Milo Djukanovic regiert seit einem Vierteljahrhundert in Montenegro. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Vor zehn Jahren erklärten die Montenegriner ihre Unabhängigkeit
„Die Mafia hat einen eigenen Staat bekommen“

Es war nicht ganz knapp, aber doch knapp. Nur etwa 45.000 Stimmen mehr hatten die Befürworter der Unabhängigkeit Montenegros. Die, die mit Serbien in einem gemeinsamen Staat zusammen bleiben wollten, hatten verloren. Schon einige Jahre zuvor hatte Montenegro den Dinar abgeschafft – erst kam die D-Mark, dann der Euro. „Wir hatten schon vor der Unabhängigkeit ein eigenes Finanzsystem“, sagt Ljubisa Krgovic, früher Notenbank-Chef.

Und heute? Das Durchschnittsgehalt liegt bei 500 Euro im Monat, in den Läden der Hauptstadt Podgorica sorgt ein 50-Euro-Schein morgens schon für Probleme. Es gibt kein Wechselgeld. Wenn man Leute auf der Straße fragt, ob es ihnen besser geht, sagen sie: Nein. Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Und die Korruption, die sei das Schlimmste.

Seit einem Vierteljahrhundert regiert in Montenegro Milo Djukanovic – mal als Premier, mal als Präsident. „Das Problem ist, dass es in Montenegro keinen Austausch der Eliten gegeben hat“, meint Vuk Maras von der Anti-Korruptions-Bewegung MANS. Die Regierungspartei der Demokratischen Sozialisten glaube, der Staat sei ihr Eigentum. Sie verteilt Jobs in der Verwaltung, um Stimmen zu kaufen. Die Gleichung lautet: Ein Arbeitsplatz – vier Stimmen.

Wer an den Zuständen Kritik übt, lebt gefährlich. Journalisten wurden angegriffen, es gab Anschläge bis zum Mord. „Die Mafia hat mit der Unabhängigkeit einen eigenen Staat bekommen“, meint Oppositionsführer Andrija Mandic.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Staatsgrenze zu Bosnien. Foto: BR | Dejan Stefanovic
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.