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Im Oktober 2015 wurde das slowenische Grenzdorf Rigonce von der Anzahl der Flüchtlinge völlig überrascht. Foto: Zvone Pavlin (Bauer in Rigonce)

Rückblick-Flüchtlingskrise 2015
Angst vor dem Ende des Flüchtlingspakts

Heute ist es ruhig ringsum Rigonce, dem slowenischen Dorf, das direkt an Kroatien grenzt. Die Felder sind saftig grün. Es ist menschenleer. Im Oktober des vergangenen Jahres war das ganz anders, erinnert sich Bauer Zvone Pavlin. Er lebt in dem Dorf, das gerade einmal 130 Einwohner hat: „Durch Rigonce sind insgesamt 67.000  Flüchtlinge in einem Monat gelaufen. An einem Sonntag waren es mal rund 15.000 Menschen. Ich sage Ihnen, das war eine Welt für sich. Das glaubt man nicht.“

Die Bilder von Rigonce gingen damals um die Welt. Das slowenische Dorf, die Gemeinde, ein ganzes Land – alle waren völlig überfordert von der Situation, als der ungarische Ministerpräsident Victor Orban seine Grenzen dichtgemacht hat und die Flüchtlinge den Umweg über Slowenien suchten und schließlich in Rigonce landeten. Ganz plötzlich sei das geschehen, sagt Anwohner Branko Bresevc:

Das hätte ich niemals für möglich gehalten, wir waren völlig überrascht, dass das ausgerechnet hier passiert. Auch davon, dass die staatlichen Organe nicht besser vorbereitet waren.

Branko Bresevc, Anwohner aus Rigonce

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Das Flüchtlingslager in Dobova steht mittlerweile auch leer. Foto: BR | Leon Stebe
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Flüchtlingszug nach Dobova und Brezice

23. Oktober 2015: Immer mehr Flüchtlinge kommen über die kroatische Grenze nach Slowenien. Allein an diesem Tag mehr als 5.000 Menschen. Die Flüchtlinge werden von der slowenischen Polizei an der „Grünengrenze“ eingesammelt und in langen „Flüchtlingsmärschen“ zu den provisorisch Lagern Dobova und Brezice geführt. Ein kurzes Handy-Video von unserem Korrespontenten Till Rüger:

Die Szenen waren chaotisch damals. Flüchtlinge mussten in den ersten Tagen auf den Feldern übernachten, im Schlamm, im Matsch. Erst als sich die slowenischen Behörden organisiert haben, erst dann gab es einen holprigen, aber geordneten Ablauf. Und es gab auch Kritik, dass die Slowenen die Flüchtlinge nicht gut behandelt hätten.  Bauer Zvone Pavlin lässt diese Kritik nicht gelten.

„Wir haben ihnen Wasser gegeben, Nahrung gegeben, wir haben ihnen Brot hierher gebracht.“ Der Bauer ist sichtlich verärgert, wenn man ihn auf die Kritik anspricht. Die Ereignisse haben Spuren hinterlassen – bei den Menschen und in der Landschaft. Der Stacheldrahtzaun, den die slowenische Armee später aufgestellt hat, trennt die Menschen wieder und er trennt Nachbarn. Irena Rudman von der Gemeinde Brezice, zu der auch Rigonce gehört, ist enttäuscht:

Das ist nicht das Europa, das wir uns anfangs gewünscht haben. Das Europa ohne Grenzen. Jetzt steht der Zaun da – ist völlig verwachsen – und das ist ganz sicher nicht der beste Wegweiser für den Tourismus.

Irena Rudman, Gemeinde Brezice

Am Zaun entlang fließt die Sutla, ein kleiner Fluss.  Die Flüchtlinge haben ihn damals auch überquert. Jetzt ist der Zugang zum Fluss gesperrt. „Wir haben das Problem, dass die Kinder, die früher ohne Sorgen im Fluss baden konnten, dass sie das nicht mehr können,“ bedauert Branko Bresevc. Der Zaun schränkt die Menschen ein und dennoch: der Zaun bleibt vorerst. Niemand denkt daran, ihn zu entfernen. Und das findet Bauer Zvone Pavlin richtig:

„Sehen Sie sich an, was in der Türkei los ist. Wenn Europa gegenüber der Türkei noch mehr jammern wird, was passiert dann? Vielleicht lässt Erdogan die Flüchtlinge wieder ziehen. Und vielleicht sind sie dann wieder hier.“

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Brand im Auffanglager Brezice

21. Oktober 2015: Am morgen ist im Auffanglager im slowenischen Brezice ein Feuer ausgebrochen. Die Menschen wurden schnellstmöglich von der Polizei evakuiert, nachdem einige Zelte und Bäume Feuer gefangen haben. Nach Angaben der slowenischen Polizei wurden Laken angezündet, um gegen die schlechten Bedingungen zu protestiert. Viele Flüchtlinge waren frustriert über den Umgang der Behörden mit ihrer Situation und der fehlenden Informationen über ihre Weiterreise. Ein kurzes Handyvideo unseres Producers Gordan Godec:

Sein Nachbar stimmt ihm zu, auch wenn ihn der Anblick auf den Stacheldraht schmerzt. Branko Bresevc rechnet damit, dass dieser Zaun noch jahrelang bestehen wird.

„Nach den Erfahrungen mit den Flüchtlingen in unserem Dorf. Nachdem wir gesehen haben, wie schnell das gehen kann. Und weil wir in den Medien sehen, was in der Welt los ist, muss ich leider sagen:  wir leiden lieber noch einige Zeit unter diesem Zaun.“

Die Bewohner von Rigonce, diesem kleinen Grenzdorf in Slowenien, mussten einige Monate lang zusehen, wie die Folgen globaler Politik, wie Menschen auf der Flucht an ihren Gärten, Höfen und an ihren Feldern vorbeiziehen. Es wird offensichtlich: die Menschen im slowenisch-kroatischen Grenzgebiet wollen vorbereitet sein und sie halten deshalb am Zaun fest, damit sich solche Szenen wie im Oktober des vergangenen Jahres nicht wiederholen.

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