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Ein Teil der Großfamilie Xhemalaj gruppiert sich um Großmutter Qefale mit ARD Mitarbeiter Astrit Ibro und Isaleo, der seinen neuen Fußball nicht mehr aus der Hand gibt. Foto: BR | Astrit Ibro

Der Junge aus dem Müll
Hilfe für eine Roma-Familie in Albanien

Ende April habe ich die Roma-Familie Xhemalaj in Vlora, 150 km südwestlich von Tirana besucht. Ich wollte den Familienvater, Leonard kennenlernen, der vor 7 Jahren in einem Mülleimer einen Säugling gefunden und nach Hause mitgenommen hatte. Aus dem Säugling wurde sein jüngster Sohn Isaleo. Ich habe Blut gespendet, um Milch und Medikamente für Isaleo zu kaufen – erzählte mir damals die 65-jährige Großmutter Qefale.

Diese Geschichte vom Jungen aus dem Müll, den eine Roma-Familie aufgenommen hat, war damals Anlass für einen ARD-Beitrag im Hörfunk und hier in unserem Onlinemagazin.

Vor wenigen Tagen, habe ich die Familie wieder besucht: die transbalkanische Autostraße ist mittlerweile fertig gebaut, doch der schmutzige Abwasserkanal ist geblieben, ebenso wie die zwei alten Bretter, die als Brücke zur Familie Xhemalaj dienen.

Der Grund für diesen zweiten Besuch: deutsche Hörer hatten den Radiobeitrag darüber gehört, oder die Geschichte gelesen  und waren von der Solidarität und der Herzlichkeit der armen Familie Xhemalaj gegenüber dem Jungen Isaleo gerührt. Sie wollten für die Roma-Familie spenden, doch sie wussten nicht wie. Durch die Kontakte zu unserem Studio in Wien haben sie meine Adresse bekommen.

 

Dinge, die alle kleinen Jungen dieser Welt wie Isaleo glücklich machen: Fußball und Mannschaftstrikot. Foto: BR | Astrit Ibro
Dinge, die alle kleinen Jungen dieser Welt wie Isaleo glücklich machen: Fußball und Mannschaftstrikot. Foto: BR | Astrit Ibro

Es gab auch Skepsis. Das kann ich gut verstehen. Wenn die albanischen Politiker, die für ein würdiges Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger verantwortlich sind, nicht helfen, warum sollten es Deutsche tun.

Roland Kloos aus Bremen schickte trotzdem sofort 50 Euro. Nach ihm spendete Elisabeth Nierste, die im Jahr 1978 Albanien besucht hatte. Sie wollte für die Schulbildung des Jungen spenden und schickte 250 Euro. Nach ihr meldete sich Gerrit Schneider aus Essen, der gemeinsam mit Michael Siemers 400 Euro und ein BVB-Trikot gespendet hat. Und schließlich hat der Vater von Barbara Ozsvath, der Frau unseres Korrespondenten Stephan Ozsvath, gemeinsam mit einigen Freunden 200 Euro gesammelt. Auf mein Konto kamen so 881 Euro zusammen – die Bank hatte 19 Euro als Kommission abgezogen. Auch eine Kollegin von Radio Tirana war von dieser Hilfsaktion begeistert und hat mir 50 Euro bar in die Hand gedrückt. Meine erwachsene Tochter packte ein Paket mit Kinderkleidern.

Auf dem Weg nach Vlora machte ich in einer Markthalle die erste Station. Auch meine Frau, die mich begleitete, wollte den Jungen erfreuen und kaufte ihm kurze Hosen, einen Ball, Spielzeuge, Stifte, Hefte und natürlich auch eine Schultasche.

All dies kann ein Kind glücklich machen, doch nicht satt. Deshalb haben wir im Supermarkt auch noch Mehl, Nudeln, Zucker, Speiseöl, Reis, Kaffee und Bombons verstaut.

Gegen 14 Uhr standen wir vor der Tür der Familie Xhemalaj. Auf dem Hof machten Leonard und sein Bruder Fatjon im Schatten eines Feigenbaumes Mittagspause. Im Haus waren neun Frauen und Kinder in einem Zimmer versammelt. Der jüngste ist Dionis, 1 Jahre alt, der Enkelsohn von Leonard.

Leonard begrüßte mich und half mir die Lebensmittel in Haus zu tragen. Dann gab er den Frauen schnell ein Zeichen, das Zimmer sauber zu fegen, weil „wir Besuch bekommen“.

Die Familie erkannte mich sogleich und ich wurde wieder herzlich empfangen. Als erstes habe ich Isaleo seine Geschenke übergeben. Er war überglücklich, vor allem über den Fußball, den er nicht mehr aus der Hand geben wollte. Der erste Ball in seinem Leben.

Isaleo wird am 21. August 8 Jahre alt. Als Geburtstag dient der Tag als Leonard ihn in einem Mülleimer in der Stadt Vlora fand.

In diesem September kann er in die Schule gehen. Das war auch eine Bedingung von einigen Spendern und mir. Er selbst will auch in die Schule gehen. Dafür habe ich der Großmutter 300 Euro überreicht, die übrigen Spendengelder hat Leonard bekommen.

 

Isaleo, seine Großmutter und Leonard bedanken sich ganz herzlich bei den Spendern: „Ich danke den deutschen Freunden für diese Hilfe sehr. Mögen ihre Kinder so lange leben wie die Berge“ – so Leonard. Was machen Sie mit diesem Geld – war meine Frage: „Ich bereite meinen Sohn auf die Schule vor, dann essen wir und ich möchte auch Baumaterial kaufen, um unser Haus zu reparieren. Denn bald kommen Regen und der Winter“ – erzählte Leonard.

Isaleo hat einen großen Wunsch: er möchte Musiker werden. Ob sein Wunsch sich erfüllt, oder ob er wie sein Vater Plastik und Dosen sammeln werden muss, das ist heute schwer zu sagen. Hauptsache ist jedoch, dass er gern in die Schule gehen möchte.

Ein Appell an die albanische Politik hat Leonard noch: Arbeitsplätze und bessere Wohnbedingungen auch für die Roma zu schaffen.

Isaelo und sein Vater Leonard danken allen Helfern und Spendern. Unterstützung und Solidarität, die die Roma-Familie in Albanien nur selten erlebt. Foto: BR | Astrit Ibro
Isaelo und sein Vater Leonard danken allen Helfern und Spendern. Unterstützung und Solidarität, die die Roma-Familie in Albanien nur selten erlebt. Foto: BR | Astrit Ibro

Hörfunkbeitrag vom 19.05.16

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