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Nach Einzelwerken von Ugo Rondinone, Kris Martin, Richard Wright, Edmund de Waal und Susan Philipsz wird dieses Jahr „Man in a Boat“ von Ron Mueck im Theseustempel gezeigt. Foto: BR | Karin Straka

Skulptur des Australiers Ron Mueck zieht Touristen an
Nackte Wahrheit mitten in Wien

Ist dieses Kunstwerk ein Kommentar zur aktuellen Flüchtlingskrise? Man könnte es meinen, in Zeiten, in denen fast täglich Menschen im Mittelmeer ums Leben kommen. Doch der australische Bildhauer Ron Mueck hat sein Werk „Man in a Boat“ (Mann in einem Boot) bereits 2002 in London geschaffen – und die Antwort auf die Frage, was diese Arbeit darstellt, stets offen gelassen. Bis 6. September 2016 ist die täuschend echt wirkende nackte Männerfigur – allerdings mit einem Meter „unterlebensgroß“ – das erste Mal in Österreich zu sehen. Auf Muecks Werk stoßen täglich auch hunderte Touristen: die gleichzeitig faszinierende und verstörende Skulptur steht bei freiem Eintritt mitten in einem der schönsten Wiener Parks: im Volksgarten, im strahlend weißen historischen Theseustempel.

 

Ron Mueck, 1958 als Sohn deutscher Eltern im australischen Melbourne geboren, schuf zunächst Modelle und Gegenstände für die Fernseh-, Film- und Werbeindustrie, bevor er 1997 mit der Skulptur „Dead Dad“ (Toter Vater) in der Ausstellung „Sensation“ in der Londoner Royal Academy schlagartig als Künstler bekannt wurde. Mueck formt seine Skulpturen meist zunächst aus Ton, über eine Gipsform entsteht der endgültige Guss aus Polyester- und Acrylharzen, Silikon und Fiberglas. Auch bei „Man in a Boat“ ist jedes Haar einzeln eingesetzt – ein weiterer Grund, warum die einsame Figur im Holzboot so täuschend echt und fast erschreckend menschlich wirkt.

Silikonguss mit Haar und Farbe: Ron Muecks Skulpturen wirken wie Zwischenwesen – aus einer Welt zwischen Traum und Realität. Foto: BR | Karin Straka
Silikonguss mit Haar und Farbe: Ron Muecks Skulpturen wirken wie Zwischenwesen – aus einer Welt zwischen Traum und Realität. Foto: BR | Karin Straka

„Ron Mueck arbeitet sehr intensiv an der Vieldeutigkeit“

Jasper Sharp, Kurator, Kunsthistorisches Museum, Wien

Im Theseustempel im Wiener Volksgarten wird jeden Sommer ein einzelnes zeitgenössisches Kunstwerk gezeigt. Der klassizistische Bau wurde zwischen 1819 und 1823 vom kaiserlichen Hofarchitekten Pietro Nobile errichtet und beherbergte bis 1890 die mächtige Skulptur „Theseus erschlägt den Kentauren“, die heute im Treppenhaus des Kunsthistorischen Museums zu sehen ist. Seit 2012 nutzt KHM-Kurator Jasper Sharp nun den renovierten Theseustempel, um bedeutende Skulpturen, meist mit Bezug zu seiner britischen Heimat zu zeigen. Der Australier Ron Mueck lebt und arbeitet in London.

 

Auch Kurator Sharp versteht Muecks Skulptur nicht als Kommentar zur Flüchtlingskrise. Doch einsam, ausgesetzt – ohne Ruder, um die Richtung zu bestimmen – wirkt dieser nackte Mann im Boot allemal. Seltsam intim, nah und distanziert zugleich. Wenn das Sonnenlicht durch das Dachfenster des Theseustempels den Innenraum scheinwerferartig ausleuchtet und sich der Blick des Mannes zwar skeptisch, aber auch wenig neugierig in Richtung Ausgang richtet, bleibt am Ende vielleicht sogar ein Funken Hoffnung.

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