film- und Kulinarikfestival der Stadt Wien
Schwanensee am Wiener Rathausplatz

Übermenschlich muten die Bewegungen der Tänzerinnen des Moskauer Bolschoi Theaters an. Auf der Leinwand am Wiener Rathausplatz wirken die zierlichen Frauen groß. Ihre Performance von Tschaikowskis Schwanensee ist auf die Spitze getriebene Perfektion, die Choreografie ein makelloser Traum aus weißen Ballettröckchen und spinnenhaften Gliedmaßen.

Obwohl es ein kühler Abend ist, sind schon eine halbe Stunde vor Beginn fast alle Plätze des bestuhlten Bereichs belegt. Neben den Tribünen hat sich eine Familie auf dem Boden nieder gelassen. Das Kind schläft auf einer Decke, die Erwachsenen trinken Bier und Cola. In den vorderen Reihen sitzt eine Gruppe älterer Damen. Direkt dahinter hat sich ein junges Paar nieder gelassen. Die Frau trägt High Heels und ihr Begleiter verpasst die halbe Vorstellung, weil er ihr fortwährend neue Getränke holt. Daneben lagert eine Gruppe Jugendliche, die immerzu mit ihren Handys Fotos machen.

Jetzt erscheint ein elfengleiches, blondgelocktes Wesen auf der Leinwand und verführt die Primaballerina. Prinzessin Odette ist zum Schwan verzaubert worden und Prinz Siegfried muss sie retten. Das Publikum starrt gebannt auf das Geschehen. Jede Bewegung des Paares ist getanzte Harmonie, die anrührend wirkt und vor lauter Perfektion fast ein bisschen kühl. Der Prinz hebt seine Herzensdame hoch, die Schwerkraft löst sich auf und die Tänzerin fliegt auf seinen Armen. In dem Moment bellt mitten rein und laut ein Hund. Er kläfft das schwebende Paar an, als gäbe es kein Morgen mehr. Was hampeln die da auch auf seiner Gassigeh-Route rum? Zum Glück ist die 300 Quadratmeter große Leinwand so weit oben positioniert, dass Hund und Frauchen wenigstens das Bild nicht stören, als sie weiter davor entlang flanieren.

Schwanensee ist eine der letzten Vorstellungen des 26. Film- und Kulinarikfestivals der Stadt Wien, das größte seiner Art in Europa. Seit sieben Wochen laufen auf dem Rathausplatz Filmmitschnitte musikalischer Highlights aus der ganzen Welt. Das Programm pflügt sich quer durch alle Genres hindurch. Am Tag nach dem klassischen Ballett tobt Iggy Pop in altbekannter Manier über den Screen. Bislang waren Opern, Operetten, zeitgenössischer Tanz, Jazz- Pop- und Klassikkonzerte zu sehen. Alles kostenfrei für jeden. Rund eine dreiviertel Million Besucher kommen jedes Jahr. Auch 2016 erwarten die Veranstalter eine positive Bilanz.

Am Ende hat der engelhafte Held seine Schöne an den Bösewicht verloren. Das Publikum aber ist trotzdem gut gelaunt. Viele gehen nicht gleich nach Hause, sondern plauschen und feiern noch ein bisschen im kulinarischen Bereich des Festivals auf dem Rathausplatz.

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