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Mittelalterliche Stecci in der Nekropolis Cengica Bara in Kalinovik in Bosnien-Herzegowina. Foto: picture-alliance | dpa

"Stecci" ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen
Grabsteine aus einer Zeit bevor der Balkan Balkan war

Der Reisende, zerstöre meinen Stein nicht. Die Menschen mögen tun, was ich nicht getan habe, denn erst jetzt weiß ich, wie die unerfüllten Gaben in der Seele brennen

Unter den Stecci sind die Angehörigen der drei damaligen bosnischen Religionen bestattet: die Angehörigen der Bosnischen Kirche (Bogumilen), der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche. Stecci verbanden wohl damals, was die Nachfahren von ihren Schöpfern in den 90er Jahren im Jugoslawien-Krieg blutig in mehrere Staaten teilten.
Stecci (Plural von Stecak) sind mittelalterliche Grabsteine aus dem 11.- 16. Jahrhundert, die vor allem in Bosnien-Herzegowina (58.000), aber auch in angrenzenden Regionen in Nordwestmontenegro (3.500), in Westserbien ( 4.100) und in Südkroatien (4.400 ) zu finden sind.

Die Stecci, die Grabmale aus einer gemeinsamen Vergangenheit, scheinen aber wieder ihre verbindende Kraft zu entfachen. So haben Wissenschaftler aller vier Länder vor fünf Jahren den Antrag an die UNESCO gestellt, sie in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Die Zusammenarbeit hat sich gelohnt: am 15. Juli 2016 wurden die Stecci aufgenommen.

Stecci in der Nähe von Stolac, 160 Kilometer südlich von der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Foto: picture-alliance | dpa
Stecci in der Nähe von Stolac, 160 Kilometer südlich von der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Foto: picture-alliance | dpa

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„Hier liegt Asta, die Tochter von Bogcin Zlousic.

Und ich will nicht hier liegen. 

Ich würde jetzt so gern in der Abenddämmerung mit dir durch die Felder spazieren gehen und dir den Kuss geben, nach dem du gefragt hast und den ich dir nicht gegeben habe. 

Im Jahr 1422, als sich die Glücklichen freuten und ich starb.“

 

 

I N F O S 

 

  • Bei den Stecci sind zwei Formen gebräuchlich: Platten, wie sie auch in anderen Regionen Europas zu finden sind und aufrecht stehende Blöcke, wie sie vor allem in Bosnien vorkommen.
  • Fast 6.000 sind mit Flachreliefs verziert, die menschliche Gestalten zeigen. Häufig sind Szenen aus dem Alltag, der Jagd oder von Ritterspielen sowie Symbole wie Kreuze oder Halbmonde auf Stecci abgebildet.
  • Manchmal sind sie zudem mit Inschriften wie z.B. „Bitte störe mich nicht, ich war wie du und du wirst wie ich sein“ in der Schrift Bosancica
  • Stecci sind die besten materiellen Beweise über das Leben und Menschen in Bosnien, bevor die Osmanen die Region eroberten:„ …ich legte mich im Sommer 1094 nieder, als die Dürre herrschte, so dass es im Himmel keine Träne für mich gab“.

GRABSTEIN-INSCHRIFTEN

"…ich bin schon jenseits, erkenne Korridore, Engel,….ich liebe dich und du sollst atmen, atmen, nur atmen"

"…und wenn es regnet , kannst du nicht so wie ich begreifen, wie sehr eine Wolke enttäuscht ist, wenn sie zu Wasser wird.
1174 Anno Domini, wenn ich mich beim Zählen nicht geirrt habe“

„Hier liegt Stanac, Sohn von Godin, auf seinem adligen Eigentum in Bosnien.
Mich haben nicht sieben Wunden durch Pfeile getötet, mich hat kein wildes Tier gefressen, mich hat kein Strudel in die Tiefe gesaugt, weder Feuer noch Kälte haben mich vernichtet.
Mich hat Sipara getötet, denn sie hat sich mir versprochen, aber einen anderen geheiratet.
Ich vergebe ihr alles und ich werde weiterhin von unserem Sohn träumen, obwohl ich jetzt alleine bin.
Zerstöre diesen Stein nicht. Das sind meine Augen, durch die ich weiter die Sterne und Sipara beobachte.
Im Jahr 1209, in einem schönen, aber traurigen Oktober, denn es gibt nicht mehr, was es früher war und es gibt nicht das, was es in Zukunft geben wird."

"...Ich bin gegangen, bin aber nicht angekommen. Ich habe gebaut, habe aber nicht fertiggebaut. Ich habe gesät, aber nicht geerntet. Ich habe gesprochen, habe aber nichts gesagt. Ich habe geliebt, wurde aber nicht geliebt.
Jetzt gehe ich und soll nicht zurückkommen. Ich möchte aber zurück, denn ich habe nichts fertiggemacht.
Zerstöre diesen Stein nicht, denn Gott wird so einen auch über deine Knochen legen. Du hast auch nicht fertiggemacht, was du vorhattest…."

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Kommentare (5)

Silvio am

Ich war wie du und du wirst wie ich sein !!
Was für ein Grabstein Aufschrift

Bajim am

Bosnische Stecak ist viel älter, bestimt noch aus Ilirische Zeit, leider Forscher haben zu wenig gearbeitet an diese Theme.

Mia am

Diese Grabstein sind sehr beeindrucken. Die Inschriften die hier gezeigt werden, sind so menschlich. Vermutlich ist das so, weil sie aus einer Zeit sind, in der die meisten Menschen noch gleicher waren.

Dan am

Dear author,
According to Arthur Evans, Marian Wenzel and other researchers, the stecci were made
by Vlachs. Majority of researchers rejected the hypothesis of bogumils

Peter Meislitzer am

An die Autorin: Die Legende von den Bogumilen als den Urhebern der stecci hat sich erübrigt, anscheinend als politische Schimäre aus der k.u.k. und der Tito-Jugoslawienzeit.
Wissenschafter wie Marjan WENZEL und der kürzlich verstorbene Dubravko LOVRENOVIC haben die Forschung wiederbelebt und sind zu gänzlich anderen Ergebnissen gekommen.
Immerhin, als ein österreichischer stecci-Liebhaber mit viel Sarajewo-Vergangenheit freut es mich, wenn unsere Medien auch dieses Thema bedienen – auch unter dem Aspekt (nein: Vor allem!), dass diese Grabmale etwas Verbindendes für Bosnien darstellen, wo sonst immer das Trennende betont wird.
Grundsätzlich sind jedoch die englischen Wikipedia-Einträge (stecci, Bosnian Church, Vlachs (!) viel reichhaltiger als die in deutscher Sprache.

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