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Die Schulband ist gemischt und besteht sowohl aus Kroaten als auch aus Bosniaken. Foto: BR | Eldina Jasarevic

„Musik ist unsere Religion“
Die Mostar Rock School heilt die Wunden des Krieges

Orhan Maslo sagt selbst, die Musik hat ihn gerettet. Der 38-jährige ist im Waisenhaus aufgewachsen. Nach dem Krieg hat er Konzerte an der Front organisiert. Nach dem Krieg trommelte er bei der bekannten bosnischen Band Dubioza Kolektiv mit. Aber vor vier Jahren stieg er aus – er will mehr als Musik machen. Er gründete die „Mostar Rock School“. „Wir haben seitdem 500 Jugendliche ausgebildet, denen es egal ist, wer was ist. Sie wollen gemeinsam etwas aufbauen. In so etwas müssen wir investieren“.

Den Start finanzierte der norwegische Staat und die deutsche Robert Bosch-Stiftung, auch Holländer halfen. Orhans alte Musiker-Kumpels spendeten den Erlös eines Benefiz-Konzerts für das Tonstudio. Und jetzt werfen sie sich wieder in die Bresche. Mit einem Video werben sie um Spenden für die Schule.

Denn die Norweger haben alle Hilfsgelder für den Balkan eingefroren.

Etwa 200 Schüler gehen in die Schule. Sie können Klavier, Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug lernen. Gut ein Dutzend Lehrer betreut sie. In der Schüler-Band spielen Kroaten und muslimische Bosniaken zusammen. Sängerin Emina ist Muslima, sie freut sich, Musik mit den anderen zu machen. Das ist keineswegs selbstverständlich in Mostar – im „Krieg im Krieg“ (1992 bis 1994) kämpften Kroaten und Bosniaken gegeneinander.

Bis heute ist der Krieg in den Köpfen, erzählt Gitarristin Ana, eine Kroatin. „Natürlich gibt es Vorurteile“, sagt sie. Aber die würden von den Politikern geschürt und von den anderen nachgeplappert. Bassist Riad, mit 13 Jahren der Jüngste, ergänzt: „Sie erzählen uns“, dass wir nicht an das andere Ufer der Neretva sollen“. Ihm ist das egal. Er geht auch vom Osten in den Westen rüber, zu den Kroaten, trifft dort Freunde. Die Schule bewirkt ein Umdenken, meint Keyboarder Ivan. Zu den Konzerten im Ostteil der Stadt, wo die Bosniaken wohnen, kommen auch Besucher von der West-Seite, die hauptsächlich von Kroaten bewohnt wird. „Musik ist unsere Religion“, meint Gitarren-Schüler Adrian.

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Orhan Maslo ist der Gründer der Schule. Er landete im Krieg als Kind in einem Kinderheim. Die Musik habe ihn gerettet. Jetzt will er, dass Musik/Kultur auch seine Heimatstadt Mostar und die jungen Menschen dort rettet. Foto: BR | Eldina Jasarevic
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