Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Stierkämpfe sind nur am Sonntagnachmittag. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Stierkämpfe in Bosnien
Das Turbo-Balkan-Fest in Cevljanovici

Wenn ein Westeuropäer einen Crash-Kurs über die balkanische Mentalität und gastronomische Vorlieben der Region machen will, sollte sich nach Cevljanovici begeben. Cevljanovici ist ein Dorf etwa 45 Kilometer nördlich von der bosnischen Hauptstadt Sarajevo entfernt, das am letzten Juliwochenende zur Pilgerstätte aller wird, die Turbo-Folk-Musik, den traditionellen Kreistanz und vor allem Fleisch lieben. Für die Kinder gibt es Karussell, eine Autoarena, Süßigkeiten in grellen Farben und chinesisches Billigspielzeug.

Alles hat vor 69 Jahren mit Stierkämpfen angefangen. Heute treten eigentlich alle nicht verzehrbaren Tiere in den Hintergrund. Der Fokus liegt auf essbarem Fleisch: Lamm und Cevapcici. Schweinefleisch gibt es wegen der vielen moslemischen Gäste nicht. Bier dagegen fließt in Strömen.

 

Cevljanovici ist kein Platz für Vegetarier. Zwischen vielen Zelten und improvisierten Ständen werden überall Lämmer am Spieß gebraten. Wenn sie durchgebraten sind,  werden sie mit einer einfachen Holzaxt gehauen und kiloweise verkauft. Große Mengen Fleisch werden danach nur in weißes Fettpapier eingepackt und mit den Fingern gegessen. Dazu gibt es weder Salat noch Beilagen. Sie würden das Fleisch verderben. Vielleicht nur etwas Weißbrot. Man setzt  oder legt  sich sogar auf die Wiese, ein Bier dazu und das Fest kann losgehen.

 

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Lammfleischstand auf der Korida in Cevljanovici

Video: BR | Eldina Jasarevic

Für die bessere Verdauung  wird überall der Kolo getanzt. Einige fangen einfach an, Unbekannte schließen sich an und sehr schnell wird ein großer  Tanzkreis gebildet. Und so den ganzen Tag und überall. Die Musik aus vielen Richtungen vermischt sich, aber das stört niemanden.
Schaulustige und Tanzungeübte nehmen das alles mit ihren Handys auf und verschicken es weltweit zu den Verwandten und Freunden in der Diaspora. Viele Landsleute im Ausland regieren darauf mit  weinenden Männchen „Wäre ich nur auch dabei…“

Am Sonntagnachmittag gibt es auch einen Wettkampf in der „Ritterdisziplin Steinwerfen von der Schulter“. Dieses Jahr auch international, denn ein Teilnehmer aus Montenegro ist dabei, so sagt er zumindest selbst. Man verlangt von ihm keinen Ausweis, weil er  wie jemand aus Montenegro spricht. Identifiziert werden sie nicht. Wer soll sich darum kümmern? Bürokratie ist nicht eben eine Tugend auf dem Balkan.

 

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Kolo oder Kreistanz auf der Korida in Cevljanovici

Video: BR | Eldina Jasarevic

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Alte Ritterdisziplin: Steinwerfen auf der Korida in Cevljanovici

Steinwerfen von Schulter wurde als „alte Ritterdisziplin“ angekündigt. Der Sieger gewann 50 Euro. Der Stein war 6 Kilo schwer.
Video: BR | Eldina Jasarevic

Und am Ende gibt es, wie auf den Plakaten und in den Werbungen angekündigt, auch Stierkämpfe. Sechzehn Tiere kämpfen in der Kampfarena gegeneinander. Nicht eben eifrig. Sie sind von der Hitze erschöpft. Das Publikum auch.

Kurz vor 19 Uhr ist der ganze Tanz-Fleisch-Zirkus zu Ende. Das nächste Volksfest ist wieder in zwei Wochen, etwas nördlicher. Viele fahren auch dorthin. Warum denn nicht? Die bosnische Arbeiter- und Bauernklasse kennt kein besseres Fest für dieses Geld: Der Eintritt 2,50 Euro, Kinder gratis, ganztägiges Parken kostet umgerechnet 1 Euro, ein Kilo Lamm 13 Euro, ein Saft oder Bier unter 0,80 Euro und eine Tasse Kaffee  0,50 Euro. Nicht in der EU zu sein hat auch seine Vorteile.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Stierkampf auf der Korida in Cevljanovici

Video: BR | Eldina Jasarevic

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.